Was kickt dich am digitalen Ideenzeitalter, Sabine Fischer?

Die Netzpiloten feiern 15 Jahre Expeditionen in den Cyberspace und fragen prominente Wegbegleiter nach ihrem denkwürdigsten Erlebnis der digitalen Revolution. – Heute die Unternehmensberaterin und Professorin, Prof. Dr. Sabine Fischer.

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Geradezu ehrfürchtig beeindruckt mich tatsächlich ununterbrochen seit Erkennen des digitalen Paradigmenwechsels die Möglichkeit, dass ALLES anders sein kann, sollte oder wird. Und fast ängstlich beeindruckt mich gleichzeitig, dass ich Verantwortung für diesen Wechsel in Allem trage.

Und mit Alles meine ich Alles: Die vielzitierten sprechenden Kühlschränke sind heute doch erst vager Ausdruck vom Können technischer Dienerschaft und Service der Zukunft. Mobile Tablet- und Handykommunikation sind ebenso reizend wie unfertig ähnlich einem Kleinkind, dessen Potentiale wir noch nicht kennen. Soziale Netzwerke spiegeln in einer heilen Welt eine typisch unbändige und unreflektierte Lust beim Umgang mit etwas Neuem. In unheilen Welten konnten bereits ganz andere Möglichkeiten ausgelotet werden (die die Bezeichnung „digitale Revolution“ verdienen).

Daneben aber gibt es Unzähliges, was in diesen Strudel des Wechsels oftmals unbemerkt hineingezogen wird und von dem wir erst spät erkennen, dass es sich ändern sollte resp. müsste. An vorderster Front: Lehren und Lernen muss seine Muster resp. veralteten Gewohnheiten verändern. Dafür reichen Computer an Schulen und Moocs nicht aus. Die Inhalte sind es, die uns über den Kopf gewachsen sind. Also macht uns nicht das Lernen und Lehren von mehr und mehr (meist reproduzierten) Inhalten klüger, sondern der kluge und geistreiche Umgang mit Inhalten: Das methodische Wissen sie zu erschließen, Interesse und Neugier um Neue zu entwickeln und das Vermögen, aus Erkenntnissen heraus wirklich Innovatives zu gestalten. Allein dieses Ansinnen  – durchdrungen vom Gedanken „Bildung für Alle“  – umzusetzen macht klar, das neben dem innovativen „Können“ ein innovatives „Sollen“ als innere Verpflichtung eines jeden auf dem Plan steht. Das alles und tausend Mal mehr kennzeichnet das digitale Ideenzeitalter in dem wir leben. Das ist der unfassbare Paradigmenwechsel, der mich so beeindruckt und meine Arbeit prägt.

Zur Person: Prof. Dr. Sabine Fischer ist Unternehmensberaterin und Professorin mit Themen an der Schnittstelle von Business und Design im digitalen Kontext. Die Gestaltung von Businessprozessen im Innovationsumfeld und die Bedingtheit zwischen Kreativität und strategisch-ökonomischen Ideenentwicklungen sind ebenso ihre Themen wie die dringend notwendige Aufbereitung von Wissen zwischen den Disziplinen.

Sie lehrt an der Universität der Künste / Universität St. Gallen, der Humboldt-Viadrina School of Governance und der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel sowie der Schule für Gestaltung in Bern und hat dort die Konzeption von Studiengängen und Modulen begleitet oder geführt. Dabei hat sie „Transdisziplinäres Management“ als Schnittstellenthema im digitalen Markt von Ökonomie und Kreativität, Hochschule und Unternehmen etablieren können.Im Zusammenspiel von praktischer und forschender Arbeit entwickelt Sabine Fischer mit dem D`ARTAGNAN-PRINZIP das  IDEA DESIGN, was man als die Reibungsfläche zwischen systematischer und kreativer Werteentwicklung von Ideen in Wissenschaft, Unternehmen und Märkten definieren kann.Sabine Fischer  moderiert und referiert auf Fachkongressen, im Umfeld digitaler Medien und ist Autorin zahlreicher Veröffentlichungen. 2004 erhielt Sabine Fischers Team den Grimmepreis für das Informationsangebot zum Film Stauffenberg (ARD).

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