Wo liegt die Schmerzgrenze des öffentlich-rechtlichen Rundfunks?

„Qualität über Gebühr – unter Niveau? Der öffentlich-rechtliche Rundfunk“ war Thema des 52. Akademie-Gesprächs. Eine Debatte ohne Debatte. // von Jenny Genzmer

Sendung im MDR (Bild: Tilo Mittelstrass [CC BY-SA 3.0], via Flickr)

Das 52. Akademie-Gespräch der Akademie der Künste lief unter dem Motto „Qualität über Gebühr – unter Niveau? Der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Ganz gerecht wurde Gastgeber Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, den Erwartungen des Publikums auf ein kritisches Gespräch hingegen nicht.

Neben Moderator Volker Burmeister lud Klaus Staeck noch Uwe Kammann, den in Kürze scheidenden Direktor des Grimme-Instituts als einen Vertreter auf das Podium, der Kraft seines Amtes dafür bekannt ist, über die Inhalte des öffentlich-rechtlichen zu Urteilen. Mit Bettina Reitz, Fernsehdirektorin des Bayrischen Rundfunks und Arte-Spielfilmchef Andreas Schreitmüller wurden die öffentlich rechtlichen Medienanstalten mit einflussreichen Persönlichkeiten repräsentiert. Fiel der ZDF-Redakteurin des kleinen Fernsehspiels Milena Bonse die Rolle der jungen Innovativen, die den Sender mit jungen Formaten und crossmedialen Projekten mit dem Internet vertraut macht, so schien die Vielseitigkeit des Podiums mit Jacqueline Kraege, Chefin der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz und damit Vertreterin der Politik, den Veranstaltern offenbar gesichert.

Seichte Diskussion über Qualität und Niveau

Nachdem Burmeister das Gesprächsthema noch auf das Medium Fernsehen einschränkte hatte, begann eine lange Gesprächsrunde der Einvernehmlichkeit. Wer sich gerade angesichts der Podiumsteilnehmer noch einmal an Dominik Graf und Martin Farkas, Fernseh-Hommage „Es werde Stadt“ erinnert haben mag, wird sich während der Redebeiträge der Podiumsteilnehmer einige Male verwundert die Augen gerieben haben. Vielleicht noch nicht, als Kammann ehrlich gestand, er habe sich über das filmische Geschenk zum 50. Grimme-Preis nicht nur gefreut, weil es doch ein recht einseitiges Bild des heutigen Fernsehens wiedergegeben habe. Schließlich sei die Kritik am Fernsehen so alt, wie das Fernsehen selbst. So dann aber doch, als die Podiumsdiskussion, über Qualität und Niveau des Öffentlich-Rechtlichen in der kollektiven Verteidigung seichter Sendeformate mündete.

Man versuche den Ansprüchen von Doppel- und Dreifachbespielungen zu entsprechen, sagt Bettina Reitz und verweist auf Großprojekte wie Cyril Tuschis „Der Fall Chodorkowski“ und wie hier von den Mitarbeitern bereits während der Dreharbeiten von der Produktion berichtet worden sei. Auch Milena Bonse kann auf Experimente, wie „Wer rettet Dina Foxx?“ verweisen. Der TV-Krimi brach vor dem Ende ab und verriet nur den Internetbesuchern, wie es weitergeht. Ganz ideal sei dieser Lösung aber natürlich auch nicht gewesen.

Gefangen in den Grenzen der eigenen Legitimationsdebatte?

Bettina Reitz spricht an diesem Abend häufiger von der Übergangsphase, in der sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen zurzeit befände. Für jüngere Zuschauer habe man tatsächlich momentan nicht das beste Angebot und es sei richtig, dass man bei den Inhalten nachjustieren müsse. Und doch überzeugte die Haltung angesichts eines langen Gesprächs über Produktionen mit Quoten, Finanzierungs- und Entscheidungsprobleme einer föderalen Medienanstalt nicht.

Es ist nur nachvollziehbar, dass sich eine Institution im Spannungsfeld zwischen Erhalt und Innovation gegen eine Menge Kritik zur Wehr setzen muss und auf Sachzwänge und Erfolge verweist. Das dient aber nur dem Eigenerhalt in der Legitimationsdebatte. In der Innovationsfrage führt es nicht weiter und so hätte man sich auf dem Podium eine Diskussion über Gestaltungsmöglichkeiten und Zukunftsmodelle gewünscht. Diskussionsteilnehmer etwa, die Fragen über neue Formate, Nutzungsrechte oder Rundfunkgebühren kritisch in die Debatte einbringen. So sprach die Burmeisters Antwort auf die Publikums-Kritik an der homogenen Gesprächsrunde Bände: Er wisse nicht, ob bei Diskussionen immer etwas herauskommen müsse.


Teaser & Image by Tilo Mittelstrass (CC BY-SA 3.0)


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Jenny Genzmer

Jenny Genzmer

hat in Heidelberg Geschichte und Übersetzungswissenschaft studiert. Sie sammelte bei der Studierendenzeitung ruprecht ihre ersten journalistischen Erfahrungen und probierte sich dann durch Tageszeitungen, Fernsehen und Radio in Peru, Mexiko und Frankreich. Zurzeit absolviert sie ihren Master in Zeitgeschichte an der Universität Potsdam und arbeitet nach einem Praktikum bei der Deutschen Welle und Deutschlandradio Kultur als freie Redakteurin. Sie bloggt unter neuspreeland.wordpress.com und ist neuspreeland auf Twitter.

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