We are what we share! – Die Welt der Wikinomics

In der Vergangenheit definierte man sich darüber was man besitzt, heute definiert man sich darüber was man teilt. We are what we share! Ein Paradigmenwechsel, wenn nicht gar eine Revolution. Als Wikinomics bezeichnet der Kanadier Don Tapscott dieses Phänomen, bei dem sich Millionen vernetzter Menschen aktiv an der Realisation von Projekten und der Gestaltung von Innovation und sozialer Entwicklung beteiligen. Eine revolutionäre neue Form der freiwilligen Zusammenarbeit, welches unsere Wirtschaft grundlegend verändern könnte. Möglich gemacht hat dies erst das Internet, angefeuert durch die großen Errungenschaften der Massen-Kollaboration wie Wikipedia, Linux und Co.

Wikinomics verspricht, dass durch die gleichberechtigt koordinierte Nutzung des kollektiven Wissens über das Internet die menschliche Intelligenz und Kreativität besser genutzt werden können, als es in hierarchischen Organisationen möglich ist.

Die Wirtschaft wird sich ändern

Ein Rückblick: Unternehmen leben und sterben mit der Qualität ihrer Ideen. Doch wahre Innovation entsteht nur schwerlich in hierarchisch aufgebauten, großen Organisationen. Denn echte Innovationen gehen immer mit einer großen Unsicherheit und damit auch einem hohen Risiko für die Unternehmen einher. Und Unternehmen sind stets um die Minimierung von Risiko bemüht. Daher weiß der Chef auch immer alles besser und trifft alle relevanten Entscheidungen.

Der eigentliche Existenzgrund von Unternehmen liegt in den hohen Transaktionskosten: Einzelne Personen können aufgrund mangelnder Ressourcen bestimmte Leistungen oder Produkte nicht selbst herstellen. Und die Kosten, geeignete Mitstreiter zu finden, wären schlichtweg zu hoch. Deswegen organisieren sich Unternehmen, die sich günstig auf eine bestimmte Leistungserstellung spezialisieren und verkaufen, diese an den Endkonsumenten. Das Internet hingegen senkt genau diese Kosten der Zusammenarbeit. Da es im Internet leicht ist, Gleichgesinnte zu finden und mit diesen in Kontakt zu treten, kann sich so zum ersten Mal in der Geschichte eine kollektive Intelligenz entwickeln.

Der rasende Erfolg von Wikipedia kam daher vor ein paar Jahren einer Revolution gleich und rüttelte am Sockel der kapitalistischen Wirtschaft. Denn Unternehmen wollen Profite erwirtschaften und nicht der Gemeinschaft kostenlos Leistungen zur Verfügung stellen. Massenkollaboration ist da zuerst einmal eine Bedrohung und keine willkommene Chance. Je weiter sich aber solche Formen der Massenzusammenarbeit ausbreiten, umso stärker wird sich auch die Wirtschaft verändern – weg von der rationalen, Gewinn orientierten kapitalistischen Struktur. Das Aufkommen der MP3 und ihr Einfluss auf die Plattenindustrie ist ein Beweis hierfür: Statt Platten zu kaufen, teilen Millionen von Menschen Musik-Dateien im Internet und stellen damit die gesamte Musikwirtschaft auf den Kopf.

Auf der Suche nach Antworten

Während Wikinomics bei den meisten Unternehmen auf totales Unverständnis trifft, gibt es bereits einige Beispiele wie Unternehmen die Idee bereits für sich nutzen konnten. Das Paradebeispiel ist IBM, die sich entschieden haben komplett auf das offene Betriebssystem Linux zu setzen. IBM spart somit rund 900 Millionen Dollar Entwicklungskosten im Jahr und schwächt gleichzeitig die Stellung von Microsoft. Microsoft wiederum hat unlängst angekündigt die Schnittstellen seiner Software offen zu legen, um diese durch Applikationen von externen Progammierern noch besser machen zu können. Eine ähnliche Strategie verfolgt auch der Flugzeugbauer Boeing: Beinahe 80 Prozent des neuen Dreamliner Jets werden von rund 100 externen Partnern aus aller Welt hergestellt, die allesamt über das selbe Informationssystem miteinander vernetzt sind. Selbst die Filmindustrie erprobt neue kollaborative Konzepte: Der Film The Tracey Fragments von Regisseur Bruce McDonald soll etwa komplett durch die Beteiligung von Filmfans geschnitten und zusammengesetzt werden.

Es bleibt also spannend zu beobachten, was die Zukunft bringen wird. Ob das Prinzip der Wikinomics tatsächlich die Art wie wir wirtschaften revolutionieren wird, bleibt indes abzuwarten. Letztendlich aber liegt es an uns allen. Denn: „We are what we share!“

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Michael Groß

Michael Groß

studiert Medienwissenschaft und BWL in Trier. Nach einem kurzen Ausflug in die Welt des Journalismus, interessiert er sich heute mehr für Marketing, Werbung und Netzwerkkommunikation. Privat bloggt Michael unter http://werbeschaf.blogspot.com/

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