Wird Facebook die nächste große Podcast-Plattform?

WNYC versucht es mit Audiogrammen, andere Firmen werden folgen – denn ein Podcast funktioniert auch im neuen Videoplayer von Facebook.

Würden Sie sich auf Facebook einloggen und einen Podcast anhören? Auf die eine oder andere Art kann das durchaus sinnvoll sein: Menschen verbringen jede Menge Zeit auf Facebook, warum also nicht mal ein wenig Audio anhören wenn man schon online ist? WNYC versucht sich derzeit an folgendem Konzept: Vor Kurzem veröffentlichte der Radiosender eine neue vollständige Episode von “Here’s the Thing” auf seiner Facebook-Seite. In dieser 48-minütigen Episode führt Moderator Alec Baldwin Interviews mit Jimmy Fallon.

Da Facebook keine direkten Audio-Uploads erlaubt, wurde der Podcast als Videodatei hochgeladen. Die Tonspur spielt während eines statischen Bildes. Das bezeichnet WNYC als Audiogramm. Dieses Audiogramm wurde bereits wenige Stunden nach dem Upload mehr als 12.000 Mal gespielt. Ob die Nutzer allerdings die vollen 48 Minuten angehört haben, bleibt unklar.

Wir und andere Audioproduktionsfirmen waren bislang auf unsere eigenen Audioplayer, Player von Drittparteien oder Apps beschränkt, so Delaney Simmons, Leiter der Abteilung Social Media von WNCY. Dieses Experiment ist anders… man muss Facebook nicht mehr verlassen, um Audioprodukte zu konsumieren und die Inhalte werden direkt in ein Feature im Facebook-Universum hochgeladen.

WNYC experimentiert zurzeit auch mit dem Teilen von kürzeren Audiogrammen auf Twitter, was letztes Jahr das erste Mal versucht wurde. Dabei handelt es sich um Tweets von @WNYC bei Sondermeldungen und geteilten Ausschnitten der New Yorker Radio Hour auf deren Twitter-Account.

.@LenaDunham tries to make plans with Allison Williams in “Let’s Get Drinks”—it shouldn’t be hard, should it? pic.twitter.com/CJa1Ki4Fej

— The New Yorker Radio (@NewYorkerRadio) December 8, 2015

Limetown versuchte sich an einem ähnlichen Konzept für ihre frühen Episoden und lud ebenfalls Audio-basierte Teaser in Form von Videodateien mit statischen Bildern hoch. Obwohl jede davon mehrere Tausend Klicks erzielte, verlinkt Limetown neuerdings für neue Episoden einfach zur SoundCloud und iTunes.

Im Gespräch erzählt mir Limetown-Gründer Skip Bronkie:

In Anbetracht der Größe unserer Facebook-Seite waren die Ergebnisse überzeugend (gute Verteilung an Nutzer, die keine Fans der Seite waren und Anzahl der Aufrufe), aber die Retentionen waren niedrig, was, wie ich gehört habe, auf Facebook aber recht häufig ist in Anbetracht des Auto-Play und dem Charakter von News-Feeds. Deswegen haben wir auf Facebook nie eine Episode in voller Länge veröffentlicht.

WNYC plant jedoch ihr Facebook-Audiogram-Experiment weiterzuführen und verschiedene Längen und Designs auszutesten.

“Wir übernehmen viele Signale von der Fernsehindustrie”, so Simmons. Wie können wir unsere Episoden fortschreitend bewerben? Können wir Hörproben in Audiodateien, Bonusclips und Episoden exklusiv für Facebook hochladen?”

Hintergrundaufnahmen – ein Zuhörer streamt einen Podcast, während er anderen Aktivitäten nachgeht – seien ebenfalls ein Interessenbereich. WNYC ist bereits in der Entwicklung von Möglichkeiten für Hintergrundaufnahmen auf seiner eigenen Plattform und Simmons bemerkte, dass auch der neue Videoplayer von Facebook seinen Nutzern erlaubt, ein Video im rechten unteren Eck des Bildschirms anzusehen, während man weiterhin durch Facebook stöbert.

“Wenn ein eigener [Facebook]-Audioplayer erst einmal Realität wird, dann hoffen wir, dass er sich ähnlich verhält”, sagt Simmons.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image Facebook Timeline (adapted) by Simon (CC0 Public Domain)


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Laura Hazard Owen

Laura Hazard Owen

ist stellvertretende Chefredakteurin des Niemanlab an der Harvard University. Vorher arbeitete sie als Redaktionsleiterin bei GigaOm.

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