Yamelo: Video-Jukebox mit eingebauter Zeitreisefunktion

Der Song „Wind of Change“ von den Scorpions ist unzertrennlich mit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands verbunden. „We are the Champions“ von Queen ist weltweit aus Sportarenen nicht mehr wegzudenken. Musik ist voller Emotionen. Das Leben ist voller Emotionen. Erinnerungen an die Vergangenheit sind voller Emotionen, egal ob für einen selbst oder das Kollektiv.

Mit einer fast lächerlich simplen Idee hilft Yamelo diese Emotionswelten zusammenzubringen, denn Yamelo macht die Chartshits der letzten 40 Jahre über eine Zeitleiste zugänglich. Yamelo „brings back medolies“, heißt es dem entsprechend auch in der Tagline des Dienstes.

Wie funktioniert Yamelo?

Um es vorab zu sagen: Eine Anmeldung bei Yamelo bringt derzeit nicht mehr als die zusätzliche Möglichkeit eine eigene Playlist anzulegen. Insofern kann man sich die Registrierung zunächst sparen und sich statt dessen direkt auf die eigentliche Stärke von Yamelo stürzen: Über den Zeitstrahl, die Künstler-Tag-Cloud oder die Suchfunktion auf musikalische Zeit- und Entdeckungsreise gehen. Yamelo listet für jeden Monat der letzten Jahrzehnte einige Dutzend Videoclips auf, die sich der Dienst aus YouTube rausfischt.

 

Im aktuellen Entwicklungsstadium ist Yamelo damit in erster Linie eine ansprechend gestaltete Musikvideo-Jukebox auf YouTube-Basis, die mit erweiterten Such- und Navigationsoptionen ausgestattet ist. Es ist aber gerade diese simple technische Idee, die tatsächlich emotionale und musikalische Erinnerungen zurückbringt. Als kleinen Test empfehle ich jedem einfach mal in das Jahr und den Monat des eigenen 18. Geburtstags zurückzuspringen. Längst vergessene Schnulzen und Jugendhymnen werden einem dann serviert. Der Rest ist dann Kino im Kopf mit musikalisch untermalten Episoden des eigenen Lebens.

An wen richtet sich Yamelo?

Das musikalische Gedächtnis von Yamelo geht derzeit zurück bis in die 1960er Jahre. Wer also die Musik der 50er und davor liebt, geht zumindest derzeit noch leer aus. Im Vordergrund der Musikauswahl stehen die Charthits der jeweiligen Jahre, so dass Nischengeschmäcker nicht sehr umfangreich bedient werden. Durch diese eher mainstreamige Ausrichtung spricht Yamelo die breite Masse an. Einzige Voraussetzung dürfte wohl eine DSL-Flatrate sein, da auf Yamelo ja fleißig Videos gestreamt werden.

Blogpiloten-Urteil

An Yamelo gefällt der Ansatz, dass die Musikvideos über einen Zeitstrahl zugänglich gemacht werden. Statt auf Special Interest wird auf Chartstürmer gesetzt, was neben individuellen dann eben auch kollektive Erinnerungen weckt. Dennoch würden Yamelo ein paar zusätzliche webzweinullige Community-Features gut tun, zum Beispiel das Sharen und Taggen von Playlisten. Eine Sache könnte Yamelo künftig zum Verhängnis werden: Die gelisteten YouTube-Videos sind in weiten Teilen von Privatpersonen eingestellte Mitschnitte. Dass die Musikindustrie das weiterhin gar nicht gerne sieht ist ja hinlänglich bekannt. Werden die Videos aus YouTube gekickt, würde damit auch Yamelo die Datenbasis genommen. Bis es soweit ist: Ab zu Yamelo und in musikalischen Lebenserinnerungen schwelgen.

Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

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