WordPress (Bild: Heisenberg Media [CC BY 2.0], via Flickr)

WordPress: Spezialist oder Wollmilchsau?

Blogging-Plattform oder Content-Management-System? Mit dem Erfolg steigen die Anforderungen an WordPress – aber auch die Verdienstmöglichkeiten. // von Katharina Brunner

WordPress (Bild: Heisenberg Media [CC BY 2.0], via Flickr)

In keinem Text über WordPress darf die Zahl fehlen: Über ein Fünftel des Web soll auf der Software laufen. Je weiter sich WordPress verbreitet, desto heterogener werden die Nutzer – und damit steigen die Forderungen an das Entwicklerteam, die sich zwischen zwei großen Polen bewegen: Eine reine Blogging-Plattform auf der einen Seite und ein umfangreiches Content-Management-System auf der anderen. Wohin soll die Reise also gehen?


Warum ist das wichtig? Mit dem Erfolg von WordPress steigen die Anforderungen an die Entwickler und die Software geht einer ungewissen Zukunht entgegen.

  • Blogger wollen eine einfachere und intuitivere Bedienbarkeit vor allem im Admin-Bereich von WordPress.
  • Mit dem Prinzip der Backwards Compatibility ist ein kompletter Relaunch von WordPress nicht möglich.
  • Mit WordPress-Dienstleistungen verdienen viele Webentwickler und Designer ihren Lebensunterhalt

Die Verfechter einer Blogging-Plattform kritisieren offensichtliche Schwachstellen im Adminbereich. Gerade für viele Anfänger kann der überladene Backend-Bereich abschreckend wirken. Nicht vergleichbar ist der WordPress-Admin-Bereich mit der Eleganz von Medium, der initutiven Bedienbarkeit von Tumblr oder der schnellen Formatierung durch Markdown wie bei Ghost. Kurz: WordPress verschenkt Platz bei der Usability, dadurch steigt die Konkurrenz.

Kein Wunder, dass WordPress mit der Version 3.8 das Backend zumindest optisch verjüngt hat: „Flat Design“, das momentan herrschende Designparadigma, hat damit auch in WordPress-Einzug gehalten. Die Funktionalitäten bleiben allerdings weiterhin gleich. Der WordPress-Blog wpmudev schreibt in einem Rundumschlag mit dem Titel „Boring, Boring WordPress: Why WP is Falling Behind„: „WordPress hat weiterhin ein Interface, das wie eine Datenbank-Applikation im Jahr 2005 aussieht, nur eben mit ein paar quasi-moderne Farben.


Aktuelles Tutorial für WordPress:


Evolution statt Revolution

Doch eines steht fest: Auch mit der im August kommenden Version 4 wird der erhoffte Relaunch des Backends nicht kommen. Evolution statt Revolution ist das Motto, das gerade WordPress-Mitbegründer Matt Mullenweg immer wieder predigt. Backwards Compatibility heißt, dass alle Veränderungen auch mit älteren WordPress-Installationen funktionieren müssen. Diese Bedingung beschränkt natürlich die Weiterentwicklung der Software, denn die Entwickler können nicht mit einer leeren Datei starten, sondern müssen stets den alten Code im Auge behalten. Mullenweg ist sich klar, dass mit dem Anspruch auch ältere Versionen zu bedienen, einige Nachteile hat. In einem „Ask Me Anything“ bei Reddit zählt er eine ganze Reihe von Dingen auf, die er sonst anders machen würde. Unter anderem: das Menü im Admin-Bereich überarbeiten.

Wirtschaftliche Bedeutung trotz Open Source

WordPress hat noch immer den Ruf eines Amateur-CMS. Die Gründe dafür sind mannigfaltig: Der Start als Blogging-Tool, die Programmiersprache PHP und vielleicht sogar, dass Laien selbstständig relativ viel anspassen können. Das wirkt sich besonders auf zwei Bereiche aus: Große Firmen und Organisationen scheuen davor zurück, WordPress zu benutzen und es scheint Probleme zu geben, gerade JavaScript-Programmierer für WordPress zu gewinnen.

Trotz dieser Reputation als Software für Laien, steigt die wirtschaftliche Bedeutung. Ein Indikator: Laut einer Infografik erwähnen über 335.000 Menschen in den USA bei ihren LinkedIn-Profilen WordPress. Die Monetarisierung kann bei dem unter freier Lizenz erschienen Software nicht direkt geschehen, sondern über den Umweg über Dienstleistungen – gerade bei Anwender, bei denen WordPress als Content-Management-System dient.

Denn viele Nutzer sind bereit, für komplexere Designs oder individuelle Problemlösungen durch Plugins Geld auszugeben. WordPress ist ein Paradebeispiel dafür, wie Wertschöpfung auf eine frei lizenzierte Software basieren kann. Besonders in drei Bereichen kann Geld verdient werden: Themes, Plugind und Hosting. In allen drei Bereichen gibt es von großen Marktplätzen bis hin zu kleinen Designstudios und Webagenturen Lösungen für Kunden. Ein weiteres Indiz: Im Januar 2015 findet zum dritten Mal die Pressnomics-Konferenz statt, die sich nur mit den wirtschaftlichen Aspekten von WordPress beschäftigt.

Es scheint, also soll eine WordPress-Installation alle Wege offen lassen, egal ob die Webseite am Ende ein Blog, eine große Webseite oder – wie Mullenweg immer wieder fordert – eine Web-Applikation sein soll. Bei diesem Wollmilchsau-Ansatz besteht immer die Gefahr, dass WordPress alles kann, aber nichts richtig. Andererseits ist vielleicht genau das der richtige Weg: Eine breite Basis mit viel Platz für Webentwickler und Designer, die individuelle Anpassungen anbieten können – entweder ebenfalls als Open-Source-Plugin oder als Premium-Dienst.


Teaser & Image by Heisenberg Media (CC BY 2.0)


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Katharina Brunner

Katharina Brunner

studiert Volkswirtschaftslehre in Regensburg und will Journalistin werden. Sie beschäftigt sich digitalem Journalismus, insbesondere der technischen Umsetzung. Ihr Blog heißt Schafott. Auf Twitter ist sie mit @cutterkom unter einem weniger martialischen Namen unterwegs. | Kontakt

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