Was ist revolutionär an der Digitalen Revolution, Niko Waesche?

Die Netzpiloten feiern 15 Jahre Expeditionen in den Cyberspace und fragen prominente Wegbegleiter nach ihrem denkwürdigsten Erlebnis der digitalen Revolution. – Heute den Gründer & Managing Partner von GMPVC German Media Pool, Dr. Niko Marcel Waesche.

Niko_Waesche_postGlückwunsch zum 15-jährigen Netz-Jubiläum; das können nicht viele feiern. Das zeigt Weitsicht und Durchsetzungsfähigkeit gleichzeitig. Die Frage nach dem beeindruckensten Moment ist tückisch. Man outet sich sofort als Netz-Dino wenn man die ersten Schritte mit Gopher, Pine oder Mosaic beschreibt. Und aus heutiger Perspektive sind die unglaublichsten Aha-Erlebnisse von Damals nicht mal mehr einen Gähner wert.Wir haben sogar vergessen, warum die Digitale Revolution eine Revolution war, so normal erscheint uns alles heute.Genau das sollten wir aber nicht vergessen. Die ersten, die sich für das Netz interessierten, fanden genau einen Aspekt spannend und nichts anderes. Geld verdienen könnte man mit dem Internet nämlich kaum. Leute, die sich dafür interessierten, produzierten CDs mit Spielen oder Anwendersoftware.Und das Netz war kein Entertainment. Videos und selbst Audio ging kaum. Es tummelten sich weit mehr Leute auf der (offline) CD-ROM Konferenz von Reed Midem in Cannes als auf der dritten International World Wide Web Conference 1995 in Darmstadt (ich besuchte damals beide).

Wenn man die historische Bedeutung der WWW Konferenzen betrachtet, ist das total frappierend. Was war denn so spannend an der Digitalen Revolution wenn nicht Geld oder Entertainment? Ich hatte die größten Glücksgefühle der Welt, als ich mit einer kleine Gruppe von Freunden 1996 über die IDCA Konferenz in Aspen im WWW berichtete… mit „real time“ Textreportagen und Fotos. Es gab keine Smart Phones, aber wir radelten nach jedem Konferenzbeitrag wie die Wahnsinnigen zu einen Server-Raum, wo wir die Texte schnell tippten und die Bilder hochluden.

Dann ging es mit dem Fahrrad schnell wieder zurück zur Konferenz, um nichts zu verpassen. Das war wirklich „Fit and Fun.“ Kaum in Europa wieder angelangt (oder war es davor?) kam mein Kumpel Markus Weisbeck und ich aus dem Staunen nicht heraus, als wir für die Ars Electronica in Linz einen kleinen Bot ins Netz schickten um alle Bilder zurückzuholen mit dem generischen Namen „Logo.gif.“ Plötzlich sahen wir, in der Macht einer gewaltigen, nicht zu endend scheinenden Bilderflut, das riesige, chaotische Durcheinander von Universitäten, Institutionen und Firmen sowie Individuen, die sich erstmals im Netz darstellen. Langsam fingen wir es an zu begreifen: Das Internet ist eine neue, weltumspannende Kommunikationswolke, in der die alten Hierarchien nicht mehr greifen. Alles war offen. Das war das Revolutionäre an der Digitalen Revolution.

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