Microsoft „leiht“ Suchergebnisse bei Google

Der Vorwurf wiegt schwer. Und Verantworliche von Microsofts Suchmaschine bing versuchen erst gar nicht, die Anschuldigungen zu verneinen: bing borgt sich bei Google immer dann die Ergebnisse aus, wenn die Nutzer Kauderwelsch eingeben, also Begriffe so falsch schreiben, dass die Suchmaschine gar nichts damit anfangen kann. Seit Google eine ähnliche Technologie wie die Lösung der deutschen Firma exorbyte eingebaut hat, kann Google nämlich ungefähr erkennen, was Legastheniker, Betrunkene oder andere notorische Falschschreiber wohl meinen könnten. Und auch bei Fachbegriffen aus der Wissenschaft können sich gern mal Fehler einschleichen. Wer kann schon all die griechisch- oder lateinischstämmigen Wörter fehlerfrei in einer Tastatur hacken?

In dem Fall zeigt Google immer eine zusätzliche Zeile über den Suchergebnissen an, dass es ein falsches Wort erkannt hat, wie bei Gynälologie, da kommt dann „Meinten Sie: Gynäkologie:“ und dann folgen die Ergebnisse zu dem wahrscheinlichsten richtigen Begriff. Die Firma Exorbyte hatte vor einigen Jahren zu diesem Thema Bahnbrechendes mittels der Levenshtein-Distanz auf den Markt geworfen. Damit kann man – bei schnellen Rechnern – in hoher Geschwindigkeit, fehlende oder falsche Zeichen so ersetzen, dass ein bekanntes Wort aus einer lexikalischen Liste aller bekannten Begriffe erkannt wird. Nicht so bei bing…

Denn Bing verfügt nicht über so eine Technologie und läßt mittels Clickstream, u.a. über die bing-toolbar, der Nutzer des Internet Explorer die Ergebnisse bei Google auswerten und erfährt so: Was hätte Google bei der einen oder anderen Fehlschreibung als Ergebnis geliefert und kopiert das einfach. Die Leute von Google haben es sogar nachgewiesen, indem sie sogenannte „honeypots“ installierten mit unmöglichen Wörtern und diese zuhause in ihre Internet Explorer mit bing-tollbar „einspeisten“. Sie verglichen dann die Ergebnisse bei bing mit diesen präparierten falschen Wörtern ihrer eigenen Suche. Bing(o): Es wurde schnell klar, dass die Leute von Microsoft/bing die Technologie von Google im Verhalten beobachten und die Resultate dann einfach kopieren und ihrerseits in ihrer Suchmaschine verwenden. Erkennbar ist das vor allem, dass sie die Falschschreibung nicht wie bei Google mit einer Zeile „Meinten Sie...“ anzeigen, sondern einfach so die Ergebnisse eines möglichen korrekten Suchwortes auflisten.

Herausgefunden hat das Ganze Danny Sullivan von der Website Searchengineland. Er sprach natürlich Microsoft auf diese ungeheure Anschuldigung an:

Harry Shum ist Vice President bei bing und gibt zu, dass bing anonymisierte Daten von registrierten Nutzern des Internet Explorer nutzt, um in diesem Clickstream Daten aus 1000 Quellen zu finden, die in den Algorithmus einfliessen, der bing zu einer Ergebnisliste verhilft. Diese Art, Daten der Kunden aus opt-in Datenströmen zu Verbesserung der Ergebnisse zu nutzen sei doch allgemein üblich.

Das mag üblich sein. Aber das bloße Übernehmen der Ergebnisse von Konkurrenten bei Falschschreibungen ist einfach nur peinlich. Sullivan hat jetzt noch genug Beispiele gefunden, wo bing bei absoluten Fantasiebegriffen wie „hyibbprqag“ und ähnlichem bing exakt dieselben Suchergebnisse zeigt wie bing. Man kann Google ja eine Menge vorwerfen. Aber bing scheint hinsichtlich der technologischen Kapazität Lichtjahre vom Konkurrenten entfernt zu sein. Es wird Zeit, dass ein echter Technologiekonzern diese Redmonder Simulation eines Softwareunternehmens übernimmt.

Mehr (Meinungen) dazu bei techcrunch.
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Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


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