Martin Weigert: „Kontinuität ist eine wichtige Voraussetzung“

Martin WeigertEiner meiner Lieblingsblogs, die ich regelmäßig verfolge, ist netzwertig.com. Nicht zuletzt durch die sehr guten Artikel, die aus Martin Weigerts Feder stammen. Aus persönlichem Interesse an der Person und für euch, liebe Leser, habe ich Martin nun einmal für ein Interview gewinnen können und ihn mal ein wenig über seine Arbeit und seine Person befragt.

Dabei habe ich ein paar interessante Einblicke gewonnen. Warum z.B. Sascha Lobo sein Wunschkandidat wäre als Autor für netzwertig.com und was er jungen Bloggern so mit auf den Weg gibt, um erfolgreich zu bloggen, erfahrt Ihr in dieser kleinen Gesprächsaufzeichnung.

Lieber Martin, danke dir für deine Zeit und dass du mir so kurzfristig ein paar Fragen über dich und deine Arbeit beantwortest.

Gerne.

Bei meinen Recherchen zu deiner Person ist mir aufgefallen, dass du bis jetzt einen beeindruckend geraden Weg in Bezug auf deinen Beruf hingelegt hast. Angefangen mit einem Studium im Bereich Business Communication Managment in Berlin über verschiedenste Teilzeitjobs, während deines Studiums, wie z.B. bei dem Hoster STRATO. 2008 dann die Gründung von zweinull.cc mit dem ziemlich schnell eintreffenden Erfolg und der Zusammenlegung zu netzwertig.com. Kann man sagen, dass du schon immer wusstest wo du hingehörst? Dass du dich schon immer in der Welt des Digital Business wohl gefühlt hast?

Ja, so kann man das wohl sehen. Mein Faible für das Digitale habe ich frühzeitig erkannt, und als Kind wollte ich auch mal Journalist werden. Letztlich hab ich nun beides miteinander kombiniert – wenn auch ohne Journalismusstudium. Andererseits war ich nach meinem Studium hauptberuflich dreieinhalb Jahre als Projektmanager bei einem Employer-Branding-Unternehmen tätig und in diesem Kontext für bestimmte Printprodukte verantwortlich. Aber ich habe das immer als Übergangsphase gesehen.

Drei Jahre klingt aber schon lange für eine Übergangsphase. Den Job hast du in Schweden ausgeübt richtig? Deine jetzige Wahlheimat. Wie kam es zu der Entscheidung in Stockholm zu leben? Ist Berlin nicht näher dran an der Start-up-Szene und wäre in diesem Sinne als Ausgangspunkt für deine Arbeit eigentlich interessanter?

Ja, ich bin im Sommer 2006 nach meinem Bachelorabschluss aus Berlin nach Stockholm gezogen. Ich hatte schon immer eine Faszination für Schweden, mir auch schon die Sprache beigebracht und in einem Auslandssemester dann erkannt, dass es sich im hohen Norden gut lebt. Damals gab es noch keinen Berlin-Hype. Heute ist das anders. Aber die Flüge nach Berlin sind meist günstiger als innerdeutsche Zugverbindungen. Und manchmal ist es auch ganz gut, nicht zu tief drin zuhängen.

Inwiefern? Glaubst du dadurch einen neutraleren Blick auf die Branche zu haben?

Ja schon. Sicherlich – das ein oder andere Hinterhofgerücht entgeht mir, wenn ich nicht viermal die Woche irgendwelche Szene-Events besuche. Doch zum einen stehen bei uns Gerüchte oder die Kunde von der nächsten einfallslosen Copycat ohnehin nicht im Vordergrund und zum anderen zeigt mir die Erfahrung, dass ich die wichtigen Dinge zumeist trotzdem sehr früh erfahre. Gerade Gründer von innovativen, neuartigen Startups wissen mittlerweile ganz einfach, dass es sinnvoll ist, im deutschsprachigen netzwertig.com zuerst zu benachrichtigen (lacht). Gleichzeitig blicke ich objektiver auf die Berliner Szene und vermeide durch zu enge Bindungen – die sich automatisch ergeben, wenn man bestimmte Leute in unterschiedlichen Zusammenhängen regelmäßig trifft – Konflikte in meinen Artikeln.

Eine wichtiger journalistischer Grundsatz, der auf jeden Fall mehr beherzigt werden sollte, bei der Berichterstattung anderer. Wie sieht denn dein Arbeitsalltag grundsätzlich aus? Du sagst Gründer kommen zu dir und spielen dir die Informationen zu. Das klingt im Grunde bequem. Begibst du dich noch selber auf Spurensuche und fahndest nach dem nächsten großen Ding?

Ja das mache ich natürlich. Manche Stories oder Neuigkeiten rund um interessante Startups oder Trends fliegen einem quasi zu, für andere muss man entweder ein bisschen graben oder mit offenen Augen die verschiedenen Streams und möglichst viele andere nationale und internationale Blogs rund um Tech-Themen verfolgen. Insofern besteht mein Arbeitsalltag sicher zu 50 Prozent aus Informationskonsum. In der verbleibenden Zeit schreibe ich Artikel, redigiere Artikel und interagiere mit Lesern.

Wie viele Blogs und Magazine verfolgst du denn so? Ich kann mich an ein Interview erinnern, dass der Tagesspiegel mal mit René Walter von Nerdcore angefertigt hat. Der entgegnet auf die gleiche Frage, er würde ca. 500 Blogs im Auge behalten, um an seine Informationen zukommen. Nun ist Nerdcore zwar ein anderes Genre, aber die Zahl blieb mir dennoch im Kopf und hat mich schon irgendwo beeindruckt.

Ich habe 275 Blogs und Websites im Google Reader abonniert. Zusätzlich schicke ich via ifttt Links zu Artikelempfehlungen aus meiner Twitter-Timeline, die aus rund 800 Personen besteht, zu Instapaper, wo ich mehrmals täglich per iPad-App reinschaue. Seit neuestem versuche ich, auch noch Quote.fm als Informationsquelle in meinen Newsflow einzubeziehen – primär, um die jüngst weggefallenen Shared Items im Google Reader zu ersetzen. Das ist aber erst einmal ein Experiment mit offenem Ausgang.

Ja solch Experimente kann ich gut nachvollziehen. Ich versuche derzeit auch meinen Newsflow zu optimieren und möchte mein Augenmerk dabei stärker auf Kuratoren legen. Da gibt es ja verschiedene gangbare Wege. Quote.fm wäre sicherlich auch mal ein Versuch wert, wobei ich das Prinzip von Quote.fm, Kuratoren nur auf Einladung zuzulassen, nicht gut finde. Das hat so einen Genlemens-Club-Charakter aus dem vorherigen Jahrhundert, wenn du mich fragst. Was mich übrigens auch beeindruckt, als Blogger, ist, dass du durchweg in hohen Intervallen Artikel veröffentlichst und trotzdem gute Qualität ablieferst. Davor zieh meinen Hut!

Danke. Es ist nicht immer leicht. Es gibt gute Wochen, da muss ich ziemlich viel priorisieren und eigentliche interessante Themen erst einmal liegenlassen, und dann gibt es Wochen, da ist es eine wirkliche Herausforderung, geeigneten Stoff zu finden.

Ich habe gelesen, dass Leander Wattig euch zukünftig auch mit ein paar Artikeln zur Seite stehen wird. Plant Ihr denn langfristig mehr Autoren auch fest einzustellen?

Ziel für 2012 ist es ganz klar, mehr Autoren und Stimmen bei netzwertig.com reinzubringen. Gleichzeitig wollen wir aber vermeiden, die Artikelfrequenz zu rasant ansteigen zu lassen.

Wer wäre denn dein Wunsch-Autor? Wen würdest du sofort, von der Stelle weg engagieren, wenn du könntest?

Sascha Lobo.

Warum gerade Herrn Lobo?

Die Art, wie er Sachverhalte rund um die digitale Welt analysiert und in Worte verpackt, ist einfach richtig gut. Ich bin immer wieder über seine Reflexionen erstaunt – im positiven Sinne.

Seine Reflexionen werden nicht immer positiv aufgefasst. Das polarisiert natürlich auch und verschafft Augenmerk. Von einer so stark in der Öffentlichkeit stehenden Person, würde man sicher auch, neben seiner Expertise zum Digitalen, profitieren können.

Sicherlich. Ich beziehe mich aber auf sein handwerkliches Können als Autor und Kolumnist rund um Internet-Themen.

Ferner habt Ihr übrigens gemeinsam, dass Ihr ähnliches studiert habt. Sascha Lobo hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK Berlin studiert. Es gibt also Parallelen. Womöglich wirst du ihn als Experte noch ablösen in den nächsten Jahren.

Sofern das auch ohne Iro möglich ist…

Die Entscheidung triffst du dann selber… Ich danke dir bis hier hin für deine Zeit und wünsche dir und netzwertig.com weiterhin alles Gute. Hast du abschließend noch einen Tipp, für all die jungen Blogger – mich inbegriffen – die einmal ähnlich erfolgreich sein wollen.

Kontinuität, ist meines Erachtens nach eine wichtige Voraussetzung, um sich als Blogger eine treue Leserschaft zu erarbeiten. Womöglich gibt es auch Abkürzungen, aber wer kontinuierlich über viele Jahre und mit Leidenschaft über bestimmte Themen schreibt und dabei extern verlinkt, dem ist eine wachsende Reichweite im Prinzip gewiss.

Danke auch dafür!

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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