Willst du mein Freund sein? Soziale Netzwerke im US-Wahlkampf

Beim Online-Wahlkampf sind die amerikanischen Parteien meist kreativer als ihre Kollegen in Deutschland. Nicht zufällig sind Blogs im Präsidentschaftswahlkampf 2002 zum Massenphänomen geworden. Auch im laufenden Wahlkampf sind Republikaner und Demokraten sehr umtriebig im Netz, haben doch die Parteistrategen die Macht sozialer Netzwerke erkannt.

Ein großes Problem war dabei stets, wie man den Erfolg solcher Kampagnen messen kann. (Ob Rudy Giuliani sich mit seinen 9216 MySpace-Freunden zufrieden geben wird?) Eine Möglichkeit zum Auswerten von Onlinekampagnen hat gerade Compete.com vorgestellt. Der Statistikdienst schlägt vor, „Facetime“ zu messen, also die Zeit, die die potenziellen Wähler im Netz mit dem Kandidaten verbringen.

Absoluter Spitzenreiter ist demnach Republikaner Ron Paul: Insgesamt fast 168.000 Stunden sollen seine Unterstützer auf seinen MySpace-, Facebook-, und Flickrseiten verbracht haben. (Barack Obama, Top-Internetkandidat der Demokraten, kommt auf etwa die Hälfte.)

Diese Messung scheint noch nicht völlig ausgereift, aber es wird deutlich, dass Social Networks im Wahlkampf ernst genommen werden sollten. Wir dürften gespannt sein, was die deutschen Parteien sich für den Bundestagswahlkampf 2009 einfallen lassen. Gerade erst hat die SPD mit meineSPD.net als ein neues soziales Netzwerk gestartet. (Robert Basic hat die Details.)

Neben Kampagnen-Standards wie viralen Videoclips (Beispiel: „I Got a Crush… on Obama„), MySpace-Profilen (z.B. Rudy Giuliani) und dem Organisieren von Offline-Treffen via meetup.com gehören mittlerweile auch Twitter (John Edwards), SMS-Aufrufe und das Editieren von Wiki-Beiträgen zum Handwerkszeug der Kandidaten.

Auch die Web 2.0-Dienste selbst unterstützen die politischen Kampagnen wo sie können mit eigenen Wahlkampfplattformen, wie YouTube YouChoose, auf denen sich die Kandidaten präsentieren können sowie Digg The Candidates.

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Peter Bihr

Peter Bihr

war Netzpiloten-Projektleiter von 2007-2010. Heute hilft er als freier Berater Unternehmen, ihre Strategien erfolgreich ins Netz zu übertragen. Über Social Media und digitale Kultur schreibt und twittert Peter auch privat unter TheWavingCat.com.

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