Starfield Hype – Große Versprechen und offene Fragen

Starfield war zweifelsohne das Highlight des diesjährigen Xbox- und Bethesda-Showcase. Endlich gab es mal richtiges Gameplay zu sehen und davon sogar eine ganze Menge. Das gute dabei: Da alle vorgestellten Spiele in den nächsten 12 Monaten erscheinen sollen, dauert es wohl nicht mehr so lange, bis man den Urlaub für das Science Fiction-Rollenspiel einreichen kann.

Mittlerweile hatten wir auch Zeit, um das gezeigte in aller Ruhe zu verdauen. Außerdem gab es nachträglich auch noch die ein oder andere interessante Information der Entwickler. Wir gehen nochmal auf einige der größten Features des kommenden Bethesda-Krachers ein, zeigen aber auch, wo in den Erwartungen Vorsicht angebracht ist. Bereits bei Cyberpunk 2077 wurden viele Spieler stark enttäuscht, weil das Spiel nicht nur mit technischen Problemen erschien, sondern auch sonst die bei einigen viel zu illusorischen Erwartungen nicht erfüllte.

Die Story – Inszenierung auf „höherem“ Niveau

Es ist ja nicht so, dass Bethesda keine Geschichten erzählen könnte. In der Regel ist die Stärke aber eher beim World Building, also dem erzählerischen Aufbau der Welt. Dazu zählen auch die Unmengen fiktiver Literatur in den Elder Scrolls-Spielen, die einem viele zusätzliche Informationen zur Welt und ihren Bewohnern geben. Die Hauptgeschichte bleibt trotzdem meist eher blass und die Figurenanimationen in Dialogen sehr steif mit teils abgespielten Standardanimationen in Dauerschleife.

Ein bisschen scheint es sich in Starfield zu bessern. Die Charaktere wirken weniger steif, haben auch eine lebendigere Mimik und Gestik. Auch die Kamera wirkt insgesamt ein bisschen cineastischer. Von den Inszenierungskünsten eines CD Projekt-Spiels ist es aber noch weit entfernt. In Cyberpunk sieht man oft Figuren, die sich beim Sprechen bewegen, sich zwischendurch eine Zigarette anzünden oder auch andere Figuren, die auf das gesagte reagieren, von rüden Gesten bis hin zum subtilen Austausch von Blicken.

Von diesem Niveau scheint Starfield dann doch entfernt. Trotzdem scheint die Story um ein mysteriöses Artefakt und Visionen sich in ein großes Abenteuer a la Mass Effect zu entfalten. Dafür sprechen auch die über 150.000 Dialogzeilen. Das sind mehr als Skyrim und Fallout 4 zusammen, aber auch weniger als die 500.000 Zeilen eines Red Dead Redemption 2.

Die Welt selbst ist dabei aber etwas bodenständiger und könnte eine Art Gaming-Gegenstück zur Sciente Fiction-Serie „The Expanse“ werden. Zwar gibt es hier auch Aliens, aber technisch wirkt es etwas näher an der Realität als andere Space-Rollenspiele.

Bei der Vertonung verzichtet Bethesda leider nach wie vor auf den Spielercharakter. Das ist mit Blick auf den selbst erstellten Hauptcharakter zwar verständlich, aber für ein Spiel dieser Größenordnung trotzdem mittlerweile aus der Zeit gefallen.

Starfield Hype um das eigene Schiff und viele Planeten

Der vielleicht größte Stolperstein für den Starfield Hype sind die Raumschiffe. Tatsächlich kann man sich im Spiel nämlich sein eigenes (auch begehbares) Schiff aus Einzelteilen zusammenbauen und mit einer Crew besetzen. Dieses soll sich wohl je nach Ausstattung auch unterschiedlich fliegen und hilft uns, die 1.000 im Spiel befindlichen Planeten zu erkunden.

1.000 Planeten? Eigenes Schiff? Das klingt zunächst einmal aufregend. Das Game Director Howard im Gameplay Video selbst besonders begeistert von den Raumschiffen wirkte, schraubt die Erwartung nochmal zusätzlich hoch. Doch Starfield sieht sich selbst nicht als Weltraum-Simulation und nur kurz nach dem Video gibt’s auch die Bestätigung, dass es in Starfield etwa kein manuelles Landen auf den Planeten gibt. Weltraum und Planetenoberfläche sind zwei voneinander getrennte Spielbereiche.

Bei den Planeten scheinen auch eher die storyrelevanten Planeten wirklich ausgestaltet zu sein. Als am Ende des Gameplays noch einige weitere Planeten zusammengeschnitten werden, wirken diese sehr generisch. Außer Abbau von Rohstoffen und dem ebenfalls recht üppigen Basisbau, scheinen diese Planeten wenige wirkliche Erkundungsreize zu bieten. Vor allem ohne Multiplayer gehe ich davon aus, dass das Abklappern der Planeten für viele sehr ernüchternd sein wird.   

Der Weltraumkampf könnte dafür aber ein interessantes Feature werden, da man unter anderem gezielt einzelne Teile gegnerische Schiffe zerstören kann und auch die eigene Schiffsenergie auf bestimmte Systeme verteilen muss. Es gibt auch Kämpfe an Bord der Schiffen, die sich ebenso hacken und klauen lassen.

Starfield: Official Gameplay Reveal

Spielerisch großes Potential

Für mich die größte Stärke könnte überhaupt das allgemeine Gameplay von Starfield werden. So wählt man bei Erstellung schon einen Background aus und wählt noch optionale Traits die einem weitere Vor- und Nachteile geben. Dazu kommt ein offenbar reichhaltiges Skillsystem, bei dem jeder Skill durch das Erfüllen von Challenges verbessert werden kann.

Spielerisch kommt es aber vor allem darauf an, wie gut verschiedene Systeme ineinander greifen. Es gibt nämlich auch noch den bereits erwähnten Schiffs- und Basenbau, für den wir ebenso auch noch Personal rekrutieren müssen. Zudem ist der Basenbau wohl auch wichtig um Ressourcen zu erlangen. Diese dürften wiederum für das ebenfalls sehr prominent beworbene Crafting-System relevant sein. Um dem Starfield Hype gerecht zu werden, müssen diese Zahnräder geschickt ineinander greifen, dass ein System einen auch Lust auf das andere macht.

Vielleicht war Fallout 76 ein Stück weit auch ein Testballon für einige Survival-Features in Starfield. Trotzdem handelt es sich hier um ein Singleplayer-Spiel. Die Survival-Elemente müssen also ohne Mitspieler funktionieren und motivieren.

Interessant fand ich übrigens auch eine kleine Szene, in der ein Kampf offenbar in Schwerelosigkeit stattfand. Vielleicht bietet Starfield mehrere Spielereien mit hoher, niedriger oder nicht vorhandener Schwerkraft. Auch hoffe ich, dass Bethesda sein Pulver im Gameplay-Reveal noch nicht komplett verschossen hat und es noch einiges mehr zu entdecken gibt, das einen richtig umhaut.

Hoffnung für die Modder

Fallout und Elder Scrolls gelten seit jeher als Paradies für Modder. Das liegt auch an den umfangreichen Modding Tools, die Bethesda stets für ihre Open World-Spiele zur Verfügung stellte. Es war aber auch von Vorteil, dass die Spiele rein technisch oft etwas altbackener und weniger cineastisch wirkten. Es ließen sich auch ohne große Teams damit tolle Inhalte für das Spiel erstellen.

Trotzdem gab es auch große Teams, die komplett eigene Spiele gemacht haben. So etwa Enderal für Skyrim, das euch eine große eigene Spielwelt für über 30 Stunden Spielzeit bietet, sowie ein komplett verändertes Gameplay. Sowohl die englische als auch die deutsche Version sind zudem von professionellen Sprechern vertont. Auch für Fallout gibt es beispielsweise mit Fallout: London Mods, die es mit Vollpreis-Spielen aufnehmen können.

Abseits dieser Total Conversion-Mods, die quasi ganz eigene Spiele sind, gab es trotz der großen Spielwelten immer wieder Probleme, dass sich Mods doch mal gegenseitig ausschlossen, weil sie dann doch an der selben Stelle ein Haus setzen wollen. Mit 1.000 teils wohl leereren Planeten gibt es theoretisch mehr als genug Fläche, um neue Inhalte zu bauen, die sich nicht mit anderen Inhalten oder dem Hauptspiel selbst beißen. Die Frage ist viel eher, in wie weit die betagte Engine bei Starfield an ihre Grenzen stößt.

Fazit: Hype ist geil – in Maßen

Hype ist eine zweischneidige Klinge. Ich selbst liebe diese unglaubliche Vorfreude auf Spiele und ich habe schon bei manchen Spielen mehr Zeit mit dem Aufsaugen von neuen Informationen verbracht, als am Ende im eigentlichen Spiel. So sehr der Starfield Hype jedoch das Feuer der Gaming-Leidenschaft mal wieder in Wallung bringt, so sehr kann es einen auch in die Eiszeit zurückwerfen, wenn sich herausstellt, dass Starfinder eben doch nur ein ziemlich normales Spiel ist.

Alles was man gesehen hat ist schön und gut. Starfield sieht unglaublich gut aus, hat ein interessantes Setting und scheint bekanntes Bethesda-Gameplay um noch einige Facetten zu bereichern. Aber es verleitet dazu, mehr in Worte und Bilder hineinzuinterpretieren, als eigentlich gezeigt wurde. Bestes Beispiel sind dafür die unzähligen Planeten, die in der kleinen Vorschau aber jetzt keine überwältigenden Highlights bieten konnten.

Meine Intuition sagt mir, dass Starfield ein gutes Spiel wird, in das ich etliche Spielstunden versenken werde. Meine Erwartungen halte ich jedoch ähnlich wie bei Cyberpunk 2077 trotzdem auf dem Boden und versuche auch schon einige Dinge auszumachen, die mir sicherlich nicht so schmecken werden. Erwartet man das beste Spiel ever, entsteht eine Erwartungshaltung, in der das Spiel einen eigentlich nur enttäuschen kann, egal wie gut es trotzdem ist.


Image by Bethesda via IGDB


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