Google Wave – 100.000 Wellen

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Heute geht es los. Google startet seine erste öffentliche Testphase mit Wave, der Plattform für das Web in Echtzeit. Damit jeder versteht, wie die Struktur aufgebaut ist, und was man damit machen kann, eine kleine Einführung in das Realtime–Web.
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Was ist Wave?
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Wave ist eine Möglichkeit, in Echtzeit anderen beim Tippen zuzusehen. Zumindest, wenn man in einer Wave mitmacht. Was ist denn nun so eine Wave? Eine Wave ist ein übergreifendes Thema, das über eine Zeitleiste betrachtet wird; es bekommt eine eigene URL. Diese URL kann man überall integrieren – auch in die eigene Website. Man kann auch einzelne Unterthemen zu diesem Thema erstellen, das ist dann ein Wavelet. Sie sind hierarchisierbar wie Threads bei Diskussionsforen. Da können dann einige bestimmte Leute oder Sprachgruppen ihren Senf zum Hauptthema abgeben oder einfach Nebendiskussionen führen.
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Es können beliebig viele mitmachen und zum Thema etwas schreiben, das ist dann ein einzelnes blip. Dies ist die kleinste Informationseinheit in einer Wave. Kann normaler Text sein, aber auch Links zu Bildern, Videos, Dokumenten oder die Dateien selbst können ein blip werden. Eine Wave enthält auch kleine Programme namens Gadgets aus der Google–Open–Social–Welt oder kleine automatisierte Robots, die als dienstbare Geister wiederkehrende Aufgaben erfüllen und eine Wave mit stets aktuellen Daten versorgen können (eben Tweets mit bestimmten Hashtags integrieren oder sogar mit Nutzern interagieren).
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Wave ist eine Open–Source–Plattform von Google, die alle Entwickler, Nerds, Geeks, Freaks einlädt, sich beim Ausbau zu beteiligen. So gibt es zum Beispiel mit Twave schon eine Twitter-Applikation für Wave. Neben iGoogle–Gadgets können Entwickler auch Applikationen entwickeln, wie wir sie von Facebook oder Xing her kennen. Sogar ganze Spiele sind integrierbar. Es wird also nicht lange dauern, bis uns hunderte Time–Bandits das Leben versüßen wollen. Wie leistungsfähig die Plattform ist, wird sich zeigen. Auch die Tatsache, dass so ein System anfällig ist für Überflutungen mit Werbung und SPAM, scheint bisher den Hoffnungen keine Dellen beizubringen.
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google_wave_logoAber eines ist zentral, und bietet den größtmöglichen Nutzen und gleichzeitig den potenziell größten Schaden, denn wirklich jeder Buchstabe in einer Wave wird von jedem mit jedem geteilt. Es dürfen also alle alles ändern. Vergleichbar zu einem Wiki entsteht parallel eine enorme Metadatenflut, die jede Änderungen protokolliert und es den Nutzern ermöglicht, wieder zu einem früheren Status zurückzukehren. Wikipedia hat diese enorme Freiheit gerade eingeschränkt, um langjährigen Wikiautoren besondere Autoritäten zu verleihen, damit ein bestimmter Qualitätsstandard gehalten wird. Es wird ein sehr spannendes Experiment, wie wir damit umgehen, dass jeder immer alles ändern kann. Natürlich sind auch Kommentare möglich und erwünscht. Ob es hier auch bestimmte Autoritäten bei begehrten Waves geben wird, bleibt abzuwarten. Falls nicht, hätten wir die erste liquide Informationsplattform vor uns, die inhaltlich zu jeder Zeit ins Bodenlose oder ins bessere oszillieren kann.
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Es soll auch eine automatisierte Übersetzung der Texte geben. Ob sie Babelfish heißt, weiß ich nicht. Ich hoffe, sie erreicht bessere Ergebnisse als das, was ich bisher von Online–Übersetzungen kenne. Ich fürchte jedoch, dass das eine Computerpower erfordern würde, die sicher 12.000 Many–Core–Rechner mit durchschnittlich 600 Prozessoren pro Rechner je Wave und Sprache kosten würde. Ganz davon abgesehen, dass es noch immer kein taugliches OS für paralleles Processing solcher Aufgaben gibt. Wie soll so ein normales Übersetzungsprogramm auf normalen Rechnern in nahezu Echtzeit erkennen, welche Übersetzung im Kontext die passende ist? Aber das ist ein anderes Thema.
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Das Schönste zum Schluß: Dateien werden einfach per drag-and-drop in der Wave abgelegt.
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Wer jetzt selbst Hand anlegen will und einen Robot erstellen will, der kommt hier weiter. Wer sich die Google–Wave–API genauer ansehen will, der wird hier und hier fündig. Einen allerersten Blick sollten Extensions-Entwickler hierhin zu Mashable werfen. Das ganze Wave–Programm gibt es aber bei den Google Wave Ressources.  Und wer sich mit dem Einbinden ein paar tolle Ideen für neue Websites ausgedacht hat, der wird hier Wege finden, aus den Waves anderer Leute etwas Schönes zu machen beim Wave Embed Developer’s Guide. Ach ja, und weil es gerade Links hagelt, hier noch den zum Google Wave Federation Protocol für schöneres Einbinden in einer wavigeren Welt. Man hat den Eindruck, dass ähnlich wie beim New Wave in den 80er des vergangenen Jahrhunderts einfach sehr viele verschiedene Marschrichtungen (der Musik und Jugendkultur) zu einem Begriff verschmolzen werden sollen. Ob Google es umgekehrt schafft, aus einer einzigen Idee – Threaded Tweeting mit unbegrenzter Zeichenanzahl und Versionierung – eine neue Diskussionskultur zu erwecken, bleibt abzuwarten. Aber sehr spannend ist es allemal.

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


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