Friendfiend – Das nächste große Ding?

In der Blogosphäre scheint es derzeit neben Twitter nur ein Thema zu geben: Friendfeed. Doch während US-Blogger bereits entzückt vor ihren Monitoren herumhüpfen, sind sich deutsche Blogger noch uneinig, ob es sich bei Friendfeed um das nächste große Ding handelt oder bloß um einen Hype. Was also ist Friendfeed?

Im Grunde genommen ist Friendfeed so etwas wie die Mutter aller Social Networks: Es aggregiert die Inhalte aller Social Media-Dienste und bringt sie an einem Ort zusammen. Jeder, der viele Social Media Dienste nutzt, kennt das Problem: Umso mehr Dienste hinzukommen und umso stärker sich die Netzaktivitäten damit fragmentieren, umso mehr wünscht man sich einen Ort, an dem alles wieder zusammen kommt. Friendfeed schließt diese Lücke, indem es alle relevanten Inhalte zusammenstellt, die deine Netzfreunde bei verschiedenen Diensten veröffentlichen. Man erhält somit immer die neuesten Blogeinträge und Twittertweets, sieht die neusten del.icio.us- und Google Reader-Empfehlungen, als auch was auf Flickr oder Youtube hochgeladen wurde.

Wie funktioniert Friendfeed?

Nachdem man sich registriert hat lassen sich Freunde über den Mail- oder Facebook Account importieren. Friendfeed unterstützt derzeit 35 Social Media-Dienste, wie bspw. Youtube, Twitter, del.icio.us, die Amazon Wunschliste, last.fm sowie Feeds aller Art. Nach dem Log-In kann man nun die geposteten Inhalte und Empfehlungen der eigenen Freunde aus den jeweiligen Social Media-Diensten sehen und verfolgen.

Friendfeed benutzt dabei verschiedene Stufen von Filtern: Der erste Filter besteht darin, dass man nur jene Inhalte bekommt, die man auch abonniert hat. In der zweiten Stufe werden jene Inhalte hervorgehoben, die von vielen kommentiert oder verlinkt wurden. Alle Feeds lassen sich zudem ein- oder ausschalten um Redundanzen zu vermeiden. Wer also etwa intensiv Twitter nutzt, muss die Tweets seiner Freunde nicht auch noch zwingend auf Friendfeed sehen. Der Clou ist jedoch, dass Friendfeed mit Micromemes arbeitet: So werden selbst bei ausgeschaltetem Feed solche Inhalte angezeigt, die von anderen als besonders empfehlenswert erachtet werden. So behält der Nutzer im Blick, was andere für wichtig halten und braucht keine Angst mehr zu haben, etwas wichtiges zu verpassen.

Spannend ist zudem, dass jedes Posting eine eigene Kommentarfunktion mit sich bringt. Nutzer können somit die geposteten Inhalte auf Friendfeed selbst im kleinen Kreis diskutieren und müssen nicht auf die Ursprungs-Seite gehen. So kann etwa ein Spiegel Online-Artikel auf Friendfeed mit den eigenen Freunden diskutiert werden. Wird ein neuer Kommentar zu einer vergangenen Konversation gepostet, erscheint diese wieder ganz oben im Lifestream. Somit stehen die relevanten und heiß diskutierten Geschichten immer oben.

Besonders erwähnenswert sind zudem die so genannten Rooms, eine neue Funktion von Friendfeed, die erst vor kurzem freigeschaltet wurde. Rooms sind im Grunde genommen nichts anderes als themenspezifische Diskussionsräume. Jeder Nutzer kann Rooms eröffnen oder ihnen beitreten. In Rooms ist es somit sehr einfach, mit Gleichgesinnten zu diskutieren. Zudem ist dort die Kommunikation weniger flüchtig als beispielsweise bei Twitter. Auch wenn die Rooms keine wirklich neue Idee sind: Die Nutzung der Rooms ist so genial einfach, dass sie die Killerapplikation von Friendfeed werden könnten.

Für wen ist Friendfeed gedacht?

Letztendlich ist das die essenziellste und zugleich jedoch noch ungeklärte Frage, wenn es darum geht, die Relevanz von Friendfeed zu bewerten. Noch ist nämlich nicht klar, ob es sich bei dem Dienst um ein Spielzeug für Techies und Web-Nerds handelt, oder ob Friendfeed tatsächlich den Durchbruch schaffen kann, um das nächste große Ding zu werden. Für diejenigen, die Accounts bei vielen Social Networks haben, ist Friendfeed allemal interessant. Zudem gibt es in Deutschland keinen anderen Dienst, der Social-Media Aktivitäten derart aggregiert und zu Quasi-News verarbeitet. Auch Twitter-User werden Gefallen an dem neuen Dienst finden, ermöglicht Friendfeed doch eine viel nachhaltigere und vor allem auch Themen bezogene Kommunikation.

Blogpiloten-Urteil

Friendfeed könnte tatsächlich groß werden. Allerdings ist zu bezweifeln, ob dem Dienst zumindest in Deutschland ein ähnlicher Durchbruch gelingt wie es ihn etwa StudiVZ geschafft hat. In einer Zeit, in der immer noch viele Menschen nicht wissen, was ein Weblog ist, erscheint Friendfeed wie der personifizierte Digital Divide. Vor allem in Deutschland, wo es wohl noch lange ein Geek-Tool bleiben wird. Bis dahin würde ich jedoch allen Interessierten empfehlen, den Dienst einmal auszutesten und mit den Funktionen herum zu experimentieren. Es lohnt sich.

Michael Groß

studiert Medienwissenschaft und BWL in Trier. Nach einem kurzen Ausflug in die Welt des Journalismus, interessiert er sich heute mehr für Marketing, Werbung und Netzwerkkommunikation. Privat bloggt Michael unter http://werbeschaf.blogspot.com/


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8 comments

  1. Das Prinzip hinter Friendfeed kommt mir sehr bekannt vor. Redhat hat mit Mugshot bereits so ein Tool vor ca. 2 Jahren entwickelt. Hier http://mugshot.org gibts mehr Infos dazu. Ich denke auch, dass eben genau diese Filter in Zukunft eine größere Rolle spielen werden.

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