Die ganze Aufregung

Man kann ja nun lange diskutieren, ob ein Gutachten, das einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Betrieb der AKWs und dem Strompreis herstellt, angesichts der realen Entwicklung der letzten Jahre überhaupt als seriös gelten kann. Aber vielleicht muss denen einfach mal die Preisbildung an der Leipziger EEX-Börse (Europäische Energiebörse) erklären? Denn in der Rückschau ist weder der Strompreis gestiegen, wenn eine hohe Anzahl der AKWs vom Netz war, noch fiel er, wenn sie wieder am Netz waren.

Aber lassen wir uns doch lieber auf das eigentliche Problem ein. Nein, nicht die Tatsache, dass der Steuerzahler bisher 160 Milliarden in die noch nicht final abgeschlossene Ver- und Entsorgung gebuttert hat.

Ich meine den Ernstfall: Ich bin dann für eine Verlängerung, wenn die Betreiber eine Liste mit 15.000 Freiwilligen (Liquidatoren) vorlegen, die monatelang einen Sarkophag bauen. Zusätzlich muss dann natürlich auch noch geklärt sein, wie das technisch abläuft, weil bei der Strahlung natürlich alle modernen chipgesteuerten Technologien nach kurzer Zeit ausfallen. Achja, und sie sollten Rückstellungen bilden, um dann die überlebenden umliegenden Einwohner im Umkreis von 70 km zu entschädigen, dass sie 5000 Jahre lang nicht mehr in der Umgebung leben können, für ihre Häuser etc. Also: Wenn die Betreiber eine Summe von 3 Billionen Euro real bei der EU hinterlegen plus die Liste der Freiwilligen (die alle 10 Jahre aktualisiert werden muss), steht aus meiner Sicht der Verlängerung der Laufzeiten nichts im Wege. Von den Zinsen des Betrages können wir dann auch ganz locker die Endlagerfrage lösen. Die 3 Billionen nehmen die 4 Stromkonzerne übrigens in circa 3,5 Jahren Laufzeitverlängerung ein, wenn sie also 10 Jahre länger liefen, könnten sich die Politiker und die Firmen die restlichen 6,5 Jahre Einnahmen hübsch aufteilen…

P.S.: Ich empfehle einfach mal die Pläne der Betreiber anzusehen, die für einen Ernstfall eintreten. Wer sich das ansieht, der bekommt einen Eindruck davon, in welcher Weise dort vorgesorgt und geplant wird. Dann ist das Flickschustern mit neuen Werkstoffen und Methoden an alten AKWs, bei denen man eh nicht an alle Stellen drankommt, schon fast seriös.

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


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