Wordle: Der Schöne-Wortwolken-Macher

Woher weiß man, worum es in einem bestimmten Text geht? Die meisten Menschen können diese Frage schnell beantworten – nachdem sie den Text gelesen haben. Im Vorfeld allerdings wird es denkbar schwierig, das Thema abzuschätzen. Wie lässt sich der Inhalt übersichtlich visualisieren oder gar für einen Computer verständlich darstellen?

In der Sprachwissenschaft gibt es spezielle Methoden, den Inhalt eines Textes zu bestimmen. In Studien werden Worthäufigkeiten nach verschiedenen Rechenmethoden (Algorithmen) ermittelt und übersichtlich dargestellt. An Hand solcher Auflistungen lässt sich dann absehen, dass ein Text beispielsweise viele Wörter aus dem geologischen Bereich enthält – und daher wohl wirklich über ein geologisches Thema spricht. Solche Erkenntnisse lassen sich dann sogar automatisch vom Computer ermitteln. Einen ähnlichen Weg gehen die Tag Clouds, wie sie in Blogs vorkommen: die verwendeten Schlagworte werden in einer Wolke dargestellt, häufige Begriffe erscheinen dabei größer als seltene. So erhält ein Nutzer einen schnellen Überblick darüber, womit sich der besagte Blog beschäftigt.

Wordle versucht nun, beide Verfahren zu kombinieren: der Dienst erstellt automatisch Übersichten über den Inhalt eines Texts in Form einer Wolke. Doch was bringen solche Word Clouds?

Wie funktioniert Wordle?

Eine Word Cloud zu produzieren, ist denkbar einfach und funktioniert ohne Anmeldung oder ähnliches. Nach einem Klick auf „Create“ kann man entweder einen Text eingeben oder ein bestehendes del.icio.us-Profil verwenden. Noch einmal bestätigen und fertig.

Die Word Cloud kann man dann allerdings noch nach eigenem Belieben gestalten. Es gibt unterschiedliche Schriften und Farbschemen zur Auswahl. Außerdem lässt sich die Anordnung der Begriffe in mehreren Schritten einstellen: horizontal, vertikal oder wild durcheinander, wie es der Screenshot oben zeigt. Anschließend lassen sich die Word Clouds drucken, in einer Galerie ablegen oder per Screenshot nach Belieben im eigenen Blog verwenden.

An wen richtet sich Wordle?

Wordle lässt sich als schöne Visualisierung verwenden und punktet dabei durch das ansehnliche Design der Word Clouds. Außerdem kann es einem Aufschluss über das Thema eines Artikels oder die inhaltiche Ausrichtung eines del.icio.us-Benutzers geben, indem es auf einen Blick ersichtlich wichtige Schlagworte hervorhebt. Zugriff auf den zu Grunde liegenden Algorithmus gibt es allerdings nicht. Es scheint allerdings so, als ob er nach Worthäufigkeit vorgeht – die häufigsten Wörter eines Textes oder Tags eines del.icio.us-Nutzers erscheinen am größten, Wörter wie „und“ und „zu“ werden ausgeblendet.

Blogpiloten-Urteil

Der praktische Nutzwerk von Wordle scheint eingeschränkt: der Algorithmus gehört IBM und wird daher nicht näher beschrieben. Es lässt sich allenfalls darüber spekulieren, wie er etwa mit flektierten Formen desselben Wortes umgeht. Zudem gibt es keine Möglichkeit, die Daten in Textform zur Weiterverarbeitung zu verwenden. Für einen ernsthaften Einsatz oder gar die eingangs erwähnten Sprachstudien eignet sich das Tool daher nicht.

Dafür punktet Wordle mit dem geschmackvollen Design der Word Clouds und der Möglichkeit, eigene Texte oder gar del.icio.us-Profile einzubinden. So lässt sich auf einen Blick abschätzen, ob ein Beitrag interessant ist oder es sich lohnt, die Links eines bestimmten del.icio.us-Nutzers zu durchstöbern.

Schlagwörter: , , ,
Björn Rohles

Björn Rohles

ist Medienwissenschaftler und beobachtet als Autor („Grundkurs Gutes Webdesign“) und Berater den digitalen Wandel. Seine Themenschwerpunkte sind User Experience, anwenderfreundliches Design und digitale Strategien. Er schreibt regelmäßig für Fachmedien wie das t3n Magazin, die Netzpiloten oder Screenguide.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - Google Plus