Alle Beiträge zu Gastautoren

Facebook Home: Umfassende Software für Android-Smartphones vorgestellt

Gestern Abend wurde in Kalifornien Facebook Home vorgestellt, ein neuer Facebook-zentrierter Launcher für Android-Smartphones, sowie ein dazugehöriges Smartphone, das HTC First.

Es gab im Vorfeld mehrere Gerüchte, was Facebook auf dem gestrigen Android-Event vorstellen könnte: eine neue Facebook App, eine eigene Android-Version oder gar ein eigenes Smartphone. Letztendlich wurde mit Facebook Home sowie dem HTC First gestern nichts von alledem und doch von allem ein bisschen vorgestellt.

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Tumblr ist angekommen zwischen Twitter und Facebook

Deutschland hat aktuell etwas mehr als 82 Millionen Einwohner. Genauso viele Posts wurden bis 11 Uhr allein heute auf Tumblr veröffentlicht. Das 170 Mitarbeiter-Unternehmen aus New York City durfte vor ein paar Tagen Blog Nummer 100.000.000 feiern, hat inzwischen 44,6 Milliarden Einträge gesammelt und existiert in 12 Sprachen. Eine Erfolgsgeschichte, die einen neuen Höhepunkt gefunden hat und zunehmend auch in Deutschland Zuspruch findet.

Schon seit einiger Zeit befindet sich Tumblr, das immer wieder als Microblogging-Dienst bei Seite geschoben wird, auf einem aufsteigendem Ast. Die Mischung zwischen Twitter und Facebook sowie Multimedia-Plattformen wie Instagram, Flickr und YouTube scheinen zunehmend auch in Deutschland anzukommen. Auch wenn hier bekanntlich alles Digitale meist ein bisschen länger braucht als in den USA: Tumblr hat sich einen Status erkämpft, den zuvor nur WordPress und Blogger inne hatten. Tumblr wird nämlich nicht mehr mit dem Blog-Tool für Hipster assoziiert („Ein bisschen Foto, ein bisschen Mode und coole Zitate“), sondern inzwischen in der Branche der sozialen Netzwerke akzeptiert – und das aus gutem Grund.

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Zukunft Zeitung, mehr Flexibilität gefordert?

Dank dem Internet ist Informationsübermittlung wesentlich einfacher, aktueller und vielfältiger geworden. Davon sollten doch alle, vor allem auch die regionalen Zeitungen profitieren. Doch warum verliert die Tages- und Regionalzeitung immer mehr an Gewicht? Warum geht die Anzahl der Leser stetig zurück?

Vergangene Woche fragte der Blogger Richard Gutjahr 6 sogenannte Medienprofis, wie die Zukunft der Zeitung aussehen wird. Allen war klar, dass die Printmedien sich verändern müssen. Warum, hat ein 18-jähriger Schüler in einem Kommentar unter dem Blogpost am besten zusammengefasst. Für Netzpiloten.de hat Benedict Schultheiß seine Ansichten noch einmal niedergeschrieben.

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Social Scoring Dienste im Check: Ist Klout eigentlich legal?

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Klout ist ein weitgehend vollautomatischer elektronischer Dienst zur Messung der Online-Reputation von Personen. Grundlage der Analyse sind soziale Netzwerke, wie zum Beispiel Twitter und Facebook. Alles Humbug, wie der Blogger Christian Buggisch meint. Buggisch ist kein Fan von Klout und hat erst vor kurzem in einem lesenswerten Blogbeitrag fünf Gründe [...]
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Europa gegen Google? – Die “Task-Force” macht ernst

Die Privatsphäre-Bestimmungen von Google kommen auf den Prüfstand. Ein europäisches Vorgehen gegen einen Internetkonzern stellt ein Novum dar, weshalb die Entwicklung dieser Verfahren mit Spannung beobachtet werden darf.

Wie die französische Datenschutzbehörde (CNIL) sowie auch der Hamburgische Beauftrage für Datenschutz und Datensicherheit in Pressemitteilungen verkündeten, werden in sechs europäischen Ländern Untersuchungen und Prüfungen der jeweiligen Datenverarbeitungspraxis auf Grundlage der bestehenden Datenschutzerklärung (für Deutschland) von Google vorgenommen. Je nach Ausgang dieser Verfahren könnten aufsichtbehördliche Maßnahmen, wie etwa Bußgelder, die Folge sein.

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Rückblick SXSW 2013: Techniktrends und Politik

Wilkommen bei der SXSW – der größten und bedeutendsten Technologie-Messe. Wo Startups und neue Spielereien das Licht der Welt erblicken und alte Haudegen vor einer „hacked democracy“ warnen.

Adrian Rosenthal und Lucas Mohr waren auf der South by Southwest (SXSW) und haben sich die aktuellen Trends im Bereich der politischen Kommunikation angeschaut. Ein Bericht aus Tausend und einer App. Die vielleicht wichtigste Veranstaltung im Bereich digitaler Kommunikation, die South by Southwest (kurz SXSW), findet jedes Jahr Anfang März in Austin, Texas statt. Was ursprünglich als Festival zur Förderung lokaler Bands und Filmemacher begann, ist heute als Geburtsstunde bekannter Startups wie Twitter und Foursquare bekannt und hat dieses Jahr mehr als 25.000 Besucher angezogen.

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Voice-over-IP: Neue Strategien müssen her bei Telekom und Co.

Briefmarke 100 Jahre Telefon (Bild: NobbiP [Public domain], via Wikimedia Commons)
Viel tut sich im Voice-over-IP-Geschäft aktuell. So führt Facebook nach der Skype-Kooperation im Sommer 2011, mit der Videochats in Facebook möglich wurden, nun auch Sprachanrufe ein. Doch wie gehen die traditionellen Provider mit dieser Entwicklung um? Über das Internet können sich Nutzer plattformübergreifend, also etwa von iOS zu Android, anrufen [...]
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Sind Sie noch mein Freund, Herr Google?

Freunde zu haben bedeutet viel im Leben, doch muss man die Freundschaft pflegen! Google hat sich über die Jahre einen großen Freundeskreis aufgebaut, der mit jeder neuen Innovation weiter wuchs. Doch diese Freundschaften werden zum Teil auf eine harte Probe gestellt.

Dominik Ruisinger ist ein Freund von Google, doch macht ihn seine Freundschaft zu der kalifornischen Suchmaschine langsam nachdenklich. Zu sehr verwirrt der Kurs von Google, zu sehr schmerzt der Liebesentzug, wenn wieder ein Dienst, der verbindete, verschwunden ist. Ein Brief errötet nicht. Das wusste schon Cicero. Und so scheint es nur das selbstverständlichste Kommunikationsmittel zu sein, einem guten Freund wie Google einen Brief zu schreiben. Dies hat Dominik Ruisinger getan:

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Einsatz für ein offenes Netz: Gegen das digitale Mittelmaß

Internetaktivisten haben den Anschluss an die Wirklichkeit verloren. Erfolgreicher Widerstand gegen rückschrittliche Netzpolitik muss da beginnen, wo es wehtut. Eine Kampfansage.

In der Netzgemeinde ist nach dem gescheiterten Widerstand gegen das Leistungsschutzgesetz so richtig Leben in die Bude gekommen. Einige Netzaktivisten stellen nicht nur sich, sondern auch generell ihre Relevanz für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik infrage. Eine Welle der inneren Einkehr, Demut und Bescheidenheit macht sich breit. Und das ist doch ein Schritt in die richtige Richtung. Sascha Lobo stellt fest, dass es in Sachen Leistungsschutzrecht nicht gelungen sei, die YouTube-Generation abzuholen. Es gibt keine Vernetzung zu den Videobloggern, deren Reichweite alles in den Schatten stellt, was in Blogs und auf Twitter zu finden ist. Wenn das schon nicht gelingt, ist es nicht verwunderlich, dass der weniger internetaffine Teil der Bevölkerung überhaupt nicht erreicht wird. Selbst in der eigenen Familie dringt man mit seinen eigenen netzpolitischen Thesen nicht durch.

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Evernote: Telekom-Kunden erhalten 1 Jahr kostenlosen Premium-Zugang

Pünktlich zu Ostern hat T-Mobile auf der eigenen Homepage ein Geschenk für Kunden des Mobilfunkanbieters versteckt – ein kostenloses Premium-Jahresabo der Notiz-App Evernote.

Die Deutsche Telekom und Evernote haben eine strategische Partnerschaft angekündigt. Diese Meldung ist zugleich eine gute und weniger gute Nachricht, aber kommen wir zunächst zum positiven Teil: Wer einen Mobilfunkvertrag bei T-Mobile abgeschlossen hat, hat ab sofort die Möglichkeit ein Premium-Account der hervorragenden Notiz-Sammlung Evernote ein Jahr kostenlos zu nutzen – ein Premium-Konto von Evernote kostet normalerweise immerhin 40 Euro im Jahr.

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Von Daten, von Öl und einem neuen Datenwertgefühl

Die Vize-Präsidentin der Europäischen Kommission, Neelie Kroes, bezeichnet im Rahmen einer Rede („The big data revolution“) Daten als das neue Öl, als Treibstoff der Innovation, der Stärkung und des Antriebs unserer Wirtschaft, der, anders als der fossile Rohstoff, nicht ausgehen wird.

Meines Erachtens bestehen jedoch einige Unterschiede, welche es auch bei dem Entwurf der neuen Datenschutz-Grundverordnung und damit im zukünftigen System des Datenschutzes in Europa, zu berücksichtigen wären. Bleibt man bei dem Vergleich, dass Daten das neue (Roh-)Öl sind, dann wären die Menschen die abgestorbenen Organismen, aus denen unter Druck und Temperatureinfluss das Öl entsteht.

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Internationale Aktivismus-Konferenz: “Energize, Polarize, Mobilize!“

Der Aktivist von heute muss viele Fähigkeiten besitzen: Organisationstalent, Ideenreichtum, Rechtsverständnis und Netzaffinität. Zu diesem Schluss konnte kommen, wer bei der internationalen Konferenz „Energize, Polarize, Mobilize!“ der Heinrich-Böll-Stiftung am vergangenen Freitag war. Hauptsächlich ging es aber um politischen Aktivismus – online wie offline.

Protest kann sehr einfach sein: Plakate sind schnell gemalt, eine kurze Einladung über Facebook verschickt und dann ab auf die Straße. Könnte man meinen, aber die Realität sieht anders aus. Wie an Online-Protestbewegungen à la “Wir wollen Guttenberg zurück“ in der jüngsten Vergangenheit zu sehen war, steckt hinter einer Idee oft nicht viel mehr als eben diese Idee. Im Netz spricht man dabei vom sogenannten “Klicktivismus“ – politischer Aktivismus für Faulenzer.

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Gedanken: Wie kann sich Journalismus finanzieren?

Ich stelle mir häufig die Frage, wie sich Journalismus in Zukunft finanzieren wird. Ich finde es wichtig, dass sich auch Journalisten diese Frage stellen – nicht nur Unternehmensberater und Geschäftsführer. Je größer der Einfluss von Reportern auf die Finanzierung von Medien ist, desto besser die Qualität des Journalismus.

Verleger haben Recherchen und aufwändige Reportagen nur zugelassen, weil sie ein Herz für Journalismus hatten. Überall dort, wo Gewinne optimiert werden sollen, wird die Qualität zusammengestrichen. Das ist immer häufiger der Fall.

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E-Book-Flatrates: ausgerechnet Piraten machen vor, wie’s geht

Das E-Book-Geschäft in Deutschland wächst weiter dreistellig – und knackte 2012 erstmals die 100 Millionen-Euro-Marke. Vom E-Lese-Boom profitieren allerdings nicht nur Verlage und Buchhändler, sondern auch E-Book-Piraten.

Besser als jeder normale Wettbewerber es vermag, besetzen sie Nischen, die auf legale Weise bisher nicht ausgefüllt werden – der aktuelle Piraterie-Studie „Gutenberg 3.3“ zufolge stellen die digitalen Freibeuter sogar umfassende Flatrate auf die Beine, gegen Bezahlung, versteht sich.

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Fluch der Karibik: Schwarzes Gold

Öl-Raffinerie
Zum besonderen Engagement der US Navy auf Haïti nach dem Beben und den möglichen wirtschaftlichen und politischen Beweggründen. Von Gastblogger Daniel Khafif.

Die Üblichen Verdächtigen schrieben es bereits einen Tag nach dem verheerenden Erdbeben auf Haïti in ihre Blogs und glichen krächzenden Krähen auf den Totenbergen von Port au-Prince: Wieso das massive Engagement der US Navy im Armenhaus der Karibik und vor allem – warum so schnell?

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Blind im Web: Ein Hürdenlauf

Relaunch ist ein beliebtes Wort im Web. Kündigt ein Onlineshop, ein Nachrichtenportal oder ein soziales Netzwerk einen Relaunch an, hält sich meine Begeisterung meist in Grenzen. Stattdessen frage ich mich, ob ich die Seite zukünftig noch werde nutzen können. Für blinde und sehbehinderte Menschen ist das Bewegen im Netz nicht Surfen, sondern ein Hürdenlauf. Denn schließlich muss der Screenreader die Website so umsetzen, dass sie mit Vergrößerungssoftware, Braillezeile oder Sprachausgabe gelesen werden kann.

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Biz Stone im Interview: „Wir entwickeln neue Features für die Demokratie“ (Teil II)

Gast-Blogpilot Christoph Bieber hatte auf seiner aktuellen US-Reise die Gelegenheit mit Biz Stone von Twitter ein Gespräch zu führen. Im ersten Teil des Interviews ging es um die Rolle von Twitter als Kampagnentool und die Art, wie Twitter die (politische) Kommunikation und Kultur verändern kann. Im zweiten Teil spricht Christoph mit Biz über Signal and Noise im Twitterverse, die Kooperation mit Current.TV und die Rückschlüsse, die sich aus der Auswertung des weltweiten Gezwitschers über den aktuellen Themenpuls ziehen lassen.
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Wisdom… Lebensweisheit, Lebenserfahrung – unsere Ressourcen!

Gastbeitrag von von Jana Hochberg und Alexander Rausch aus dem Neuron-Netzwerk.

Alte Menschen gelten von jeher als Weise. Ihre Lebenserfahrung wird immer dann gezielt „aufgesucht“, wenn neue, noch nicht bekannte Handlungsmöglichkeiten erfragt werden. In Form von Ratschlägen teilen sie mit uns ihr Wissen. Sie haben viel Erfahrung und können den jungen Menschen weise (Lebens) Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Manchmal kann uns der Rat eines älteren Menschen jedoch nicht erreichen, weil ihnen der Bezug zu neuen Entwicklungen fehlt und den damit einhergehenden neuen Anforderungen an das Leben, oder aus anderen Gründen. Selbst die Auswahl an älteren Menschen im eigenen Handlungsumfeld ist beschränkt. Seit den Zeiten des Internets und den damit einhergehenden Social Networks erhält das Begriff Wisdom eine ganz neue Bedeutung bzw. kann aus anderer Perspektive gesehen werden: Mit dem Web 2.0 haben „wir“ ein Werkzeug geschaffen, dass den Zugriff auf soviel Lebensweisheit und -erfahrung offen legt, dass wir uns nicht mehr mit einer sehr eingeschränkten Auswahl begnügen müssen!

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Netzsensibilität: Wie man Mitstreiter findet und bindet! 7 Tipps!

Gastbeitrag von Jean-Pol Martin

Wer mehr will, als sich auf diversen Plattformen zu präsentieren und unverbindliche Kontakte zu pflegen, wer also Mitarbeiter oder Mitstreiter sucht, muss sich ein ganz bestimmtes Verhalten angewöhnen. Das zeige ich an einem Beispiel und erkläre anschließend, was ich unter „Netzsensibilität“ verstehe.

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„Ich habe meinen Traumberuf gefunden!“ – Web 2.0-Navigator in der Grundschule!

In unserem aktuellen Themenschwerpunkt zu „Zukunft des Lernenes“ berichtet heute Gastautor Martin Riemer von seinen Erfahrungen mit Blogs an einer Berliner Grundschule:

schulblogs.jpg

Mein Name ist Martin Riemer, von Hause aus mache ich den Zettelkasten Riemer-O-Rama, home of my personal „Bloggum ergo sum“. Ich markiere mich selbst als einen Gewinner der Blogosphäre, da fand ich es mindestens notwendig, mein dort erhaltenes Wissen in einem konzertierten „Sharing und Erkläring“ weiterzugeben. So geschah es…

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Gefangen im Digital

Markus Angermeier, auch bekannt unter dem Namen kosmar, über Last und Freuden des digitalen Lebens im Mitmachnetz. Kosmar lebt und arbeitet als freiberuflicher Designer in Berlin.

So schwierig ist das angeblich so hektische Leben in der Generation Always-On gar nicht.

Man muss sich nur Grenzen setzen und Regeln aufstellen. Time Management heißt das. So habe ich zum Beispiel feste Zeiten am Tag, an denen ich Twitter lese und schreibe: Zu jeder ungeraden Minute. Emails lese und bearbeite auch ich nur dann, wenn gerade eine neue ankommt.

Facebook, ipernity, StumbleUpon und Xing nutze ich nur, wenn auch wirklich etwas viel Wichtigeres zu tun wäre. Vor wichtigen Terminen schaue ich zum Beispiel gerne eine Stunde auf den Screensaver von ffffound. Dann bin ich optimal vorbereitet.

Zur Erledigung von Aufgaben wie Spam löschen, Updates installieren, Bacn verwalten und Passworte ausdenken, habe ich mir in einer schmerzfreien Behandlung das vegetative Nervensystem erweitern lassen. So geht das von der Hand, ohne dass der Kopf etwas davon weiß. Meine Augen und der Daumen auf dem Trackpad des Macbooks sprechen direkt miteinander über eine spezielle Nervenbahn.

Ernsthaft: Es gibt kein Geheimnis. Nur die richtigen Tools.

Die habe ich auch noch nicht gefunden. So hilft mir die Facebook Boostbar, mich in der Datenkrake Facebook besser zurechtzufinden. (Nur das Passwort will sie sich nicht merken.) Twitter lese ich per Snitter, das stürzt aber auf meinem Macbook alle 20 Minuten ab. Skype kann noch nicht richtig mit dem neuen Max OS Leopard und auch Google Talk ist nicht wirklich optimal. Der RSS-Ticker für Firefox ist toll, nur komme ich mit den Einstellungen nicht klar. iGTD verwaltet die wirklich wichtigen Aufgaben. Nur müsste ich auch jeden Tag mal reinschauen. Das Feedlesen hab´ ich übrigens wirklich komplett aufgegeben, obwohl Vienna echt fast perfekt ist. Vielleicht morgen wieder.

Meine konsequente Verweigerung eines Mailprogramms hindert mich daran, Emails zu lesen, während ich offline bin. Nur bin ich ja nie offline. Denn auch mein Telefon kann ja inzwischen mit dem Internet sprechen.

Aber warum das alles?

Warum der ganze Stress, immer auf der Suche nach einem Wlan und billigeren Telefontarifen? Es gibt ja auch noch ein Leben abseits des Bildschirms, verdammt noch mal.

Ich dachte immer, es sei mein Job, das Internet und alles darin zu beobachten. Das ging auch gut, bis jemand das Web 2.0 erfunden hat. Beobachten reicht da ja nicht mehr. Man muss sich preisgeben, Datenschutz und Privatsphäre beim Schaffner abgeben. Man muss mitmachen, Freunde zu Freunden erklären, immer eine Meinung haben und eine Antwort wissen. Dann sollte man etwas in den Blog schreiben und dabei möglichst witzig bleiben: Wer lacht, gewinnt.

Heute bin ich verstrickt in soziale Geflechte der digitalen Art.

Genau diese sind das wirklich Faszinierende. Früher war ich ein unausgeglichener, nicht austherapierter Schlaf- und TV-Abhängiger. Dann kamen StumbleUpon, Orkut und Flickr aus dem Bildschirm und haben mich angesprungen. So habe ich in den letzten fünf Jahren mehr Menschen kennengelernt als in den 15 Jahren davor zusammen. Und der Mensch will immer mehr und mehr: Sucht ist das eine Wort dafür. Erfüllte Realität ist das andere.

Denn real sind die Dinge auf dem Bildschirm allemal. Da kann man das Wort virtuell noch so strapazieren: Ratschläge, Witze und Beleidungen im Meatspace – auch Realität genannt – existieren zwar noch, nachdem sie ausgesprochen wurden. Zu hören sind sie indes nicht mehr. Google hingegen vergisst nie, was du in ein Textfeld geschrieben hast.

Natürlich sind diese Onlinebeziehungen mit Leuten, die ich zum Teil nur als Pixelhaufen von 48 Pixeln Seitenlänge kenne, nicht so tiefgehend wie die, die ich mit der Nase riechen kann. Dennoch sind mir einige sehr wichtig. Den Kern von Freundschaft, nämlich Hilfe, Trost und Antrieb, kann ich zumindest zum Teil aus meinem digitalen sozialen Netz beziehen. (Immerhin halten sich dort ja auch meine Freunde aus der Offlinewelt auf.)

Nicht zuletzt macht das alles irre Spaß. Wenn man dann die Onlinefreunde in Person trifft, kennt man sich zumindest schon so gut, dass gemeinsame Arbeit oder eine Unterhaltung selten ein Problem darstellen.

Deshalb setze ich mich gerne der Last des Digitalen aus. Aber auch Urlaub ist etwas Schönes. Und Familie, Musik, Schlaf, Anfassen und Essen sind überhaupt das Beste auf der Welt. Wie sich das alles anfühlt kann ich ja immer noch zwischendurch twittern.

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Positiv bloggen

„Außer bei BILDblog.de amüsieren mich Nörgelblogger eher weniger und Kuschelblogger wären genau so wenig mein Ding.“

Auf dem letzten barcamp in Berlin hatte ich einen netten Austausch mit Sven Dietrich vom pop64-Blog über das Thema „positive blogging“. Sven verteilt in seinem Blog Punkte an Hamburg und Berlin für Dinge, die diese Städte seiner Meinung nach auszeichnen. Nette Grundhaltung. Weit und breit keine Trolle und Flamings bei pop64.

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„Das ‚Einspielergebnis‘ ist ein (schlechter) Witz“

Er gilt als der „Spaßblogger“ schlechthin und schafft es mit kleinen Aktionen immer wieder, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nach dem Verkauf seiner Community Spotleid vor einem Jahr, verkaufte er nun sein Weblog struktour bei eBay. Nach sieben biblischen Tagen erreichte die Auktion einen Endstand von 655 Euro.
Die Blogpiloten sprachen mit Stephan „Fabu“ Günther über seindafen Ausverkauf der Eitelkeit.

Stell Dich bitte doch kurz vor: Wer bist Du, was machst Du?
Fabu, 31, Hamburg, Hans Dampf in allen Sackgassen.

Was war der Auslöser dafür, Dein Blog auf eBay zu versteigern?
Möglichst viele Backlinks ernten zum Wohle des Pageranks und der Platzierung in den deutschen Blogcharts. ;-)
Aber im Ernst: Neuanfang, Experimentierfreudigkeit, Spieltrieb und ein überzogener Dispo.

Der erste Grund war sicherlich nicht der Gewinn, den Du damit machst; bist Du mit dem Ergebnis trotzdem zufrieden?
Nein, das „Einspielergebnis“ ist ein (schlechter) Witz, über den ich anfangs nicht lachen konnte.

Wie kann man den „Marktwert“ eines Blog bestimmen?
(Pi * Daumen) * (PR * 100) + Glück²
Keine Ahnung. Letztendlich zählen wohl einfach die nackten Zahlen (Pagerank, Anzahl der indexierten Seiten, Relevanz, Pageviews, …) und nicht die Qualität der Inhalte.

Wir reden derzeit viel über Werbung in Blogs, was denkst Du darüber? Auch in Hinsicht auf adical?
Ich finde Werbung in Blogs vollkommen legitim als Entlohnung für investierte Zeit und Arbeit. Ich bin mir natürlich über die „Gefahren“ im Klaren: Einfluss gepaart mit Werbung fördert Manipulation. Trotzdem kann ich die Predigten und gehobenen Zeigefinger der selbsternannten Gutmenschen nur mit einem gehobenen Mittelfinger beantworten. Zu Adical sage ich nichts, weil ich mit einer teilnehmenden Person liiert bin und mir eine Klausel im (imaginären) Ehevertrag Äußerungen bezüglich Adical untersagt.

Werden wir Fabu weiterhin als Blogger erleben?
Ja, auf jeden Fall. Allerdings ist noch unklar, wann, wo und wie ich wieder bloggen werde. Priorität hat erstmal mein Community-Projekt Supertopic.de, mit dem wir in Kürze online gehen.

Was bedeutet das Bloggen für Dich?
Selbstdarstellung, Zeitvertreib, Provokation, Interaktion, Eigeninitiative und viele weitere wohlklingende Nomen, die den Lesern dieses Interviews das Gefühl vermitteln, ich sei rebellisch und überdurchschnittlich talentiert.

Was hälst Du von der deutschen Blogwelt, wo steht sie und wo geht sie hin?
Ich finde die deutsche Blogszene größtenteils langweilig bis bedeutungslos. Eigeninitiative, Kreativität und Charme sind – jedenfalls empfinde ich das so – eher die Ausnahme. Hinzu kommt natürlich, dass die Reichweite im Vergleich zu internationalen Blogs geradezu lächerlich ist. Eigentlich kann es nur besser werden.

Nochmal zum Verkauf Deines Weblog: Kennst Du den Käufer?
Ja.

Was hat dieser mit dem Blog vor, oder willst Du es lieber nicht wissen?
Nachdem ich ihm die Domain überschrieben habe, wird er das Blog schließen und vermutlich Werbung platzieren. Aber… da es eh irgendwann rauskäme, spiele ich direkt mit offenen Karten: als ich sah, dass die Auktion so schlecht läuft, bat ich einen Freund, die Seite zu ersteigern. Die 655 EUR zahlt er mir in 655 Raten a 1 EUR. Verwirrend, hm?

Du verkaufst das Blog inklusive aller Inhalte und Kommentare. Gab es auch kritische Kommentare Deiner Leser, vor allem was Datenschutz oder dergleichen anbelangt?
Ohne meinen Anwalt sage ich gar nichts mehr.

Danke für das Interview, war ein Vergnügen!

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„Wir leiden unter einem chronischen NDA-Syndrom“

Frank Westphal ist Software-Entwickler und -Coach. Mit seinem kleinen Dienst Rivva, der vor wenigen Wochen startete, schuf er einen kleinen „Blogmonitor“ als Pulsmesser für die deutsche Blogwelt. Die Blogpiloten sprachen mit ihm über diesen Service, die Eigenheiten des Web 2.0 in Deutschland und die Zukunft des Internet.

Stell Dich bitte doch kurz vor: Wer bist Du, was machst Du?

Ich bin eigentlich freier Softwareentwicklungscoach, gönne mir jedoch gerade ein Sabbatical und arbeite nebenher an ein paar eigenen Geschichten.

Was ist Rivva?

Rivva möchte so etwas wie Techmeme für die deutschsprachige Blogosphäre werden. Mein Ziel ist es, den Zeitgeist und die Themen, die in den Weblogs ein größeres Echo finden, automatisch einzufangen und zu einer Top-News-Seite zu aggregieren. Die Idee ist vergleichbar mit Google News, nur dass wir Blogger Redakteure des Ganzen sind.

Was ist Dein persönlicher Antrieb für das Projekt Rivva?

Rein egoistische Gründe: Ich möchte mehr Zeit fürs Wesentliche haben, insbesondere um die Dinge und Ideen, die ich im Netz lese und lerne, auch ausprobieren und umsetzen zu können. Ich könnte ja den lieben langen Tag durchs Web stöbern, allerdings täte ich so nichts anderes mehr geregelt bekommen: Getting Nix Done. Mit Rivva möchte ich, im Gegenteil, in die Lage kommen, in kürzerer Zeit einen möglichst umfassenden Ausschnitt der aktuellen Diskussion im Netz verfolgen zu können, und darüber hinaus hin und wieder auch über den persönlichen Tellerrand geführt werden.

Ist das Projekt als kommerzielles Unternehmen gedacht, oder betreibst Du es „aus Spaß“?

John Lennon sagte mal: Leben ist, was Dir passiert, während Du eifrig andere Pläne machst. Momentan genieße ich hauptsächlich meine Freiheit und nebenher meine kleinen Projekte. Vor mir türmt sich ein Berg cooler Ideen auf, könnte also noch richtig spannend werden. Ich will mich jedoch auf nichts festlegen und einfach mal überraschen lassen, wohin Rivva wohl treibt.

Was wird uns bei Rivva noch erwarten, wie sieht die nahe Zukunft des Projektes aus?

Da ich die Seite zu einem extrem frühen Zeitpunkt geöffnet habe, fehlen einige Basics. Dieser Tage wird eine News-River-Seite hinzukommen, Ende März Monats- und Wochenarchive, im April vielleicht schon das erste Gimmick. Mein größtes Interesse steckt im Moment in experimentellen Features, die ich zum Testfahren nach und nach veröffentlichen möchte. So ähnlich, wie sich bei Google über die Jahre kaum etwas an der Oberfläche getan hat und fortlaufend, für uns aber fast unsichtbar an den Suchfunktionen gefeilt wird, hänge auch ich mit dem Kopf hauptsächlich unterhalb der Motorhaube. Jedes noch so coole Feature wird von Relevanz gestochen, das ist mein Fokus.

Rivva setzt auf das Framework „Ruby on Rails“ auf, ähnlich wie viele andere Web 2.0-Website wie bspw. QYPE, an dessen Entstehung Du beteiligt warst. Wieso ist das so? Was macht „RoR“ so besonders?

Zum einen hat Ruby on Rails die Weichen neu gestellt in puncto Produktivität, Agilität und Einfachheit. Zum anderen ist RoR momentan der wahre Innovationsmotor im neuen Web: AJAX, REST, diese Dinge sind Teil des Frameworks. Oder nehmen wir Tagging, das ist in Ruby ein Einzeiler: acts_as_taggable. Aus vielen Projekten sind mittlerweile so viele gute Ideen zurück ins Framework geflossen oder dem Plugin-Marktplatz zugute gekommen, dass wir uns praktisch nicht mehr um Technologiekrimskrams kümmern müssen, sondern sofort auf die Umsetzung der Ideen stürzen können, die unsere Web-App von anderen unterscheidet.
Time to Market wird immer wichtiger, schließlich will jeder seine neue Site nach Wochen launchen, nicht Monaten. Zu guter Letzt, glaube ich, dass man mit der Entscheidung für Ruby auch bessere Softwareleute anzieht.

Kommen wir einmal auf das „Web 2.0“ im Allgemeinen zu sprechen: Was zeichnet für Dich das neue „Web 2.0“ aus?

Für mich ist das neue Web vor allem das alte Web: Es wird langsam erwachsen und so, wie es immer sein wollte: beschreibbar (Blogs, Wikis), mit reichen Interaktionsmöglichkeiten (AJAX, DHTML, Javascript, das endlich funktioniert), partizipativ (Social Networks, Weblogs, Audio/Video Podcasts, Screencasts), skalierbar (Torrents), annotierbar (Tagging), remixbar und offen über Web-APIs (Mashups, REST), mit referenzierbaren Inhalten (Micro Content), über hübsche stabile URLs (Permalinks), auch rückwärts (Trackbacks), mit semantischen Datenformaten (Microformats, JSON, Webstandards) und über Änderungshistorien verfolgbar (RSS, Atom, SSE, Ping). *hol Luft*

Neben all den sozialen Implikationen, die wir gerade aus den neuen Möglichkeiten entstehen sehen, fasziniert mich vor allem die Echtzeit- und ortsbezogene Komponente: Das Web wird immer schneller, zum Live Web. Ebenso kennt die Ausbreitung des Netzes in die reale Welt keine Grenzen mehr: neue Geo-Dienste, mobiles Web und Ubiquitous Devices; diese Themen finde ich ziemlich spannend. Im Thema Mashups steckt auch noch viel Potenzial.

Wie siehst Du die Web 2.0-Szene hier in Deutschland? Ich habe den Eindruck, in den letzten Monaten entstehen auch hierzulande einige sehr gute Ideen.

Meine ich auch, vor allem im Social-Commerce-Sektor: Dawanda, Dealjäger, Spreadshirt, Yieeha. Gute Ideen gut umgesetzt. Allerdings finde ich auch, dass hierzulande viel zu sehr über den großen Teich geschielt wird. Dieser gebannte Blick führt zu Lähmung. Außerdem reden und analysieren wir die Dinge in Deutschland klein und kaputt. Hype, Klon, Bubble sind Vokabeln, die wir mal wieder bewusster einsetzen könnten. Und überhaupt wird aus meiner Sicht zu viel geredet und zu wenig gemacht. Wir leiden unter einem chronischen NDA-Syndrom: Not Doing Anything.

Doch genug gejammert, nach Sandwich-Technik muss meine Antwort ja auf einem positiven Aspekt enden. Daher ein Minibuchtipp: „Who moved my Cheese?“ Mein Lieblingssatz: „What would you do, if you weren’t afraid?“ Einfach mal machen, wäre mein Tipp. Überhaupt einmal anzufangen, ist der wichtigste Schritt.

Was fehlt im Web 2.0? Außer den meisten Unternehmen offenbar ein Business-Plan?

Den fehlenden Businessplan sehe ich, ehrlich gesagt, als Stärke. Bestes Beispiel ist das gerade ausführlichst diskutierte Twitter. Obwohl die Jungs mit Odeo eine der ersten und besten Podcasting-Plattformen am Start hatten, haben sie auf dem Weg ihren Drive und Fokus verloren und sich von PodShow, PodTech und Konsorten überrunden lassen. Evan Williams hat darauf den meiner Meinung nach mutigsten Schritt im Jahr 2006 gemacht: seine VCs rauszukaufen, somit wieder frei zu sein und sich auf vielversprechendere Ideen stürzen zu können als die ursprünglich im Businessplan anvisierten Ziele: Odeo.com steht seit Februar zum Verkauf, alle Kraft voraus auf Twitter.com! Was fehlt meines Erachtens im Web 2.0? Ich glaube, ein schlagkräftiger Herausforderer zur Datenkrake Google wäre ganz dufte.

Wo wird sich das Web Deines Erachtens hin entwickeln? Werden wir alle bald im „Second Life“ stehen?

Nein, glaube nicht. Ich denke vielmehr, dass das Pendel schon bald wieder in die andere Richtung ausschlagen könnte: Von Always-On und hemmungsloser Mitteilsamkeit zu einer gesunden Balance aus Offenheit und Privatsphäre. Ich glaube, dass wir unsere lokalen Communities wieder entdecken werden und dass das Web ziemlich schnell unsichtbar werden wird durch die vielen kleinen Gerätschaften, die darüber miteinander verbunden sind. Der Witz, nach seinen verlegten Schlüsseln zu googeln, wird dann keiner mehr sein.

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»Readers Edition« in der Hand der Unterhosenwichtel

Eine Betrachtung der aktuellen Ereignisse rund um die Readers Edition, von Wilhelm Ruprecht Frieling

Wie installiert ein frisch gebackener Unternehmer ein neues Projekt im Web? Die »Underpants Gnomes« in der satirischen US-Comedy-Serie »South Park« zeigen es in Folge 217 mit ihrem dreistufigen Business-Plan:

  1. Sammel Content
  2. ???
  3. Mache Profit!

Keiner der Wichtel, und das ist der Gag, weiß allerdings, worin die entscheidende zweite Stufe des Geschäftsplans besteht. Jeder geht davon aus, der andere werde es wohl wissen, bis die Blase schließlich platzt. Der »dreistufige Geschäftsplan« gilt seitdem als Parodie auf Web-Unternehmer, die planlos umher irren und wichtig tönen.

In Berlin führen die Unterhosenwichtel derzeit die »Readers Edition« in die berüchtigte »Phase zwei«. »20 Millionen Mitarbeiter« wollte die Netzeitung als Betreiberin des Online-Portals gewinnen, als sie im Juli 2006 startete. Nach einem halben Jahr hatten kaum 150 Autoren mehr als jeweils vier Artikel veröffentlicht, der Rest kam von Leserbriefschreibern. Qualitätsniveau und Zugriffszahlen sanken kontinuierlich. Das Projekt erlebte seine erste heftige Krise.

Die norwegische Betreiberin Orkla Media wollte daraufhin das konzeptionslose Projekt loswerden. Sie koppelte die Readers Edition ab, übertrug zum 1. Januar 2007 ihrem bisherigen Netzeitung-Chefredakteur Michael Maier die Titelrechte, und schlug damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Maier hatte übrigens vor seinem Wirken bei der Netzeitung die Auflage des »stern« in den Keller gefahren und war daraufhin von Gruner+Jahr–Chef Gerd Schulte-Hillen fristlos gekündigt worden. Ein außergerichtlicher Vergleich kostete den Hamburger Verlag nach Archivunterlagen der »Zeit« mehr als 1,25 Millionen Mark.

In einem Kommentar zur Übernahme der Readers Edition erklärte der nunmehr selbständige Unternehmer Michael Maier als Geschäftsführer einer neu gegründeten Briefkastenfirma namens »Blog Form GmbH« den verwunderten Lesern und Mitarbeitern Anfang Januar: »Wir werden uns der Readers Edition jetzt sehr intensiv widmen und wollen sie ausbauen. Als Portal für Bürgerjournalismus, aber auch als ein publizistisches Unterfangen, in dem Stimmen zu Wort kommen können, die etwas zu sagen haben.« Inzwischen wird erkennbar, wie dies funktionieren soll.

Maier, der sich derzeit für einige Monate in die USA zurückgezogen hat, ließ jetzt ohne Vorankündigung alle alt gedienten Moderatoren, das sind die ehrenamtlichen Gründer und Mitarbeiter des Projekts, fristlos feuern. Er hielt es weder für nötig, dies selbst zu tun, noch dankte er den bisherigen Gratissklaven oder bot auch nur ein versöhnliches Wort an. Die Kündigung erfolgte durch freie Mitarbeiter und wurde damit begründet, die bisherigen Wasserträger seien »nur mäßig hilfreich« gewesen.

Die rüde Vorgehensweise des neuen Gutsbesitzers in seinem angeblich basisdemokratisch orientierten Portal führte zu tumultartiger Empörung in der Blogosphäre, auf deren Aktivisten das Readers Edition-Projekt bisher fußte. Die Ex-Moderatoren begannen, ihre Erfahrungen offen zu legen und das System, das »wie ein maligner Tumor die Idee des Citizen Journalism befiel« (Moderator Florian Siebeck) zu kritisieren. Dazu zählt auch der inzwischen für Die Welt tätige Projektgründer Peter Schink, den Maier wohl aufgrund seiner Bekanntheit nicht öffentlich »absägen« wollte. Der Gründungsvater erklärte seine Tätigkeit für die RE mit sofortiger Wirkung für beendet.

Die über Nacht gebildete neue Mannschaft aus zwei »Chef-Moderatoren« und einem neuen Helfer bemüht sich nun, möglichst viele Beiträge einzustellen, um den Eindruck von Aktivität zu erwecken. Dazu zählen Original-Pressemeldungen, die unter dem Namen der Chefmoderatorin veröffentlicht werden ebenso wie dilettantische Aufsätze, die jeder Schülerzeitungsredakteur ablehnen würde. Der Trend ist klar: Es geht darum, die »Readers Edition« für Werbepartner zu öffnen, die bereit sind, viel Geld auszugeben, um ihre Botschaften in die Welt des Web 2.0 zu sülzen. Im Ergebnis entsteht voraussichtlich eine Sammlung mit PR-Inhalten, die durch redaktionelle, leicht unterhaltende Beiträge aufgelockert wird. Das wiederum liegt im Trend, denn die Industrie erkennt durchaus, wie schnell die Blog-Szene wächst. So scheint klar, wohin sich die einst als Nachrichtenportal gegründete Readers Edition bewegt: In eine PR-Schleuder. Die Unterhosenwichtel wissen halt, wie es gemacht wird.

Wilhelm Ruprecht Frieling ist als Autor, Blogger und Verleger tätig.
Er schreibt Reportagen und Geschichten für deutsche und amerikanische Magazine und ist u.a. Autor des „Wörterbuch der Verlagssprache“.
Frieling unterstützte als Autor von Beginn an die »Readers Edition« der Netzeitung und bekleidete dort lang die Position als von den Lesern gewählter „Bester Autor“

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