Fernsehen, fomerly known as the internet

AppleTV gibt es ja schon etwas länger. Und auch dass Google mit einem eigenen Angebot mitmacht, ist kein Geheimnis. Youtube ist ja jetzt schon für viele unter 30 ein prima Ersatz für das besonders dröge Programm, dass entweder auf halbdebile Akoholkranke abzielt oder vor allem am Wochenende ganze Salven absondert an Dreitonmusik und Romanzen der unterdurchschnittlichsten Sorte mit einer Staffage aus insgesamt 25 Schauspielern und Moderatoren.

Dass GoogleTV nun via Youtube Dutzende Kanäle startet, darunter Tanz-Channel im Madonna (sic!) und Comedy mit The Shaq (O’Neal) ist sicher ein schlaue Idee, denn bisher sind noch keine webfähigen Fernseher bekannt, die mit einem youtube2mp3-Werkzeug aus dem Laden kommen. Und so lächeln auch fast alle Jugendlichen über P2P-Portale wo sich jeder Idiot beim Saugen der Lieblings-CD schnappen lässt. Die Songs die man mag, saugt man sich einfach bei Youtube. Und die grottenschlechte Qualität der MP3-Songs hört eh niemand auf seinem Smartphone. Wenn dann noch Netflix und Hulu in Deutschland Fuß fassen und alle Serienjunies dort ihrer Sucht frönen, dann kann die Werbeindustrie sich schon mal darauf einstellen, dass Fernsehsender eine Reichweite von 55 bis 95 Lenzen abbbilden. Wieviele Privatsender das überleben werden, steht in den Sternen. Ich bin mir sicher, dass bei Bertelsmann noch keiner weiß, dass RTL in 10 Jahren denselben Nimbus haben wird, wie heute 9Live: „Kenn ich, sehe ich bei meiner Oma manchmal beim Durchzappen. Ist das ein Regionalsender?“

Denn selbst wenn das stimmt, was die Auguren sagen, dass im Fernseher Internet und normale Sender gleichberechtigt nebeneinander bestehen bleiben werden, sollte man bedenken, dass der demografische Wandel nicht jede Einbahnstrasse im Zeitalter digitaler Distribution von Massenmedien retten wird.

Mit dem gerade angekündigten Software-Update will GoogleTV aber nicht nur 100 Channels starten, sondern nun endlich bedienerfreunlicher werden. Wer mehr über die Neuerungen erfahren will, schaut auf das GoogleTVblog

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


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