Lernspiele für Grundschüler

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es darum, ob Grundschüler ihre Schulleistungen durch Lernspiele verbessern können.

Meine beiden Söhne, 8 und 9 Jahre alt, sind nicht gerade Spitzenschüler. Vor allem in Rechtschreibung und Mathe könnten sie besser sein, aber zum Lernen haben sie wenig Lust. Jetzt haben wir gesehen, dass es viele Lernspiele gibt, die wie für uns gemacht scheinen. Das Spielen am Computer macht ihnen Spaß – könnten wir sie also womöglich mithilfe des Computers motivieren?

Antwort:

Wenn Sie nicht gleich erwarten, dass der Computer nun die Aufsicht und Motivation der Kinder automatisch erledigt, ist das Lernen mit Computer-Lernspielen sicher einen Versuch wert.

Ich empfehle Ihnen, sich zunächst bei den Fachlehrern ihrer Kinder zu erkundigen, ob diese bereits Leseförderprogramme wie Antolin oder Matheportale wie Zahlenzorro verwenden. Dann sollten Sie sich erklären lassen, wie diese in den Unterricht eingebaut sind und könnten zu Hause darauf aufbauen: Also zum Beispiel gemeinsam ein Buch lesen und die Fragen auf Antolin beantworten.

Wenn Sie schon konkrete Spiele auf CD oder auch Online-Spiele im Auge haben, die sie mit ihren Kindern ausprobieren möchten, schauen Sie doch vor dem Kauf oder der Registrierung erst mal die Spielebewertungen auf spielbar an, der interaktiven Plattform der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Computerspiele. Dort finden Sie Beurteilungen von Spielen, deren Nutzen weit über die reinen Altersfreigaben der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) hinausgeht: Die USK bewertet ausschließlich nach Kriterien des Jugendschutzes, während spielbar auch pädagogische Gesichtspunkte berücksichtigt.

Wenn Sie Ihre Kinder mit Lernspielen motivieren wollen, sich außerhalb der Schule und der Schulaufgaben mit Sprache oder Zahlen zu befassen, sollte dieser Versuch unbedingt Spaß machen. Lassen Sie die Kinder also mitbestimmen, was gemacht werden soll, spielen Sie mit, veranstalten Sie Wettbewerbe – es ist alles erlaubt, was Freude macht. Mit oder ohne PC, das spielt dabei keine so große Rolle.

Eines sollten Eltern dabei nicht vergessen: Spiel sollte Spiel bleiben und sich nicht einem Lernzweck unterordnen müssen. Wenn Sie mit den Kindern am Rechner lernen, sollte das nicht die Spiele ersetzen, die bisher dort zum Vergnügen gespielt wurden. Ein Lernspiel – und sei es pädagogisch noch so sinnvoll – ersetzt nicht das aufregende Fußballspiel bei FIFA und auch nicht das entspannende Daddeln am Nintendo. Kann es nicht, soll es nicht, muss es nicht.


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Katrin Viertel

Katrin Viertel

ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin, arbeitete viele Jahre als Journalistin für gedruckte und Online-Medien sowie für das Fernsehen, hauptsächlich zu Medienthemen, bis sie ihre neue Berufung fand. Seitdem berät und informiert sie als Medienlotse.com (http://www.medienlotse.com) Eltern, die sich fragen: Was machen unsere Kinder mit digitalen Medien? Und wie sollen wir damit umgehen?

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3 comments

  1. Hm, entschuldigung, wenn ich das etwas krass ausdrücke, aber ich halte diese Antwort schlicht für verantwortungslos und gefährlich!

    Dass Kinder durch technische Medien für ihr Leben geschädigt werden, sollte doch inzwischen bekannt sein. Es gibt hunderte und tausende Versuche, Studien, Metastudien und Praxiserfahrungen zu dem Thema.

    Hier nur ein Besipiel unter unzähligen:

    http://www.tagesspiegel.de/zeitung/kinder-lernen-besser-ohne-computer/965756.html

    Und: Nicht die ART der Beschäftigung mit dem Medium schädigt, sondern das Medium AN SICH!

    Natürlich ist es ein Unterschied, ob mein Kind ein Ballerspiel wie WOW, oder ob es ein Lernspiel spielt. Genauso, wie es ein Unterschied ist, ob mein Kind viel oder wenig Alkohol trinkt: Beides schädigt! Nachhaltig!

    Das ist leider nicht meine Meinung, sondern Grundtenor aller (unabhängigen) Untersuchungen aller Fachrichtungen.

    Wenn man die Fakten ernst nimmt und über seine persönliche Vorliebe stellt, gibt´s nur eins: Finger weg vom PC! Finger weg vom Fernseher, vom MP3 etcepepe! Alles andere ist Kindesmisshandlung.

    Früher galt man als fortschrittlich, wenn man seine Kinder mit Fernseher, PC usw. versorgt hat, heute ist man fortschrittlich, wenn man sich an die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Gehirnforschung u.a. hält, – und die sagen: Finger weg!

    Disney hat z.B. in den USA eine gigantische Sammelklage am Hals, weil tausende von Kindern durch eine Lern-DVD des Konzerns nachweislich geschädigt worden sind: Es sind durch die DVD Entwicklungsdefizite entstanden, die sich niemals wieder aufholen lassen, das ganze Leben lang nicht.

    Medien korrumpieren die Sinneswahrnehmung, damit die Sinnesentwicklung und damit die Entwicklung des Kindes überhaupt.

    Kinder verlieren nicht, wenn sie ohne Medien aufwachsen, im Gegenteil: sie gewinnen nur, sowohl intellektuell, als auch sozial, als auch persönlich. Die Arbeitgeber von morgen werden sich um sie reißen, die Psychologen von morgen werden sie hassen.

    Ich denke, es ist höchste Zeit, den veralteten, unhinterfragten, medienfreundlichen Mainstream zu verlassen und zeitgemäß zu werden – den Kindern zuliebe.

    Mit freundlichen Grüßen aus Hamburg
    C. Toussaint

  2. Naja also WOW ist schon mal kein Ballerspiel – das nur am Rande. Aber an sich denke ich auch es ist nicht sehr vorteilhaft lesen, schreiben und rechnen mit dem Computer zu lernen. Würde ich nicht empfehlen. Meine Eltern haben mir damals auch mal solch Software gekauft und die Erfolgsquote war gleich null. Schon alleine weil diese Programme nicht intuitiv sind und einem nichts erklären. Da gibts nur richtig oder falsch und wenn falsch dann erhält man eine vorgeschriebene Erklärung, die gar nicht auf jedes Kind zugeschnitten sein kann. Ich würde immer dazu tendieren sich mit dem Kind auf althergebrachte Weise zu lernen. Bücher lesen, vorlesen, rechnen am Linial oder mit „Erbsen“. Bringt sicher mehr.
    Ob Medien schlechthin die Intelligenz zerstören kann ich nicht sagen, ich denke dass Intelligenz in eine andere Richtung entsteht. Nichtsdestotrotz sollte man digitale Medien nicht übermäßig viel konsumieren. Mehr als eine Stunde Computer am Tag für ein Schulkind halte ich für zu viel.

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