iAds laufen ganz langsam an

Im Juli hat der neue Medien-/Werbung-/Plattform-/Kanalanbieter und Distributor Apple ein eigene Werbeplattform für das mobile web gestartet namens iAd. 17 Firmen haben sich bereit erklärt, vom Start weg mitzumachen. Einige haben sich zunächst zurück gehalten wegen der Ferienzeit, sodass eigentlich nur Unilever und Nissan im Moment über aktuelle reale Erfahrungen berichten können. Walt Disney, J.C. Penney und Citigroup haben vor wenigen Wochen erst begonnen loszulegen.

Aber die Gründe für den schleppenden Start liegen laut Wall Street Journal etwas tiefer. Denn Apple begibt sich nicht nur im App Store verdächtig geheimnisvoll in die Position eines allwissenden Zensors, auch bei iAds fummeln die Mannen um Steve Jobs bereits auf der kreativen Ebene der Werbeproduktion kräftig mit, was nicht immer und jeder Agentur bzw. deren Kunden gut schmecken dürfte. Und so dauert die gesamte Produktion nun deutlich länger. Insider sprechen von einer Verlängerung auf 8-10 Wochen von der Konzeption bis zurfinalen iAd-Werbung. Abgesehen von den nicht abreißenden Diskussionen um die Zulassung von Apps im Apple App Store wird auch hier klar, was passiert, wenn jemand mit Kontrollzwang eine erfolgreiche Firma leitet: …
Es gibt eben auf jeder Ebene sehr viel Kontrolle und den Endkunden vermittelt man das als Handlung zum Fördern von Sicherheit. Durch die aktuellen Probleme rund um Adobes PDF-Format und die AIR-Plattform und seine plattformübergreifende Anfälligkeit, wird der extreme Kontrollbedarf in Richtung Endkunden mit Sicherheitsbedürfnissen gut zu kommunizieren sein. Ob die Werbewelt ähnlich platten Argumentationen verfällt, bleibt fraglich.

Ob Chanel seine iAd-Ambitionen wegen dieser Einmischungen aufgegeben hat, bleibt offen. Es könnte auch gut sein, dass die Franzosen auf Googles AdMob oder Millenial Media warten, um dort auf den mobile-ad Zug aufzuspringen.

Ob es sich lohnen kann, mindestens ein Million Dollar auszugeben (dass ist das Startkapital um in den iAd Club aufgenommen zu werden), um eine Werbung zu platzieren, wo man durch Schütteln die Farbe des neuen Nissan Elektroautos ändern kann, wird die Zukunft zeigen. Das Zielen auf eine bestimmte Konsumentengruppe klappt auf jeden Fall, denn wer ein iPhone oder iPad besitzt, fühlt sich am Puls der Zeit und wird besonders offen sein für das futuristische Versprechen, dass Technologie das Leben lebenswerter macht. Wir sind gespannt, wie lange das anhält und welchen Preis Kunden und Firmen dafür zahlen. Das Armageddon wird eine weltweit kommunizierte metergroße Sicherheitslücke sein, die iPhones oder Macs kontrolliert oder gar zum Abstürzen bringt. An dem Tag wird die Apple Aktie um mehr als 30% fallen…

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , ,

1 comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.