Wider MTV und Co – tape.tv

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Seit Juli 2008 im gibt es ein neues Kleinod für Musikliebhaber im Internet – tape.tv. Gegründet wurde die Plattform von Conrad Fritzsch (39) und Stephanie Renner (41). Etwa 17.000 Musikvideos soll das Archiv des Senders umfassen. Von Indie und Elektro bis hin zum aktuellen Chartsgedudel ist für jeden etwas dabei. Man ist geneigt vom neuen MTV zu sprechen.

Vorbei sind die Zeiten von nervender Klingeltonwerbung und fragwürdigen Pseudorealityshows. Hier kann der geneigte User nonstop seiner Lieblingsmusik frönen, so wie in den glorreichen Tagen von Viva2 oder MTV. Ebenso förderlich für die Popularität von tape.tv dürfte der jüngste Streit zwischen YouTube und der Gema sein, im Zuge dessen YouTube sukzessive die Musikvideos entfernen muss. Obwohl sich Gema und YouTube derzeit zu Gesprächen bereit zeigen.

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Die Seite von tape.tv besteht aus einem Player, der sich vor einem schwarzen Hintergrund befindet. Nicht mehr und nicht weniger. Im übersichtlichen Menü, das erscheint, wenn der Nutzer mit der Maus über das gespielte Video fährt, kann er sein Lieblingsmusikgenre auswählen und es sich dann in einer Endlosschleife anhören und ansehen. Ebenso ist es möglich, sich ganz leicht eine Playlist zu basteln. Abseits der gängigen Musikgenres gibt es auch einen Menüpunkt „special features“. Dort kann zwischen verschiedenen Unterpunkten wie „ffk bei dug“ oder „weisses rauschen“ gewählt werden. Es werden Videos gezeigt, die eben inhaltlich in die jeweilige Rubrik passen.

Gut finde ich das schlichte Aussehen und die ruhige, ohne aufdringliche Werbung verunstaltete Umgebung des Players. Die Ads fügen sich gut ins Gesamtbild der Seite ein. Ebenso, dass man sich nicht mehr stundenlang durch das Musikprogramm quälen muss um „seinen“ Lieblingsclip schauen zu können – wenn man etwas nicht mag, klickt man einfach weiter. Nicht so gut gemacht: Man kann nicht nach Musiktiteln suchen. Es ist auch nicht möglich auf ein Video zurückzuspringen. Des Weiteren fehlt die Möglichkeit der Einbindung in andere Dienste, wie z.B. Twitter oder Facebook. Auch gibt es keine Funktion, die mir erlaubt, einen Link an Freunde zu senden, wenn mir ein Video besonders gut gefallen hat.

Tape.tv kommt in einem überraschend aufgeräumten Design daher. Es beschränkt sich ganz auf das Zeigen von Musikvideos und ist somit ein schöner Gegentrend zum heutigen sogenannten Musikfernsehen mit seinen überfrachteten Unterhaltungsformaten. Ein echter Gewinn, wie ich finde. Dass immer nach fünf Songs eine kurze Werbeunterbrechung kommt, die man nicht überspringen kann, ist zu verschmerzen. Dies möchte ich tape.tv nicht ankreiden, da sie sich ja irgendwie finanzieren müssen. Es werden Clips präsentiert, die eine wesentlich bessere Auflösung haben als bei YouTube. Dabei ist tape.tv, wie der Name schon verrät, mehr Fernsehen als Internet. Einige Funktionen wie Senden von Links oder das Einbinden in andere Dienste fehlen. Insgesamt ist tape.tv eine solide Möglichkeit sich im Internet Musikvideos anzuschauen.

p.s. Bei Jetzt gibt es ein Interview mit Conrad Fritzsch.

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Doreen Butze

Doreen Butze

studierte Soziologie, Psychologie und Betriebswirtschaft an der TU-Chemnitz. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Social Media. Privat bloggt Doreen unter http://www.finsblog.de über alles Mögliche und Unmögliche.

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