Highlights der CES 2018: Sprachassistenten und Roboter ziehen ins Smart Home

Die weltgrößte Technik-Messe CES kennzeichnet dieses Jahr neben zahlreichen neuen Gadgets, autonomen Autos und Virtual Reality vor allem die schiere Masse an Lösungen fürs Smart Home. Wir haben uns für euch durch die Trilliarden Technik-News gewühlt. Das sind unsere Highlights der CES 2018.

Fernseher: Jetzt mit Sprachassistenten kompatibel

Smart TVs sind immer komplexer zu bedienen, weil sie so viele Funktionen erhalten haben. Dies durch Sprachsteuerung zu vereinfachen, haben zwar schon einige Hersteller versucht. Aber ohne durchschlagenden Erfolg. Jetzt soll es die Integration bekannter digitaler Sprachassistenten richten.

Ein Vorreiter ist hier LG: Neben einem aufrollbaren OLED-Screen überzeugte der Konzern die Fachpresse durch die Implementierung von beiden großen Sprachassistenten, nämlich Google Assistant und Alexa. Solltet ihr also entweder einen Google Home oder einen Amazon Echo haben, wird die Steuerung durch einfache Sprachbefehle enorm erleichtert. Auch der Google Assistant auf eurem Smartphone kann die TV-Geräte aktivieren.

LG Smart TV Google Assistant
LG Smart TVs lassen sich künftig mit Google Assistant per Sprache steuern. Image by LG Electronics

Neben grundlegenden Funktionen wie dem Wechseln des aktuellen Senders sollen bei den LG-Fernsehern auch die vorinstallierten Anwendungen bedient werden können. Die Suche nach Youtube-Videos oder Netflix-Filmen klappt bei Demonstrationen auf der CES bereits sehr gut.

Auch Samsung, der weltgrößte Produzent von Displays, lässt sich nicht lumpen und wird seine Fernseher seine zukünftig über eure Stimme steuern lassen. Allerdings nutzt Samsung die Eigenentwicklung Bixby. Der Sprachdienst der Koreaner ist seit kurzer Zeit auch auf Deutsch verfügbar, besitzt aber noch lange nicht den Funktionsumfang eines etwas länger gereiften Assistenten.

Nutzer der neuesten Galaxy-Smartphones wie etwa dem Samsung Galaxy S8 oder Note 8 dürften sich über die Einbindung von Bixby freuen. Auf anderen Smartphones ist der Dienst nicht verfügbar.

Smarte Displays ergänzen smarte Lautsprecher

Den jüngeren Hype um digitale Sprachassistenten transportieren vor allem sprachgesteuerte Lautsprecher in die Wohnungen und Häuser von Konsumenten. Nach dem Vorbild des Amazon Echo Show wird in diesem Jahr ein neuer Schwerpunkt auf smarten Displays liegen, die daher auch zu unseren Highlights der CES 2018 zählen.

Ein Beispiel ist Brilliant Control Smart Light Switch. Er wurde 2017 ursprünglich als cleverer Lichtschalter designt. Nun übernimmt der Lichtbringer Funktionen des Amazon Echo Show und wird dadurch zur Smart-Home-Zentrale. Ihr könnt auf dem hochkant montierten 16:9-Monitor die sogenannten „Display Cards“ aufrufen, die auch beim Show auf Suchanfragen gezeigt werden. Mit einem dieser besonders schlauen Lichtschalter in jedem Zimmer des Hauses ließe sich euer gesamtes Smart Home problemlos steuern, ohne auch nur einen Amazon-Echo-Lautsprecher verbaut zu haben. Das Kontrollpanel, welches zum Beispiel auch in die Wand eingelassen werden kann, kostet zum Start in den USA 199 US-Dollar. Wie der Euro-Preis aussieht, ist noch nicht bekannt.

Die AR-Brille Vuzix Blade hört aufs Wort

Nun erobern Sprachassistenten auch Headsets für Augmented Reality. Der Hersteller Vuzix integriert Alexa in seine AR-Brille namens Blade: Das beim Marktstart rund 1000 Euro kostende Gadget zeigt euch die Cards an, wie es das oben genannte Brilliant Control auch tut. Alle Sprachfragen werden durch Amazons Stimmenservices verarbeitet, die Navigation zu einem bestimmten Ort wird direkt im vor euren Augen fliegenden Display dargestellt.

Vuzix CES 2018
Das Augmented-Reality-Headset von Vuzix sieht nicht nur so aus wie eine ganz normale Brille, sondern lässt sich per Alexa-Sprachsteuerung bedienen. Image by Vuzix

Bis die Vuzix Blade auf den Markt kommt, wird noch der ein oder andere Monat vergehen. Der hohe Preis wird ein Ausschusskriterium für Privatkunden sein. Trotzdem ist die Brille eines der wenigen Anwendungsszenarien, bei denen die Implementierung von Alexa außerhalb des eigenen Heims sinnvoll ist.

Whirlpool zeigt eine komplett smarte Küche

Noch ein wenig mehr Alexa haben die cleveren Küchenzeilen des US-Herstellers Whirlpool. Die Firma setzt in die verbundenen Geräte ein Touchscreen ein, der unter anderem Rezepte und Ernährungstipps der App Yummily anzeigen kann. Zusammen mit cleveren Kühlschränken, wie Samsung sie inzwischen schon anbietet, lässt sich so eine besonders gesunde Ernährung realisieren. Denn: Yummily gibt Informationen zum Kaloriengehalt, hilft beim Einhalten von Diäten, umgeht glutenhaltige Produkte und kann mit einem verknüpften Kühlschrank ein Rezept aus den vorhandenen Zutaten zusammenbasteln.

Die per WLAN verbundenen Küchengeräte sind nicht günstig: 800 US-Dollar werden für eine Mikrowelle fällig, eine Ofenzeile wird 1950 US-Dollar kosten. Das Whirlpool-Geräte-Lineup ist in Deutschland stark eingeschränkt, deswegen gehen wir nicht davon aus, dass die smarten Geräte hier aufschlagen werden. Aber: Der Ofen und die Mikrowelle zeigen, wo der Weg hin geht und in Zukunft wird mit Sicherheit auch eine alt eingesessene Firma wie Siemens oder Bosch entsprechende Küchen-Hardware präsentieren.

Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

Ein smartes Haus ist nicht richtig clever, wenn es nur auf den Input vom Nutzer reagiert. Hier setzt Viaroom mit dem Home an. Das ist ein Gerät, welches ohne Display und ohne Kamera euer Verhalten im Haus analysiert. Innerhalb von 48 Stunden lernt das System euren Tagesablauf kennen. Danach automatisiert das Gadget das Haus ganz von alleine: Solltet ihr jeden Abend kurz vor der Tagesschau ein Beistelllämpchen aktivieren, lernt der Viaroom Home das und wird nach kurzer Zeit diese Lampe automatisch aktivieren, sobald ihr in den Raum geht. Der Viaroom Home ist mit den meisten gängigen Smart-Home-Systemen kompatibel. Unterstützt werden die Lösungen von Amazon und Google.

Viaroom Home
Die Box von Viaroom Home nutzt künstliche Intelligenz um das Zuhause zu automatisieren. Image by Viaroom

Smarte Lichtsteuerung für Gamer

Philips-Fernseher sind seit längerem mit Ambilight ausgestattet. Dabei reagieren Leuchtdioden auf das Display-Geschehen und beleuchten die Umgebung in gleicher Lichtfarbe. Seit kurzem passen sich auch die Lampen und Glühbirnen von Philips Hue an die Farbe des Fernsehers an. Dieses Prinzip greift nun Razer, Hersteller für Gaming-Peripherie auf und zählt damit buchstäblich zu den Highlights der CES 2018.

Gamer können sich darüber freuen, dass die bunt beleuchteten Razer-Peripheriegeräte mit dem Chroma-Protokoll demnächst auch Philips-Hue-Lampen steuern können. Dadurch ist bald die ganze Wohnung problemlos in der typisch giftgrünen Razer-Farbe beleuchtbar. Sinnvoll? Wohl kaum, aber in einigen Spielen wird das Licht der Mäuse, Tastaturen und Mauspads zum Feedback genutzt. Zum Beispiel bei Shootern: Ein Treffer kann dafür sorgen, dass die Steuergeräte kurz aufblitzen. Tun das die Hue-Lampen ebenfalls, erhöht das die Immersion auf ungeahnte Höhen.

Razers Vorstoß ist typisch für ein aktuelles Marktphänomen. Jeder Hersteller versucht, irgendwelche Smart-Home-Funktionen zu bieten. Viele werden sich nicht durchsetzen. Dennoch ist diese Entwicklung positiv. Denn gerade zum Beginn der Smart-Home-Ära gilt: Je mehr, desto besser. So kann nämlich jeder Kunde abgeholt werden und Smart Home gewinnt schnell an Akzeptanz.

Humanoide Roboter ante Portas

Staubsaugerroboter haben einen Vorgeschmack auf die automatisierte Haushaltsführung gegeben. Allmählich ist die Zeit reif für Serviceroboter mit menschlicher Form. Sie zählten zu den Highlights der CES 2018. Zu den sehr aktiven Herstellern zählt UBTech. Die Firma aus Asiens Technik-Hauptstadt Shenzhen etabliert sich seit 2012 auf dem Markt der Roboter. Unter anderem produzierte UBTech zusammen mit Disney einen per App steuerbaren Stromtrooper.

Mit dem sogenannten Walker präsentiert der Hersteller nun einen humanoid wirkenden Roboter. Er kommt zwar ohne Arme daher, ist aber eine der ersten Maschinen, die nicht auf Räder, sondern richtige Beine setzt. Die in den Beinen verbauten Motoren sind nicht komplett lautlos, lärmen aber nicht so stark wie vergleichbare Produkte. Dafür ist der Walker noch etwas wacklig auf den Beinen und fällt schneller um.

UBTech Walker CES 2018
Serviceroboter wieder UBTech Walker werden künftig eine humanoide Form haben. Image by UBTech

Der Walker soll euch im Alltag als beweglicher Terminassistent, Sekretär und Verwalter dienen. Dafür hat das hüfthohe Gadget mehrere Mikrofone und Lautsprecher verbaut. Mit den Sensoren kann der Roboter Bewegungen erkennen und Hindernissen ausweichen. Schon jetzt läuft er Treppen herauf.

Marktreif ist das Produkt noch nicht. UBTech plant einen Release im nächsten Jahr. Preislich soll der Walker die bisherigen Angebote schlagen. Wir sprechen hier immer noch von vierstelligen Summen. In wie weit der Walker 2019 mit euren Smart-Home-Geräten kompatibel ist, steht in den Sternen. Chinesische Firmen halten sich oft mit der Implementierung westlicher Standards zurück.

Die Highlights der CES 2018 sind eher Idee als fertige Produkte

Es sind weniger die fertigen Produkte, die die Highlights der CES 2018 ausmachen. Vielmehr begeistert der Marktplatz für Technik-Ideen mit Visionen, wie es in naher Zukunft zuhause aussehen könnte. In ein paar Jahren wird ein Serviceroboter in vielen Haushalten Standard sein. Die jetzigen Pionierprodukte dürften schnell intelligenter, leiser und zuverlässiger werden. Mit Ansätzen wie maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz wird humanoider Roboter unterstützen. Dann heißt es vielleicht „T-850, reiche mir das Salz“ und schon würzt ein Schwarzenegger-Verschnitt eure Mahlzeit in eurer automatisierten Küche, während farbige Glühbirnen eine gemütliche Stimmung für einen angenehmen Abend erzeugen.

Zu den Highlights der CES 2018 für Apple-Nutzer geht es hier entlang.


Images by CTA, LG Electronics, Viaroom, UBTech, Vuzix



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Mika Baumeister

Mika Baumeister

studiert Technikjournalismus in Bonn und schreibt schon seit einiger Zeit über allerlei technischen Krimskrams: Seien es nun Smartphones, Gadgets, Drohnen, VR-Brillen oder Anwendungen aller Art. Prinzipiell macht er mit jedem Artikel sein Hobby einen Tacken mehr zum Beruf.

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