Ich nutze digital und Du?

WelleIBM hat sich eine Studie geleistet. Klar. Die müssen das. Denn sie verkaufen nur Digitales. Nein. Ihre Kunden sollen damit Geld verdienen. Denn die IBM verdient mit den Dienstleistungen für Firmen, die auf das papierlose Büro setzen, die die Lagerverwaltung digital regeln und die via Web Geld verdienen und daher ihre Prozesse digital abbilden bzw. gestalten.

In der Studie aber geht es um die Kunden dieser Kunden und das goldene Kalb des dritten Jahrtausends: Digitalien. Also geht es um uns und die Welt der Computer bzw. Software. Klar ist schon lange, dass nicht nur die jungen Leute ihre Zeit mit digitalen Diensten und Werkzeugen verplempern. Die Studie hat einen beeindruckenden Umfang: Fast 4000 Leute in China, Frankreich, Deutschland, Japan, Großbritannien und den USA wurden befragt. Holla die Waldfee. Das sind zufällig die Länder in denen das Web seit Jahren boomt. Eigentlich hat IBM also die Leute danach befragt, was für einen Einfluß das Web auf ihren Konsum hat. Zerstreuung wäre die Antwort. Neu ist, dass das auch für die Älteren gilt: Rund 65 Prozent der Befragten zwischen 55 und 64 Jahren gaben häufiger zeitgleich das Fernsehen anzuschalten und im Internet surfen oder mit Freunden zu chatten. Chatten! Kennt das noch jemand? ICQ? Macht nix.

Durch die Medien geistern aktuell jedoch die Enkel der Digital Natives und Digital Immigrants und sollen schon bald die Powerpoint-Folien von 1001 Berater bevölkern:

Der erste Typus ist der „Effizienz-Experte“. Er oder sie macht mit 41 Prozent den größten Teil der befragten Personen aus. Dieser freundliche Geselle versucht die alltägliche Aktivitäten, wie Einkaufen (Achtung eCommerce), Internetzugriff (Achtung ISP) und die Kommunikation (Achtung Telkos) mit anderen Leuten via mobilen Geräten zu optimieren.

„Connected Maestros“ sind die zweitgrößte Gruppe mit rund 35 Prozent. Sie repräsentiert jene Spießgesellen, die dank Apps einen mobilen Medienkonsum an den Tag legen. Offenbar lieben sie Walled Gardens, daher der Begriff Connected. (Achtung Pointe!). Beser wäre es wohl sie die Mobilen Maestros zu nennen. Schätze die wachsen am schnellsten.

Die „Social Butterflies“ (Himmel hilf‘ bessere Metaphern finden) legen besonders viel Wert auf die Interaktion mit ihren Freunden online. 15 Prozent der Befragten gaben an, regelmäßig ihre Onlinekontakte zu pflegen – also die Facebook- und Twitter-Süchtigen.

Die kleinste Gruppe sind laut IBM die „Content-Kings“. Das sind zumeist männliche Mitmenschen, die regelmäßig online Games zocken, Musik und Filme runterladen (wo sie das wohl tun?) sowie TV im Netz schauen. Das sind schlappe neun Prozent.

Saul Berman, Autor der Studie sieht noch Optimierungsraum für die Anbeiter angesichts dieser Nutzerprofile digitaler produkte: „Durch die massenhafte Verbreitung der digitalen Geräte können Unternehmen das Kundenerlebnis erweitern, verbessern und maßschneidern innerhalb von Minuten, da sie nun einen ständigen Echtzeitsrom an Nutzerdaten erhalten über Social Media. Der zukünftige Erfolg liegt darin, die richtigen Einsichten aus diesen Daten zugewinnen, damit man den richtigen Kunden mit dem passenden Angebot und den passenden Werkzeugen zur richtigen Zeit und am richtigen Ort erreicht.”

Man möchte Berman zurufen, dass es die richtigen Kunden schon gibt. Sie formulieren auch schon fleissig die Foren und Kommentarthreads in allen Blogs voll mit ihren Wünschen. Aber. Auch wenn es die passenden Werkzeuge für die Firmen gibt. Das Productizing klappt nicht so wie gewünscht. Wie oft haben sich Leute bessere Tarife im mobilen Netz gewünscht. Oder sogar einfach nur bessere Bandbreiten im DSL-Netz oder mobil. Oder wie oft haben 1001 Autor beschrieben, wie man künstlerisch wertvolle Inhalte wie Musik und Filme sinnvoll vermarkten kann, ohne sich von Walled Gardens Dritter abhängig zu machen.

Da hilft das Studieren der Kundengruppen rein gar nichts. Da hilft nur der Wille zur Innovationen. Dass dieser Wille weder bei Content-Verlegern noch bei deren Interessensverbänden vorhanden ist oder gar in der Politik angemahnt wird, scheint leider offensichtlich zu sein. Da kann IBM noch soviel Business Intelligence und Tools in die Firmen hieven. There is no need to execute. Or worse: There is no ability to execute. Das kennen wir alle von den Magischen Quadranten von Gartner. Zum Glück gibt es die nicht für die Musik/Buch/Zeitungs-Verleger, denn da wären fast alle unten links im ersten Quadranten: no innovation & no ability to execute.

Over and out.

Foto: kumarnm

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


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