Windows 8: Lookaround – Desktop und Bedienung

Windows hat auf dem Mobile World Congress in Barcelona seine Beta-Version von Windows 8, auch „Consumer Preview“ genannt, vorgestellt. Microsoft geht damit einen großen Schritt nach vorne, denn das Unternehmen verabschiedet mit der Version altbewährtes und geht in direkte Konkurrenz zu Android und iOS. Mit guten Gründen. Anwendungen werden nämlich heutzutage kaum noch per Standrechner oder Laptop, sondern mehr und mehr durch Smartphones und Tablets ausgeführt. Wurde der Begriff „App“ vor einigen Jahren beispielsweise noch kaum im Sprachgebrauch genutzt, dominiert er gegenwärtig jede Diskussion. Ich habe mich mal oberflächlich mit dem Betriebsprogramm auseinander gesetzt und erzähle euch mal meine Eindrücke zur Bedienung und zum Desktop.

Desktop

Der Desktop ähnelt optisch doch sehr dem bisher bekannten zentralen Element von Windows vorherigen Betriebssystemen. Jedoch ist das nur augenscheinlich so, denn sobald man ihn gefunden hat, wird klar was sich verändert hat. Zu allererst ist der Desktop eigentlich gar nicht mehr das zentrale Element. Er nimmt nur noch die Rolle einer Metro-App ein und ist im App-Stream, genauer gesagt im sogenannten Start-Screen untergebracht. Befindet man sich also im Start-Screen kann man von hier aus alles bedienen. Den Desktop wie gesagt, einen RSS-Reader oder zum Beispiel auch den IE 10 (Beta). Der Start-Screen ersetzt in seiner Bedeutung tatsächlich den Desktop.

Windows 8: Start-Screen

Außerdem wurde einiges an Funktionen verbannt und vieles woanders wieder ausgegeben. Der Start-Button z.B. existiert in seiner alten Form nicht mehr. Die in ihm enthaltenen Funktionen dieses Kernstücks sind bei Windows 8 in den rechten Bildschirmrand gewandert und in Form einer „Charms Bar“ ab sofort aufrufbar. Wer also die Einstellungen und die Programme sucht, der muss jetzt umdenken. Jedoch ist es kein Problem. Schick modernisiert würde ich das nennen und ferner zeitgemäß. Gleiches gilt übrigens für den Taskmanager. Dieser strotzt nur so vor Übersichtlichkeit.

Bedienung

Microsoft hat sich also verabschiedet von dem Gedanken, dass PCs zukünftig mit Maus oder Tastatur bedient werden müssen. Das fällt direkt auf, sobald man Win 8 installiert hat. Große Live-Kacheln im Start-Screen geben einen Hinweis auf die Apps und Funktionen und lassen sich durch Berührungen öffnen und steuern. Sieht aus wie auf einem Smartphone und fühlt sich auch so an. Die sogenannten Metro-Apps sind in Sachen Navigation fast eins zu eins wie bei iOS und Android umgesetzt worden. Man kann durch eine Schwenk-Bewegung den Start-Screen umblättern und von dort aus problemlos Programme wie Office, IE 10 oder Photoshop öffnen. Die Bedienung mit der Maus ist aber in Anbetracht dessen, sehr gewöhnungsbedürftig.

Das Anklicken der großen Kacheln mithilfe des kleinen Mauszeigers erinnert beispielsweise an die Bedienung eines Kinderspielzeugs, das in überdimensionaler Form die Auge-Hand-Koordination der Kleinen unterstützen soll. Was für den sogenannten Wurstfinger sicherlich zum Vorteil ist, kommt bei dem filigranen Mauszeiger eher lächerlich rüber. Aber egal. Hier muss man sich vor Augen halten wo die Reise hingeht, nämlich klar in Richtung Zukunft durch Gestensteuerung. Von daher, bekommt die Bedienung meinen Segen. Irgendwo muss man ja anfangen.

Was mir sofort zusagt ist Microsofts Bekenntnis zum Teilen von Inhalten. Aus dem Start-Screen sowie aus den Apps kann man alle Inhalte in sein Netzwerk teilen. Von Facebook über Twitter bis hin zum einfach Mail-Client. Alles ist nur noch einen Klick entfernt. Vorbei die Zeit in der man noch die mittlere Hürde „Kopieren/Einfügen“ vorgenommen hat. Alles wirkt neu ausgerichtet. Selbst solche Details wurden beachtet.
Übrigens wird vom Nutzer auf der anderen Seite aber auch einiges mehr an Wissen eingefordert werden. So wurde Windows 8 mit einigen mehr Shortcuts ausgestattet. Klar. Mehr Anwendungen (Wischen, Schieben, Wiederholen) bedeuten mehr Tasten-Kürzel. In der Praxis bedeutet das folgendes: Anstatt bisherige 36 Shortcuts gibt es jetzt 59 davon. Ob man diese alle braucht entscheidet aber jeder für sich selbst.

Auch nett, aber nicht ganz unkritisch zu bewerten ist der Umgang mit der Anmeldung in Windows. Denn Microsoft hat sich entschieden seine Nutzer in einen Microsoft-Account zu ziehen, der allerdings nicht nur die Anmeldung in Windows gewährleisten soll, sondern auch parallel die Schaltzentrale für weitere Dienste darstellt. So werden hier u.a. auch System-Einstellungen oder die Zugangsdaten anderer Accounts (Xbox, Email, Social) zentral abgespeichert. Man kann in der Cloud Fotos, Kontakte und Dokumente verwalten, die dann ebenfalls mithilfe dieses Accounts abrufbar sind. Das ist natürlich vorteilhaft, wenn man persönliche Daten immer verfügbar haben möchte, aber aus Datenschutzsicht ist das ähnlich wie bei Google derzeit riskant.

Fazit

Ohne jetzt zu sehr auf Details einzugehen (das überlasse ich mal den Tech-Geeks), wirkt Win 8 auf mich persönlich atemberaubend gut gemacht. Zwar hat man hier und da das Gefühl man springt vom Gegenwärtigen in die Zukunft und wieder zurück (Desktop und Start-Screen), aber das liegt sicher auch noch daran das Win 8 irgendwo zwischen Touch- und Desktop-Version schwingt. Ich bin überzeugt, dass Win 8 der erste Schritt zu einer konkreten Richtungsänderung ist, der aber erst dann final vollzogen wird, wenn sich ein gewisser wohlwollender Konsens bei den Nutzern ergeben hat. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wird Win 8 in vielerlei Hinsicht eher abstoßend finden. Andere die vielleicht eh mehr via Smartphone und Tablet arbeiten, werden Win 8 ganz gut finden. Es sei denn der Usability-Vergleich zu iOS und Android hebelt Win 8 aus.

Ich finde das Betriebssystem bis hier hin sehr interessant. Und freue mich noch ein wenig weiter zu testen, um euch demnächst mal einen konkreten Eindruck zu den Apps und zu eventuell aufgetretenen Fehlern zu liefern.

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Andreas Weck

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.

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