Das iPhone 5 – kaum Innovationen und doch ein Kassenschlager

Apple scheint seinen Vorsprung auf dem Tech-Markt verspielt zu haben und doch wird das neue iPhone 5 wieder alle Kassen sprengen. Das ist absehbar. Die Apple-Fans kennen nämlich keine Alternative.

Das iPhone 5 – trotz wenig Innovation ein Kassenschlager

Gestern Abend hat Apple das iPhone 5 vorgestellt. Die Reaktionen darauf waren ernüchternd, denn die gewohnten Superlative blieben aus. Kein höher, kein schneller und kein weiter. Apples iPhone hat im Vergleich mit anderen Smartphones der inzwischen starken Konkurrenz aus Asien keinen neuen Quantensprung hingelegt. Vom Design unterscheidet es sich kaum vom Vorgänger 4S. Lediglich schmaler und leichter liegt es in der Hand. Der Screen allerdings gewohnt größer. Ein 4-Zoll-Retina-Display lädt zukünftig zum Wischen und Scrollen ein. Außerdem ist es mit einem superschnellen A6-Chip ausgestattet, welcher die Leistungsfähigkeit und Energieeffizienz maximieren soll um eine längere Akku-Laufzeit zu gewährleisten. Das Gehäuse glänzt in einem schillernden Aluminium-Look und bei der Farbauswahl blieb man sich ebenfalls treu. Schwarze und weiße Ausführungen findet Ihr ab dem 21. September hinter der Ladentheke. Geliefert wird außerdem mit LTE-Standard und iOS 6. Dem bislang fortschrittlichsten Betriebssystem mit über 200 Funktionen, darunter ein überarbeitetes Siri, weiteren Sprachen und einer turn-by-turn-Navigation. Alles in allem ein solides Produkt. Das Problem ist nur: „solide“ war dem Unternehmen aus Cupertino, allen voran Steve Jobs, eigentlich nie genug.


iPhone-5-Einführungsvideo


Das hatte auch immer seinen Grund. Um sich von der Masse abzusetzen, musste ein Produkt in der Vorstellung der Apple-Ingenieure fähig sein, eine „Delle ins Universum zu schlagen“. Das und nicht viel weniger war immer der Ansporn des hitzköpfigen Mannes hinter dem Unternehmen. Diese Einstellung hatte einst den Macintosh hervorgebracht und Apple bei so gut wie jedem weiteren Gadget-Release mindestens zwei Nasen weiter vorne rangieren lassen. Doch die Mentalität scheint mit Steve Jobs gegangen zu sein, denn seit der verstorben ist, tut Apple sich schwer mit mehr Mut in den Ring um das innovativste Produkt zu steigen.

Nicht das beste Smartphone…

Die Konkurrenz ist dem Marktführer dicht auf den Fersen, denn das was das iPhone 5 ausmacht, ist nichts was man nicht inzwischen auch schon auf anderen Geräten wie dem Samsung Galaxy SIII, dem HTC One X oder selbst dem Lumia 920 in ähnlichen Ausfertigungen betrachten kann. So sagt der Tech-Guru Sascha Pallenberg beispielsweise nach dem Showdown:

„Das iPhone 5 ist nicht das dünnste, leichteste und schnellste Smartphone und hat weder das beste Display, die besten Features, die beste Kamera und auch nicht das beste OS“.

Ein Fazit, das selbst die hartgesottensten Fanboys wehleidig werden lässt. Und doch werden genau die treuen Käufer Apple dennoch volle Kassen bescheren. Denn es wird sich mit dem iPhone 5 nicht viel anders verhalten wie mit dem 4S.

Medien und Kritiker waren mit dem iDevice nicht sehr zimperlich, als dieses im Oktober letzten Jahres veröffentlicht wurde. Von der Rundum-Erneuerung einer Cashcow sprach man damals. Kein Fortschritt erkennbar. Eine fast identische Ähnlichkeit mit dem Vorgänger iPhone 4 wurde festgestellt. Und doch verkaufte sich der Nachfolger wie geschnitten Brot und als ob es noch ein Butterhäupchen oben drauf geschenkt gegeben hätte. Der Konzern scheint unerschütterbar. Ein Beweis dafür steht natürlich noch aus und doch würde man fast seine Großmutter darauf verwetten wollen, dass dieses Gerät kein Ladenhüter werden wird und die Vormachtstellung des Apfels weiter sichert.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier…

Sollte das iPhone 5 nicht mit den absurdesten Makeln ausgeliefert werden und unter dem Dauerfeuer einer gerechtfertigten Kritik einbrechen, wird das Produkt weiterhin seine Abnehmer finden. Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wie heißt es so schön: „Never change a running system!“.

Wer Apple-Produkte liebt, wird dabei bleiben. Das Zugehörigkeitsgefühl der Nutzer ist ungebrochen und man würde lieber in die Steinzeit zurückkehren anstatt ein anderes Smartphone bedienen zu müssen. Apple hat verstanden seine Kunden zu binden. Über Jahre. Das eigene Ökosystem ist da nicht ganz unschuldig dran. Und von dieser Bindung wird auch das neue Release profitieren. Auch wenn es nicht das Beste ist. Und die Revolution, die sich der Fanboy gewünscht hat, ausbleibt.

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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5 comments

  1. Mich stört, dass man immer wieder „Apple-Fan“ sagt, wenn man „iPhone-Fan“ meint. Ich verwende Macbooks, weil sie bessere Werkzeuge sind als die Windows-Maschinen, die ich vorher hatte. Ich verwende Android-Phones, weil sie die deutlich besseren Werkzeuge sind, also iPhones.

    Somit bin ich im Bereich Notebooks ein Apple-Fan, im Bereich Smartphones aber ein Android-Fan – und ich kann mir nicht vorstellen, dass etwas Anderes logischer wäre.

  2. Du glaubst nicht dass es den Apple-Fanboy gibt? Du musst ja nicht unbedingt zu der Personengruppe gehören, die ich hier über einen Kamm ziehe, aber ich bin fest überzeugt, dass es den „Apple-Fan“ gibt.

  3. Da mir vor einigen Tagen mein iPhone 4S hier in Lyon entwendet wurde, hatte ich bis dato abgewartet mir eine neue eierlegende Wollmilchsau aus dem Hause Apple anzuschaffen. Schließlich will man ja alle Vorzüge haben. Nichtsdestoweniger hatte ich mich nun für ein Android entschieden. Switching Costs und Usability hin oder her. Fünf App-Reihen hat mich dann hinsichtlich der Software nicht vom Hocker gerissen.

  4. Man kann ja zu dem neuen iPhone sagen was man will, aber es hat dem Erfolg von Apple einen wahnsinns schub gegeben. Die Aktie ist auf einen Wert von über 700$/Aktie gestiegen. Trotz „Innovationslosigkeit“ soltte man das ganze System Apple anerkennen.

  5. Ich seh das ähnlich. Apple-Fanboy ist nicht immer gleich Apple-Fanboy. Es gibt Menschen, die die Technologie toll finden und welche die nur darauf stehen, weil Appleprodukte „nur die haben, die auch cool sind“.

    In jedem Falle verstehe ich nicht, warum Apple immer noch so einen unglaublichen Umsatz mit dem iPhone5 macht. So toll ist’s halt wirklich nicht. Und dass das Unternehmen jetzt noch Steve Jobs hintergeht, gut nunja, kann man ja von halten was man möchte.

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