EnemyGraph auf Facebook – Feind statt Freund

Wie heißt es doch so schön? Sei deinen Freunden nah, und deinen Feinden noch näher. So oder so ähnlich lautet das Sprichwort, welches sich das Entwickler-Team von EnemyGraph auf die Fahnen geschrieben hat. EnemyGraph ist eine Anwendung, die es erlaubt unsägliche Personen und Seiten, oder mal etwas drastischer ausgedrückt – seine Feinde – in eine Liste zu packen und dient dabei als nette Abwechslung zur eingestaubten Like-Button-Kultur auf Facebook.

 

Dislike-Button war gestern…

Den Ruf nach einem Dislike-Button, der immer mal wieder auftaucht, ist dabei allzu nachvollziehbar. Zu gerne würde man auch mal per Klick mitteilen wollen, wenn etwas als unnütz oder schlecht empfunden wird, ohne dabei gleich ein Statement zu verfassen. Was wir von YouTube schon kennen, wird auf Facebook mit Absicht außen vor gelassen, da die Like-Mentalität nur positive Assoziationen zulassen soll. Willkommen in der Konsumwerbewelt!

Nehmen wir doch die Seite von Big Brother auf Facebook. Satte 2.3 Mio Fans hat der große Bruder. Die Annahme, dass diese Sendung unterhaltend, ja vielleicht sogar „wertvoll“ ist, liegt nicht fern. Natürlich wissen wir es besser. Doch sicherlich genauso interessant wäre es einmal zu erfahren, wie viele Personen das RTL II-Flagschiff nominal nicht mögen. Ja, die Show gar als „Feind“ betrachten. Eine adäquate Lösung hierfür gab es bisher nicht. Doch nun kommt der EnemyGraph ins Spiel.

Wer sich die Anwendung in sein Facebook-Profil installiert, hat dort die Möglichkeit seinen Feind in eine Übersicht hinein zu adden. Dort bekommt man dann direkt einen Einblick, wer diese Meinung ebenfalls teilt. Am Beispiel Big Brother ist die Anzahl bis jetzt zwar enttäuschend – nur 12 Personen – aber der Graph ist auch relativ neu und vereint derzeit erst 10.000 Nutzer, die überwiegend in den Staaten beheimatet sind.

Alles nur ein Gag…?

Sicherlich sagt der ein oder andere jetzt, dass die Anwendung mindestens genauso unnütz ist wie Big Brother selbst, doch man beachte die Möglichkeiten. Wird demnächst über einen Hype berichtet und mit explodierenden Fanzahlen auf Facebook argumentiert, könnte man als kritischer Konsument hierzu einfach mal als Paradebeispiel fungieren und zusammen mit seinen Brüdern im Geiste das Gegenargument fundamentieren. Hypes wie KONY2012, dessen Erfolg einzig und allein an den Facebook-Zahlen gemessen wurde, könnten sofort entkräftet werden, ohne sich wochenlangen Debatten hingeben zu müssen.

Die Anwendung könnte ein Erfolg werden, sofern der Nutzer mitspielt. Das hängt aber nicht zuletzt auch davon ab, wie die Entwickler verfahren. Apps dieser Art greifen auf Profildaten zu und was damit gemacht wird, ist nicht ersichtlich. Transparenz schafft Vertrauen. Und Vertrauen schafft Loyalität. Ferner läuft die Anwendung meines Erachtens noch nicht ganz einwandfrei. Lange Ladezeiten strapazieren beispielsweise die Geduld.

Wer den EnemyGraph einmal testen möchte, der kann ihn hier installieren. Mal schauen, ob der Graph irgendwann selber zum Feindbild wird. Das wäre dann wahrhaftige Ironie.


Abbildung der EnemyGraph-Benutzeroberfläche (ohne Feinde)


 

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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3 comments

  1. Übersehe ich eine Sicherung?
    Sonst ist die angedeutete Vermutung im letzten Satz nicht weit: Ich kann den Graph prima in einer Mobbingkampagne einsetzen und schon wird das Ding zum Feind, schade zwar aber vorhersehbar.

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