Journalists (Bild: Esther Vargas [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Was zum Teufel bedeutet Journalismus?

Wie sieht der Journalismus der Zukunft aus? Nicht so, wie der DJV es in seinen acht Thesen beschrieben hat, da waren sich die Teilnehmer des Barcamps einig // von Julian Heck

Newsroom (Bild: David Sim [CC BY 2.0], via Flickr)

Die Debatte um die Zukunft des Journalismus ist ein Dauerbrenner – zurecht! Natürlich geht es nicht darum, in die Glaskugel zu schauen, sondern die Zukunft selbst mitzugestalten. Das funktioniert nur, wenn man sich mit anderen austauscht und Visionen entwickelt. Auf dem Barcamp Rhein-Main habe ich gemeinsam mit Martin Krauß die Session „Was zum Teufel bedeutet eigentlich Journalismus?“ angeboten. Dieser Titel war der Schlusssatz meines Kommentars auf LousyPennies.de zu den 8 DJV-Thesen. Ergebnis der regen Diskussionsrunde: Einige klare Aussagen und viele Fragen.


  • Special-Interest-Produkte werden zunehmend wichtiger – auch wirtschaftlich.
  • Sollte es eine öffentlich-rechtliche Lokalpresse geben?
  • Der Journalismus muss grundsätzlich neu gedacht, viele Fragen noch gestellt werden.

Allen ist klar: Journalisten haben in der Regel kein Informationsmonopol mehr. Die Hauptaufgabe muss das Kuratieren, das Einordnen und Bewerben sein. Aber besonders bei der kuratierenden, aggregierenden Funktion stößt einigen das deutsche Urheberrecht auf, was Probleme bereiten könnte. Probleme macht vielen auf die Vermischung von Anzeigen und redaktionellen Inhalten. Sogenanntes „Native Advertising“ kommt bei den Sessionteilnehmern nicht wirklich gut an. Die Leser sollten nicht überlegen müssen, ob sie einen redaktionellen Inhalt oder PR-Content vor sich haben. Spannend wurde die Diskussion, als über Unternehmen als Medien gesprochen wurde. Denn nicht nur Blogger und jeder andere Bürger kann inzwischen Nachrichten produzieren, auch Firmen übernehmen vermehrt journalistische Funktionen – und das nicht unbedingt so schlecht, wie einige Journalisten das vielleicht gerne hätten. Coca Cola ist hierfür das wohl bekannteste Beispiel. Im Bereich Corporate Publishing werden händeringend gute Journalisten gesucht und mit einem meist wesentlich besseren Gehalt angelockt.

Wie aber soll dann die Zukunft des Journalismus aussehen? Und wie finanziert er sich? Inhaltlich wird er sich, so der Trend in der Barcamp-Session auf dem Mediencampus der Hochschule Darmstadt, mehr spezialisieren müssen. Es reicht eben nicht mehr aus, ein Paket zu schnüren – so wie es die Tageszeitung macht – und auf Millionen Käufer zu hoffen. Stattdessen sollten sich Verlage auf ein konkretes Gebiet konzentrieren (Sport, Politik, Kunst, Umwelt, etc.). Auch die Medienbranche muss lernen, dass ein Angebot wirtschaftlich nur funktioniert, wenn die Nachfrage da ist. Gewiss wird auch das Modell der klassischen Tageszeitung noch funktionieren, nur nicht so massentauglich wie bisher. Im Internet kann sich jeder das herauspicken, was ihn interessiert. Sollten am Kiosk und im Internet also Ressorts einzeln angeboten werden, sodass sich die Frau nur den Lokalteil kauft und der Mann Pech hat, weil der Sportteil nicht mehr integriert ist?

Obwohl Verlage letztendlich die gleiche Position in der freien Wirtschaft haben wie andere Unternehmen, spielt der Journalismus doch eine besondere Rolle, nämlich die Rolle der Demokratiesicherung. Er hat damit eine gesellschaftliche Aufgabe, die damit auch gesellschaftlich am Leben gehalten werden könnte. Schaut man sich die Lage im Lokalen an, ist die Überlegung einer öffentlich-rechtlichen Lokalpresse nicht ganz so weit hergeholt. Journalismus als öffentliches Gut, subventioniert vom Staat? Was ist uns Journalismus in Deutschland wert? Am Ende der Session wurde die nicht weiter diskutierte Forderung in den Raum geworfen, Journalismus in die Schule zu bringen. Das Drei-Wochen-Abo für den Deutschunterricht kann nicht ausreichen. Müssen wir die Wichtigkeit des Journalismus lehren?

Ja, wir haben den Journalismus auf dem Barcamp Rhein-Main nicht neu erfunden, aber versucht, ihn grundsätzlicher zu überdenken. Dieser Prozess muss weitergehen. Es sind viele Fragen zu beantworten, die noch im Raum stehen und viele Fragen zu stellen, die noch nicht gestellt wurden. Was ist eigentlich Qualität? Wie erzählen wir in Zukunft Geschichten? Wird die Zeitung zu einem Netzwerk, zu einer Community? Welche Rolle spielen beispielsweise Service und Unterhaltung? Dürfen Journalisten des Service wegen mit Unternehmen kooperieren? Was kann für Bürger der Auslöser sein, zu journalistischen Produkten zu greifen? Wie viel Journalismus steckt im Beruf des Journalisten? Ist Lokaljournalismus in einer globalisierten Welt wirklich so wichtig? Was ist uns Journalismus wert? Was zum Teufel bedeutet eigentlich Journalismus?


Teaser by Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)

Image by David Sim (CC BY 2.0)


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Julian Heck

Julian Heck

ist freier Journalist, Dozent und Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt. Er schreibt über die Themen Medien, Technik und digitale Wirtschaft. Zu seinen Auftraggebern gehören unter anderem etailment.de, LEAD digital, Mobilbranche, das Medium Magazin, MobileGeeks.de und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Vom Medium Magazin wurde der Südhesse 2013 unter die "Top 30 bis 30" Nachwuchsjournalisten gewählt.

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