Starfield Hype – Wie gut wird Starfield?

Starfield war bereits das Highlight des Xbox- und Bethesda-Showcase 2022. Dieses Jahr setzte Microsoft mit einer eigenen Starfield Direct und 45 Minuten Gameplay einen drauf und kurbelt den Starfield Hype nochmal an. Mit dem Release am 6. September keine drei Monate entfernt, gab es endlich noch tiefere Einblicke in die wichtigsten Systeme des Spiels und natürlich auch in die Welt selbst. Aber wie gut wird Starfield am Ende? Höchste Zeit den Urlaub für das Science Fiction-Rollenspiel einzureichen? 

Mittlerweile hatten wir genug Zeit, um das gezeigte in aller Ruhe zu verdauen. Wir gehen nochmal auf einige der größten Features des kommenden Bethesda-Krachers ein, zeigen aber auch, wo in den Erwartungen Vorsicht angebracht ist. Bereits bei Cyberpunk 2077 wurden viele Spieler stark enttäuscht, weil das Spiel nicht nur mit technischen Problemen erschien, sondern auch sonst die bei einigen viel zu illusorischen Erwartungen nicht erfüllte. Vorsicht also vor dem Hype. Wer sich ein Spiel zu perfekt träumt, kann von der Realität nur enttäuscht werden. 

Die Story – Inszenierung auf „höherem“ Niveau

Es ist ja nicht so, dass Bethesda keine Geschichten erzählen könnte. In der Regel liegt deren Stärke aber eher beim World Building, also dem erzählerischen Aufbau der Welt. Dazu zählen etwa die Unmengen fiktiver Literatur in den Elder Scrolls-Spielen, die einem viele zusätzliche Informationen zur Welt und ihren Bewohnern geben. Die Hauptgeschichte bleibt trotzdem meist eher blass und die Figurenanimationen in Dialogen sehr hölzern, oft mit abgespulten Standardanimationen in Dauerschleife.

Ein bisschen scheint es sich in Starfield zu bessern. Die Charaktere wirken weniger steif, haben auch eine lebendigere Mimik und Gestik. Sie starren einen aber noch immer sehr unheimlich an. Auch die Kamera wirkt insgesamt ein bisschen cineastischer. Von den Inszenierungskünsten eines CD Projekt-Spiels scheint es aber noch weit entfernt. In Cyberpunk sieht man oft Figuren, die sich beim Sprechen bewegen, sich zwischendurch eine Zigarette anzünden oder auch andere Figuren, die auf das gesagte reagieren, von rüden Gesten bis hin zum subtilen Austausch von Blicken.

Dieses Niveau erwarte ich bei Starfield nicht. Trotzdem scheint die Story um ein mysteriöses Artefakt und Visionen sich in ein großes Abenteuer a la Mass Effect zu entfalten. Dafür sprechen auch die – je nach Angaben –  über 150.000 oder 250.000 Dialogzeilen. Das sind mehr als Skyrim und Fallout 4 zusammen, aber auch weniger als die 500.000 Zeilen eines Red Dead Redemption 2.

Die Welt selbst ist dabei aber etwas bodenständiger und könnte eine Art Gaming-Gegenstück zur Science Fiction-Serie „The Expanse“ werden. Zwar gibt es hier auch Aliens, aber technisch wirkt es etwas näher an der Realität als andere Space-Rollenspiele.

Bei der Vertonung verzichtet Bethesda leider nach wie vor auf den Spielercharakter. Das ist mit Blick auf den selbst erstellten Hauptcharakter zwar verständlich, aber für ein Spiel dieser Größenordnung trotzdem mittlerweile aus der Zeit gefallen.

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Starfield Hype um das eigene Schiff und viele Planeten

Der vielleicht größte Stolperstein für den Starfield Hype sind die Raumschiffe. Tatsächlich kann man sich im Spiel nämlich sein eigenes (und zudem begehbares) Schiff aus Einzelteilen zusammenbauen und mit einer eigenen Crew besetzen. Dieses soll sich wohl je nach Ausstattung auch unterschiedlich fliegen und hilft uns, die 1.000 im Spiel befindlichen Planeten zu erkunden.

1.000 Planeten? Eigenes Schiff? Das klingt zunächst einmal aufregend. Das Game Director Todd Howard im ersten Gameplay-Video selbst besonders begeistert von den Raumschiffen wirkte, schraubt die Erwartung nochmal zusätzlich hoch. Doch Starfield sieht sich selbst nicht als Weltraum-Simulation und nur kurz nach dem erste Gameplay Video gab es auch die Bestätigung, dass es in Starfield etwa kein manuelles Landen auf den Planeten gibt. Weltraum und Planetenoberfläche sind zwei voneinander getrennte Spielbereiche.

Bei den Planeten scheinen auch eher die storyrelevanten Planeten wirklich ausgestaltet zu sein. Diese bieten dafür aber recht abwechslungsreiche Hubs die von Neon-Exzess bis hin zu Red Dead Space Redemption reichen. Wir befinden uns aber in einem etwas realistischeren NASA-Punk-Setting und werden nicht alle Planeten bewohnt, geschweige denn zwingend spannend sein. Dennoch soll wohl einiges an Inhalten auf Basis eures Landepunktes generiert werden. So sollen sich wohl die selben Orte in verschiedenen Spielständen unterscheiden können. Trotzdem ist hier die Gefahr gegeben am Ende sehr generisch zu sein. Hier muss das Spiel zumindest gegenüber einem No Man’s Sky mehr Varianz auf den Planeten bieten.

Der Weltraumkampf könnte dafür aber ein interessantes Feature werden, da man unter anderem gezielt einzelne Teile gegnerische Schiffe zerstören kann und auch die eigene Schiffsenergie auf bestimmte Systeme verteilen muss. Es gibt auch Kämpfe an Bord der Schiffen, wodurch ihr das gegnerische Schiff selbst in Besitz nehmen könnt.

Spielerisch großes Potential

Für mich die größte Stärke könnte überhaupt das allgemeine Gameplay von Starfield werden. So wählt man bei Erstellung schon einen Background aus und wählt noch optionale Traits, die einem weitere Vor- und Nachteile geben. Dazu kommt ein offenbar reichhaltiges Skillsystem, bei dem jeder Skill durch das Erfüllen von Challenges verbessert werden kann.

Spielerisch kommt es aber vor allem darauf an, wie gut verschiedene Systeme ineinander greifen. Es gibt nämlich auch noch den bereits erwähnten Schiffs- und Basenbau, für den wir ebenso auch noch Personal rekrutieren müssen. Zudem ist der Basenbau auch wichtig um Ressourcen zu erlangen. Diese dürften wiederum für das ebenfalls sehr prominent beworbene Crafting-System relevant sein. Um dem Starfield Hype gerecht zu werden, müssen diese Zahnräder geschickt ineinander greifen, dass ein System zugleich auch Lust auf das nächste macht.

Mittlerweile sehe ich Fallout 76 ein Stück weit auch als Testballon um einige Survival-Features für Starfield auszuprobieren. Trotzdem handelt es sich hier um ein Singleplayer-Spiel. Die Survival-Elemente müssen also ohne Mitspieler funktionieren und vor allem motivieren. Wie viel Leben die angeheuerten NSCs in Basen und Schiff bringen, muss sich ebenso zeigen.

Spannend wird auch, wie sich Schwerelosigkeit und unterschiedliche Schwerkraft spielen.. Dieser Aspekt bietet auch spielerische Potentiale, die sich aber wohl eher innerhalb der Hauptstory richtig entfalten. Bei den verschiedenen Space-Siedlungen wird es auch interessant, in wie weit Bethesda diese sinnvoll mit Leben füllen konnte. 

Hoffnung für die Modder

Fallout und Elder Scrolls gelten seit jeher als Paradies für Modder. Das liegt auch an den umfangreichen Modding Tools, die Bethesda stets für ihre Open World-Spiele zur Verfügung stellte. Es war aber auch von Vorteil, dass die Spiele rein technisch oft etwas altbackener und weniger cineastisch wirkten. So ließen sich auch ohne große Teams damit tolle Inhalte für das Spiel erstellen.

Trotzdem gab es auch große Teams, die komplett eigene Spiele gemacht haben. So etwa Enderal für Skyrim, das euch eine große eigene Spielwelt für über 30 Stunden Spielzeit bietet, sowie ein komplett verändertes Gameplay. Sowohl die englische als auch die deutsche Version sind zudem von professionellen Sprechern vertont. Auch für Fallout gibt es beispielsweise mit Fallout: London Mods, die es sogar mit Vollpreis-Spielen aufnehmen können.

Abseits dieser Total Conversion-Mods, die quasi ganz eigene Spiele sind, gab es trotz der großen Spielwelten immer wieder Probleme, dass sich Mods doch mal gegenseitig ausschlossen, weil sie dann doch an der selben Stelle ein Haus setzen wollen. Mit 1.000 teils wohl leereren Planeten gibt es theoretisch mehr als genug Fläche, um neue Inhalte zu bauen, die sich nicht mit anderen Inhalten oder dem Hauptspiel selbst beißen. Die Frage ist viel eher, in wie weit die betagte Engine bei Starfield an ihre Grenzen stößt. Starfield setzt nämlich weiterhin auf die hauseigene Creation Engine. Auch bleibt die Frage, ob es eine gewisse Hoheit für Mods gegenüber den Generierungssystem des Spiels gibt. Auch ein Zugriff für Modder auf Teile für den Schiffs- und Basenbau täte der Langlebigkeit des Spiels gut. 

Fazit: Hype ist geil – in Maßen

Hype ist eine zweischneidige Klinge. Ich selbst liebe diese unglaubliche Vorfreude auf Spiele und ich habe schon bei manchen Spielen mehr Zeit mit dem Aufsaugen neuer Informationen verbracht, als am Ende im eigentlichen Spiel. So sehr der Starfield Hype jedoch das Feuer der Gaming-Leidenschaft mal wieder in Wallung bringt, so sehr kann es einen auch in die Eiszeit zurückwerfen, wenn sich herausstellt, dass Starfield eben doch nur ein ziemlich normales Spiel ist.

Alles was man gesehen hat ist schön und gut. Starfield sieht – abseits starrender Blicke und grauenhafter Haare – unglaublich gut aus, hat ein interessantes Setting und scheint bekanntes Bethesda-Gameplay um einige neue Facetten zu bereichern. Aber es verleitet dazu, mehr in Worte und Bilder hineinzuinterpretieren, als eigentlich gezeigt wurde. Bestes Beispiel sind dafür die unzähligen Planeten, die zum Teil dafür arm an Highlights sein könnte.

Meine Intuition sagt mir, dass Starfield ein gutes Spiel wird, in das ich etliche Spielstunden versenken werde. Meine Erwartungen halte ich jedoch ähnlich wie bei Cyberpunk 2077 trotzdem auf dem Boden und versuche auch schon einige Dinge auszumachen, die mir sicherlich nicht so schmecken werden. 

Gespannt bin ich aber bereits auf die Spielerkreation – sowohl mit den Tools des Spiels, als auch von der Modding-Community. Mich würde es nicht wundern, wenn wir in einigen Jahren sogar ein riesiges Tamriel besuchen können, die Welt der Elder Scrolls-Spiele. Das Potential der Sandbox ist groß. 


Image by Bethesda via IGDB


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