WIRED nutzt Creative Commons für SEO

(CC-BY-NC Wired) Photo: Jim Merithew/Wired.com

Letzten Freitag hat das Wired Magazin sich zu Creative Commons bekannt und ab sofort darf jeder Produzent von Webinhalten über einige Bilder des Tech-Blogs frei verfügen. Insgesamt wurden 50 Bilder verschiedener Personen und Themengebiete freigegeben. Von Steve Jobs bis zum Namensvetter Steve Wozniak, von Impressionen des USS Hornet Crisis Information Center bis zur Comic Con 2011 und sogar Grafiken von Nicht-Geek-Themen wie mit Lego spielende Kinder oder ein Bild von einem 1993er Ford E-Rod sind für den Nutzer ab sofort frei erhältlich.

Wired begibt sich damit auf Niveau des aktuellen Zeitgeistes und macht das System der Creative Commons ein Stück weit salonfähiger. Bisher waren mit CC-Lizenzen ausgestattete Inhalte eher Produkte einzelner Fotografen, Filmemacher oder Schreiberlinge, die sich mit netzpolitischem Hintergrund zumeist gegen das vorherrschende Urheberrecht aussprechen wollten und für einen freieren Umgang mit Informationen im Web plädierten. So auch Wired? Nicht ganz. Der Grund steckt vielmehr in einer Not aus der Wired eine Tugend macht…

Was ist Creative Commons?

Creative Commons ist vielen ja bekannt. Für die Nichtwissenden fasse ich das System der freien Inhalte gerne noch einmal kurz zusammen: Creative Commons (CC) ist eine Non-Profit-Organisation, die sich darauf versteht und es sich zur Aufgabe gemacht hat, vorgefertigte Lizensverträge für die freie Veröffentlichung und Verbreitung digitaler Inhalte anzubieten. Dabei hat CC sich auf sechs Lizensverträge verständigt, die es Urhebern gestattet, ihre Inhalte optionaler ins Web zustellen.

Vor Creative Commons gab es nur die Möglichkeit entweder auf alle Rechte zu verzichten oder aber gleich eine ganze Palette an Rechte, unter dem gesetzlichen Standardschutz, zu vereinnahmen. Dabei gab es im Wandel der digitalen Revolution des Internets und der steigenden Anzahl der Nutzer, die Inhalte produzierten, zu viele Nachteile.

Rechte an Bilder und Musik mussten meist erkauft werden, was für viele Kreative und Akteure einfach nicht möglich war. Somit haben sich einige Inhalte von Urhebern auf ein einsamen Daseins im Verborgenen beschränkt und wurden kaum bis gar nicht genutzt. Ein Verzicht auf alle Rechte wiederum, hätte der Vervielfältigung im Web zwar genützt, den Urheber aber quasi enteignet. Die Inhalte hätten so in Bezug auf kommerzielle Nutzung keinen Verdienst mehr gebracht, geschweige denn eine namentliche Nennung. Die Wahrheit lag also irgendwo dazwischen.

Die Not zur Tugend machen

Wired hat sich nun also diesen Lizenzverträgen geöffnet und dafür viel Anerkennung geerntet. Sieht man es ein wenig zynischer, dann erkennt man allerdings, dass dieser Akt der Nächstenliebe nicht ganz so selbstlos ist. Die kostenlosen Bilder müssen nämlich nicht nur namentlich zugeordnet, sondern auch verlinkt werden. Das ist doch normal denkt Ihr euch? Nein nicht wirklich. Dass man die Quelle in den Metas angibt ist zwar Gang und Gebe, aber dass man auch immer auf die ursprüngliche Quelle verlinkt, war bisher eher ein freiwilliger Akt der Anerkennung an den Urheber.

Wired geht einen Schritt weiter und schlägt mit der Bedingung, dass verlinkt werden muss, ein weiteres wichtiges Kapitel, neben der Verbreitung von Inhalten auf – nämlich der Suchmaschinenoptimierung. Durch die Backlinks die Wired somit einsammelt, sichert sich das Online-Magazin nachhaltig einen erhöhten Sichbarkeitsindex bei Google und Co. Eine starke Vernetzung der Artikel im Web zu verschiedenen anderen Plattformen ist ein Positiv-Argument für die Suchmaschinenbetreiber und somit wird in Folge dessen, die Relevanz der Inhalte auf die verlinkt wird, höher eingestuft.

Kritiker werfen Wired nun vor, das Konzept und den Gedanken der Creative Commons dadurch zu beugen und damit eine Businessstrategie anzuwenden, die nicht dem Geiste der Organisation entspricht.

Der siebte Lizensvertrag?

Aus SEO-Sicht und unter gleichzeitiger Betrachtung der weiteren kostenlosen Verbreitung von Inhalten, sehe ich hier im Grunde allerdings den neuen Aspekt, der sich für den Urheber auftut, mit ein wenig mehr Optimismus als die Kritiker. Wer sich mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigt, der weiß wie schwerfällig dieses Thema doch sein kann und wie viele Änderungen gerade Google in immer wiederkehrenden Phasen umsetzt. Viele Seitenbetreiber haben es schwer sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen und fühlen sich bei jedem Google Update erneut vor den Kopf gestoßen. Umso erfreulicher ist es für viele Webmaster, dass bisher auf das Backlink-Kriterium immer vertraut werden konnte.

Der Urheber kann hier also nicht nur seine Inhalte im Sinne der CC weiter verbreiten, sondern könnte auch seine Bekanntheit im Netz und die Sichtbarkeit seiner eigenen Webseite stärker im Internet ausbauen. Eine Folge die sicherlich für Künstler aller Art gewisse Vorzüge bereit hält. Ist nicht auch die Förderung der Künstler im Sinne der CC? Womöglich könnte man die bisher sechs Lizenzverträge um einen siebten Vertrag erweitern, der sich an dem Vorbild von Wired orientiert. Könnte klappen, muss aber nicht. Ihr dürft dieses Szenario jetzt gerne mal zu Ende denken und mir mitteilen wie Ihr zu dem Thema steht. Ich bin gespannt.

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Andreas Weck

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.

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