Abo oder Gratis-„Tatort“? Hörbuch-Seiten im Test

ohr
Hörbücher haben sich inzwischen am Buchmarkt etabliert und werden immer beliebter. Gerade wer unterwegs hören möchte, für den sind Hörspiel–CDs nicht nur teuer, sondern auch unpraktisch. Darum gibt es immer mehr Plattformen, die digitale Downloads anbieten. Aber welche Seite ist verlässlich, wo kostet es wie viel – und wo gibt es sogar gute und legale Hörbücher gratis? Eine Übersicht.

audible.de
Das attraktivste Angebot hat sicherlich die deutsche Plattform von Audible: Hier gibt es die erfolgreichsten Bestseller in ihrer Hörbuchfassung: Von den Stig–Larsson–Romanen oder dem neuen Dan Brown bis hin zu Sachbüchern und fremdsprachigen Titeln.
9,95 Euro kostet das FlexiAbo bei Audible, dafür kann man ein Hörbuch im Monat herunterladen – und das Abo monatlich kündigen. Regulär sind die Preise für die Downloads ziemlich hoch: Bis zu 55 Euro werden pro Titel fällig. Das ist ziemlich teuer, wenn man bedenkt, dass man für Hörbuch–CDs aus dem Geschäft einen genau so hohen Preis bezahlt. Nutzer kritisieren außerdem, dass die Qualität der exklusiven Audible–Hörbücher zu wünschen übrig lässt: Versprecher der Vorleser scheinen nicht herausgeschnitten zu sein. Schöner Service ist hingegen, dass mit einem Klick die beliebtesten und neuesten Hörbücher präsentiert werden.


libri.de

Wer keine Lust auf ein Abo hat, kann sich auf der libri.de–Plattform umsehen – denn dort gibt es neben neuen und gebrauchten Büchern eben auch Hörbücher. Reduzierte Aufnahmen gibt es schon ab knapp 6 Euro – ganz ohne Abo ein durchaus faires Angebot. Und auch mit der Usability der Seite zeigen sich die Nutzer durchaus zufrieden. Allerdings ist die Seite deutlich weniger attraktiv gestaltet als claudio.de oder audible.de.

claudio.de
Gut sortiert präsentiert auch die Plattform claudio.de ihre Titel. Wie bei audible.de kostet ein Abo für ein Hörbuch im Monat 9,95 €, fünf Exemplare gibt es im Monat für 39,95 €. Schöner Service dabei: Hat man sein Kontingent in einem Monat nicht ausgeschöpft, wird es im Folgemonat gutgeschrieben.
Verwirrend ist allerdings die Navigation: Sucht man nach einem bestimmten Genre, etwa „Kabarett & Comedy“, bekommt man zwar Hörbücher angeboten – doch nicht nur Download–Angebote, sondern auch die Preise für CD–Kopien des Hörbuches. Etwas skurril ist auch, dass Claudio sogar die antiquierten Hörspielkassetten auf der Plattform verkauft – etwa die Klassiker der „Drei Fragezeichen“.

Vorleser.net
550 Hörspiele bietet die Seite zum legalen Download an – von Klassikern wie Mary Shellys „Frankenstein“ über Kafka und Gogol bis hin zu Karl May. Auch einige aktueller Titel sind darunter. Die Tracks können entweder als ZIP–Datei heruntergeladen oder als Livestream gehört werden.
Angenehm fällt die Qualität der Hörbücher auf: Gelesen wird von ausgebildeten Sprechern – inszenierte Hörspiele sucht man aber vergeblich. Kostenlos werden vor allem ältere Werke angeboten, deren urheberrechtlicher Schutz 70 Jahre nach dem Tod des Autoren bereits abgelaufen sind. Im angegliederten Shop können weitere Titel für fünf bis zehn Euro gekauft werden.

Öffentlich–rechtliche Hörspiele
Auch eine Reihe von öffentlich–rechtlichen Rundfunkanstalten bietet zumindest kurzfristig Hörbücher zum Download an. Das ist immer eine tolle Möglichkeit, denn die Qualität dieser Hörspiele ist sehr gut – ebenso wie die Qualität der Features. Regelmäßige Downloads von Hörspielen gibt es beim WDR, Features gibt es auf der Seite des Deutschlandradios. Aktuell bietet die ARD anlässlich ihrer Hörspieltage kostenlose Download–Hörspiele an. Auch den Radio–Tatort gibt es dort regelmäßig zum Download.

Meike Laaff

(www.laaff.net) lebt und arbeitet als Journalistin in Berlin. Sie ist stellvertretende Ressortleiterin bei taz.de, schreibt für überregionale Zeitungen, Onlinemagazine und produziert Radiobeiträge. Sie betreut zudem das taz-Datenschutzblog CTRL.


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