Wo packte dich in den 90ern der Digital-Hype, Krystian Woznicki?

Die Netzpiloten feiern 15 Jahre Expeditionen in den Cyberspace und fragen prominente Wegbegleiter nach ihrem denkwürdigsten Erlebnis der digitalen Revolution. – Heute den Gründer und Herausgeber der Online-Zeitung Berliner Gazette, Krystian Woznicki. (Foto: Yasuhiro Yamaguchi )

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Erinnern Sie sich noch an den Moment, indem Sie Ihren ersten PC kauften, Ihre erste Email-Adresse einrichteten und den ersten Absturz Ihres Betriebssystems hinnehmen mussten? Oder wann Sie das erste Mal von Technikeuphorie sowie Internet-Hype eingenommen wurden und das erste Mal – wie auch immer medial vermittelt – über Spektakel und Alltag des Vernetzt-seins nachgedacht haben?

Ich selbst erlebte all dies im Tokio der 1990er, wo Technikkonzerne avantgardistische Museen und intellektuelle Zeitschriften gründeten, wo ganze Stadtteile für den Verkauf neuster Elektronikware abbestellt waren und wo Science Fiction-Filme über den komplett verkabelten Menschen kaum Strahlkraft entfalten konnten, weil der digitalisierte Alltag futuristisch genug war. Wo ich mit Netzaktivisten und Medienkünstlern zusammenzuarbeiten begann und wo ich am eigenen Leib erfuhr, was es bedeutet, emailsüchtig zu werden, aber auch, wie schön es ist, Menschen vom anderen Ende der Welt im Netz kennenzulernen.

Krystian_Woznicki_post3Daraufhin, in Deutschland feierte man gerade den Regierungswechsel zu Rot-Grün sowie neun Jahre Wiedervereinigung, zog ich nach Berlin und begann damit, gemeinsam mit Freunden die Berliner Gazette aufzubauen. Einmal pro Woche schrieb ich eine Kolumne, die ich, um drei kommentierte Veranstaltungshinweise und einem Postskriptum zu Themen aus der Netzwelt ergänzt, per Email an Abonnenten verschickte. Die persönliche Email blieb drei Jahre lang das primäre Werkzeug, bis die Berliner Gazette im Jahre 2002 einen Relaunch der Webseite vornahm. Seitdem hat sich wahnsinnig viel getan. Und es geht immer weiter. 

In diesem Geist veranstalten wir am 7., 8. und 9. November unsere 13 Jahreskonferenz, die den programmatischen Titel COMPLICITY trägt und der Frage nachgeht: Wie können Hacker und Journalisten, Piraten und Kapitalisten, Amateure und Profis zusammenarbeiten?

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