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Wie Tumblr die Online-Berichterstattung verändert

Mit Blogging-Diensten wie Tumblr kann sich die Art der Online-Berichterstattung verändern. Ein Beispiel hierfür ist das TIME Magazine mit seinem Konzept der „story behind the stories.“ // von Niklas Möller

TIME

Der Blogging-Dienst Tumblr war im zweiten Halbjahr 2014, was die Zahl der aktiven Nutzer betrifft, mit 120 Prozent Zuwachs innerhalb von sechs Monaten, die am schnellsten wachsende soziale Plattform. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sich das auch auf den Journalismus auswirkt. Immer mehr Medien setzen neben den klassischen sozialen Netzwerken, wie Facebook und Twitter, auch auf einen Account bei Tumblr.


Warum ist das wichtig? Der Blogging-Dienst Tumblr gehörte in den letzten Monaten zu den am schnellsten wachsenden sozialen Plattformen. Das TIME-Magazine zeigt, wie man diesen als Presse erfolgreich integriert.

  • Tumblr ermöglicht wie kaum eine andere soziale Plattform die Vermischung von Unterhaltung und seriöser Berichterstattung.
  • Das TIME-Magazine stellt auf Tumblr regelmäßig die „story behind the stories“ vor und gibt dem Leser auf diese Weise einige Einblicke in den Arbeitsalltag.
  • Die größere Nähe zu den Lesern zahlt sich aus: der Tumblr-Account vom TIME-Magazine erreicht häufig vierstellige Gefällt-mir-Angaben und damit nicht weniger als der Facebook-Account.

Die Washington-Post ist schon seit 2011 auf der Blogging-Plattform aktiv, genau wie das TIME-Magazine. Aber was ist der Grund dafür, dass Tumblr im letzten Jahr, trotz der Stagnation im Jahr davor, so stark an Bedeutung gewonnen hat? Die Strategie des TIME-Magazines könnte darüber Aufschluss geben.

Das Konzept der „story behind the stories“

Das US-amerikanische Magazin wirbt auf seinem Tumblr-Account mit dem Motto: „TIME on Tumblr is the story behind the stories of the world’s first weekly news magazine. You’re already well-informed about the news. Now be well-informed about TIME.“ Mit Tumblr wird also ein anderes Ziel erreicht als beispielweise mit dem Facebook-Account, wo die Artikel „bloß“ gelikt oder promotet werden. Hier soll der Leser hingegen direkt an der Entstehungsgeschichte der einzelnen Artikel beteiligt werden und nachvollziehen können, wie es zu den Ideen und den Titelthemen einer großen Zeitschrift wie dem TIME-Magazine kommt.

Ein im Dezember 2012 veröffentlichter Artikel über ein junges pakistanisches Mädchen, das bei einem Erdbeben ihr Bein verlor und bei den Lesern des Magazins nach einem Foto-Essay im Jahr 2006 großes Mitgefühl auslöste, ist ein Beispiel dafür, wie das Magazin auf Tumblr berichtet. Der Artikel demonstriert mittels eines vor dem TIME-Büro aufgenommenen Foto, wie es dem Mädchen heute geht. Zusätzlich wird erklärt, wie damals das Foto-Essay über Flüchtlinge in Kashmir entstanden ist. Diese Art der Berichterstattung wäre auf Twitter, das von aktuellen Meldungen dominiert wird, nur schwer vorstellbar. Insofern hat Tumblr beim TIME-Magazine seinen Platz zwischen Facebook und Twitter gefunden. Der Leser erfährt nicht bloß, was aus dem Mädchen einige Jahre später geworden ist, sondern nimmt zeitgleich an der Idee zu dem Artikel und deren Umsetzung teil.

Unterhaltung und Seriosität

Auf kaum einer Plattform funktioniert die Vermischung von Unterhaltung und seriöser Berichterstattung so gut wie auf Tumblr. Das liegt zum einen an der leichten Bedienung und der Multimedialität des Blogging-Dienstes. Und im Gegensatz zu Twitter ist der Nutzer auch nicht an eine gewisse Zeichenbeschränkung gebunden, sodass auch lange Artikel mühelos realisierbar sind. Aus diesen Gründen nutzen nicht nur Magazine wie TIME diesen Dienst für Experimente wie der „story behind the stories“, sondern auch die Süddeutsche Zeitung betreibt hier beispielweise einen Blog über Phänomene und digitale Trends. 

Zwar sehen manche Kritiker nicht den Wert, viele Ressourcen in ein Netzwerk zu stecken, das aufgrund der geringeren Reichweite nicht mit Facebook oder Twitter konkurrieren kann, aber gerade die persönliche Ebene und die Interaktion mit dem (jüngeren) Publikum ist ein Aspekt, für den sich Tumblr besonders gut eignet. Und das kommt gut an bei den Nutzern, denn regelmäßig erreichen die Artikel auf Tumblr mehrere Tausend Gefällt-mir-Angaben. Diese Zahlen brauchen sich selbst vor der Facebook-Seite, trotz über sieben Millionen Fans (Stand 09.01.2015), nicht zu verstecken. Insofern lässt sich sagen, dass Tumblr zumindest in der Form, in der das TIME-Magazin sich mit diesem Blogging-Dienst auseinandersetzt, durchaus den Aufwand wert ist. In diesem Fall scheint die Nähe zu den Lesern einen größeren Nutzen zu haben als die bloße Reichweite.

Und auch wenn das TIME-Magazine sich im letzten Jahr nicht mehr so sehr auf die eigentlich deklarierte Tumblr-Strategie beschränkt und dort vermehrt Bilder gepostet hat, was wohl durch die höhere Interaktion der Nutzer bei Bild-Posts bedingt ist, zeigt dieses Experiment dennoch, dass es gerade in Zeiten von sozialen Medien genügend kreative Menschen gibt, die mit interessanten Ideen den Journalismus weiterentwickeln und verändern möchten.

Anmerkung der Redaktion: Auch die Netzpiloten sind auf Tumblr vertreten und das mit gleich drei Blogs: in unserem Foto-Tumblr lassen wir unsere Leserschaft an den Veranstaltungen teilhaben, die wir besuchen, der Tumblr-Blog „Netzpiloten Magazin“ stellt eine vereinfachte Form unseres Magazins dar und auf Netzpilotenonthefly.de berichten wir live von Veranstaltungen, wie zum Beispiel als nächstes von der Social Media Week Hamburg.


Teaser & Image by Tony Fischer (CC BY 2.0)


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Niklas Möller

Niklas Möller

hat in Hamburg Informationsmanagement studiert. Zur Zeit ist er Praktikant bei den Netzpiloten.

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