Die Washington Post nutzt Slack für die Erschaffung von Lesergemeinschaften

Der Messagedienst Slack ist ein unverzichtbares Tool innerhalb der Nachrichtenredaktion. Nun ist Slack überraschenderweise auch zu einem effektiven Kommunikations-Tool für Herausgeber geworden. Im April hat die Washington Post den Dienst Pay Up gestartet, eine auf Slack basierende Gemeinschaft, die sich an Frauen im technischen Sektor richtet. Ein Teil davon bildet eine karriereunterstützende Gruppe, ein anderer Teil ist das Networking-Tool, mit dem innerhalb der Gruppe schnell Diskussionen über die Themen, wie Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen, Gehaltsverhandlungstaktiken und neue Jobangebote aufkommen.  „Frauen haben diese Diskussionen schon lange untereinander geführt, deshalb dachten wir, wir können diese Diskussionen unterstützen und daraus etwas Größeres machen“, sagte die Social Media-Leiterin Alex Laughlin von der Washington Post.

Die Washington Post richtet diese Diskussionen ums Gehalt eher selten selbst aus – stattdessen gibt es den Mitgliedern die Möglichkeit, eine Unterhaltung zu beginnen, indem sie Slack-Kanäle erstellen, um darin zu diskutieren.

Mitglieder haben bereits Kanäle erstellt, die bestimmte Themen behandeln, wie beispielsweise Städte, Musik und auch das Smartphone-Spiel „Neko Atsume“. Die Idee besteht daraus, „dass Frauen herkommen und über sich selbst sprechen“ – und nicht nur über ihre Identifikation mit dem Arbeitsplatz, sagte Laughlin. Zusätzlich zu diesen offenen Gruppendiskussionen organisiert Pay Up regelmäßig Podiumsdiskussionen mit Experten über verschiedene wichtige Themen wie Gehaltsverhandlungen und Vielfalt am Arbeitsplatz.

Diese Gruppe ist nicht offen. Frauen, die daran interessiert sind, teilzunehmen, müssen ein Formular ausfüllen. Darin wird abgefragt, wer sie sind, wo sie arbeiten, wer sie angeworben hat und warum sie teilnehmen wollen. (Im Formular werden auch potentiellen Mitgliedern Fragen über ihr Gehalt gestellt, die Angaben sind jedoch unabhängig von einer Aufnahme). Bisher haben Laughlin und ihre Washington Post-Kollegin, die Social Media-Leiterin Julia Carpenter, eine beschränkte Mitgliedschaft nur für Frauen im technischen Sektor eingerichtet, obwohl sie planen, die Teilnahmeberechtigung auch auf Frauen aus anderen Industriezweigen zu erweitern.

In den letzten paar Monaten haben sich bereits rund 1.000 Bewerber für die Gruppe interessiert und die Gruppenmitgliederanzahl ist derzeit bei „knapp unter 500“, sagte Laughlin. Ihr Fokus und der von Carpenter liegt hauptsächlich darauf, wie viele der neuen Mitglieder von bereits bestehenden Mitgliedern geworben wurden. Neben dieser Gemeinschaft ist Pay Up auch rasch zu einer Quelle herangewachsen, aus der heraus Mitglieder Inspirationen oder sogar direkte Beiträge veröffentlichen. Während alles in der Gruppe gesagte als inoffiziell und vertraulich gilt, verwendet die Washington Post Kommentare von Pay Up-Mitgliedern in Artikeln wie beispielsweise zum Thema Work-Life-Balance. Laughlin und Carpenter veröffentlichen auch regelmäßig Zusammenfassungen von Pay Up-Diskussionen auf dem Medium.

Der Gruppenersteller sagt, dass das Pay Up-Modell auch auf andere Gemeinschaften, wie alleinerziehende Mütter oder Einwanderer der ersten Generation, erweitert werden kann. Hätte die Washington Post diese Gruppen erstellt, hätten sie dasselbe Ziel gehabt wie Pay Up: Eine starke, selbsterhaltende Gemeinschaft zu erschaffen, während sie mit den Inhalten von der Washington Post gefüttert wird. “Das Beste ist, dass wir sehen können, wie Menschen eine Unterhaltung beginnen, ohne dass wir eingreifen müssen”, sagte Carpenter. „Das ist die Art von Raum, die wir schaffen wollten.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Washington Post“ by Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)


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Ricardo Bilton

Ricardo Bilton

ist Journalist und schreibt für das Nieman Journalism Lab. Er setzt sich stark mit dem Thema "Virtual Reality" auseinander. Zuvor war er als Reporter bei Digiday zuständig und schrieb unter anderem Artikel für VentureBeat, ZDNet, The New York Observer and The Japan Times.

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