SUMMIT OF NEWTHINKING – Open Source in allen Lebensbereichen

Was ist dieses Open Source eigentlich? Was kann es? Und überhaupt wofür braucht man das? Die SUMMIT OF NEWTHINKING lädt zur Diskussion ein.

summit of newthinking

Sam Muirhead möchte Open Source leben. In seinem Projekt „Year of Open Source“ stellt er sich die Aufgabe ein Jahr lang nur noch Open Source Software, Hardware und Services zu nutzen. Doch was bedeutet Open Source eigentlich genau? In Vorbereitung auf sein Projekt hat Sam es seiner Mutter folgendermaßen erklärt: Kochbücher sind Open Source. Niemand hat das Recht einen Kopierschutz auf ein altes Rezept anzuwenden, möge es auch ein wenig modifiziert sein. Coca Cola hingegen ist Closed Source. Nur wenige eingeweihte Mitarbeiter/Innen kennen das Rezept, ansonsten wird es unter Verschluss gehalten.

Open Cola jedoch veröffentlicht das Rezept, ermutigt es nachzumachen, zu modifizieren und wieder zu veröffentlichen. Open Cola ist Open Source. Nutzer/Innen haben den Vorteil, dass sie das Rezept verändern können, wie es ihnen gefällt. Auch kann die Cola selbst produziert werden, was einer Monopolisierung des Marktes entgegenwirkt. Der Produzent profitiert, da er nun direktes Feedback von seinen Kunden bekommt und kann unter anderem seine Produktpalette entsprechend anpassen.

Diese Art der kollaborativen und offenen Zusammenarbeit ist vielen bereits durch kostenlose Software wie Linux, Open Office oder auch durch den beliebten Firefox Webbrowser bekannt. Doch der Open Source Gedanke geht weit über die Softwareentwicklung hinaus. Die Kernpunkte Transparenz, Partizipation und unbeschränkte Verfügbarkeit sind in vielen Teilen der Gesellschaft angekommen. So hat sich im Zeitalter der digitalen Reproduktion, das Verständnis von Kulturprodukten verändert und der Umgang mit Urheberrecht wird in Frage gestellt.

Lizensierungsmodelle wie Creative Commons bieten als Alternative verschiedene Lizenzen, die auch die freie Weitergabe und Weiternutzung von Musik, Videos und Inhalten aller Art erlauben. Auch an der Arbeitswelt ist dieser gesellschaftliche Trend nicht vorbeigegangen. Unternehmen werden offener gestaltet, da auch Arbeitnehmer/Innen sich mehr Flexibilität in ihrem Arbeitsleben wünschen. Zeitgleich fordert die Öffentlichkeit mehr Transparenz von Unternehmen und Organisationen. Konsument/Innen und Rezipient/Innen nehmen ihre Verantwortung war und wollen mehr Teilhabe.

OPEN DATA ist ein Stichwort dieser Bewegung: Inwiefern macht es Sinn, wenn die Fahrplandaten von Unternehmen, wie z.B. der deutschen Bahn, nicht offen und somit für andere weiter verwertbar sind? Welche Daten sollte der Bund veröffentlichen? Haben mündige Bürger/Innen nicht ein Recht auf die Veröffentlichung steuerfinanzierter Studien? OPEN GOVERNMENT ist ein weiteres Schlagwort in der Kette von Forderungen, mit denen sich die moderne Gesellschaft auseinandersetzen muss. Wie offen und transparent muss Politik in einer Demokratie sein? Die Bewegung OPEN EDUCATION stellt Fragen über Finanzierung, Qualität und Teilhaben an Bildung in Zeiten von digitalen Medien und Wikipedia. Durch welche Kriterien darf der Zugang zu Wissen eingeschränkt werden? Wie formiert sich Wissenschaft in diesen Zeiten neu?

Die materiellen Auswirkungen dieser Entwicklung werden beispielsweise in der OPEN HARDWARE-Bewegung deutlich. Auf Plattformen wie thingiverse.com werden Anleitungen ausgetauscht, gemeinsam verbessert und in materielle Gegenstände umgesetzt. Mit der Weiterentwicklung von 3D-Druck bekommt dieser Gedanke eine weitere Dimension.

Kann es sich eine Gesellschaft in Zeiten schwindender Ressourcen noch leisten geschlossene Innovationsprozesse nebeneinander laufen zu lassen? Gesellschaftlich relevante Bereiche, wie Medizin und die Förderung erneuerbarer Energien, könnten durch kollaborative Prozesse ein ganz anderes Tempo aufnehmen.

Die Berliner Agentur newthinking (u.a. Betreiber von netzpolitik.org und Veranstalter der re:publica) arbeitet seit 2003 an der Umsetzung von Open Source Strategien. Dieses Jahres ruft sie ein Event ins Leben, das versucht dieser gesellschaftsübergreifenden Entwicklung einen Ort zur Reflexion und Diskussion zu bieten. Der SUMMIT OF NEWTHINKING findet am 15. und 16.11. in der STATION Berlin statt. In den Tracks open innovation, open business, open data, open reality und auf dem open track wird es über 75 Talks und Workshops rund um das Thema offene Strategien geben. Sam Muirhead wird dort auch über die ersten 100 Tage seines Year of Open Source berichten. Ich sag mal: Pflichtveranstaltung, oder?


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Andreas Weck

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.

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