Welcher digitale Spirit beeindruckt dich, Yousef Hammoudah?

Die Netzpiloten feiern 15 Jahre Expeditionen in den Cyberspace und fragen prominente Wegbegleiter nach ihrem denkwürdigsten Erlebnis der digitalen Revolution. – Heute den Digital Strategist bei Wired Semantics, Yousef Hammoudah.

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Erstmal möchte ich Euch zu Eurem 15 jährigen Bestehen gratulieren! In diesen 15 Jahren ist ja viel passiert, besonders in der digitalen Welt. Das für mich entscheidende, verändernde Moment der sogenannten digitalen Revolution ist das „Prinzip Teilen“. Manche denken jetzt vielleicht als erstes an die Share-Funktion bei Facebook; damit wäre diese revolutionäre Errungenschaft jedoch vollkommen unterbewertet. Ende der 90er entwickelte Shawn Fanning mit Napster die erste global genutzte Filesharing-Plattform, auch wenn es genau genommen gar keine war. Nachdem die Musik-Industrie Napster keine 2 Jahre nach dem Launch  erfolgreich erledigte, sprossen neue Dienste wie Gnutella, Kazaa oder später auch Bittorrent aus dem digitalen Erdreich, ausgestattet mit dem selben Auftrag und einer technologisch ausgefeilteren Lösung. Sie umgingen das Napster-Problem der zentralen Datenspeicher mit der dezentralen Bereitstellung von Daten – dem Peer-to-Peer Modell, das auf den vielen Rechnern der Nutzer selbst arbeitete und somit nur schwer nachvollziehbare Datenströme ermöglichte. Dieses technologische Prinzip des Peer-to-Peer hat mit der „Befreiung“ von Inhalten und Information meiner Meinung einiges für die Demokratisierung dieser Welt getan und damit meine ich nicht nur illegales Filesharing, sondern schlicht auch Grenzen in den Köpfen der Menschen zu überwinden. Die Idee ist einfach wie genial: Je mehr Leute beitragen und mithelfen, desto mehr profitieren alle davon. Nach diesem Grundprinzip sind eine Reihe von Konzepten entstanden, die heute nicht mehr aus unseren Leben wegzudenken sind. Dazu gehört die Wissensplattform Wikipedia genauso wie Social Media Plattformen. Außergewöhnliche Projekte, wie das Alien-Research Projekt Seit@Home vernetzt Millionen von privaten Rechnern miteinander, um nach außerirdischer Intelligenz zu forschen. In Zeiten von Datenüberwachung durch NSA und Konsortien scheint auch hier ein Ausweg dank Peer-to-Peer möglich zu sein. Angebote wie die Suchmaschine Faroo, das Social Network Diaspora oder die Kollaborationsplattform Kune bieten Alternativen zu den großen, von den Regierungen dieser Welt infiltrierten Diensten, die alle mit zentralen Servern arbeiten und damit leicht zu kontrollieren sind. 

Das Prinzip des Teilens hat in einer Zeit des Turbo-Kapitalismus durch das Web eine neue Qualität gewonnen. Das bringt uns wieder zurück zu kleinen Dingen, wie der Funktionalität des Share-Buttons, die es uns ermöglicht Ereignisse oder Erkenntnisse in kürzester Zeit einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Damit kann jeder einzelne direkt auf die Lebenswirklichkeit anderer Menschen einwirken, eine globale Aufklärung begünstigen und im besten Falle ein weiteres, feines Stück Geschichte schreiben.

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