Warum Cuil um das Vertrauen seiner Nutzer kämpfen muss

Die noch sehr junge Suchmaschine Cuil, online gegangen am vergangenen Sonntag und bereits einem Blogpiloten-Test unterzogen, steht in einem eher zweifelhaften Licht. Gestartet mit stolzen Ankündigungen („besser als Google!“), hat sich der Dienst überraschend schnell Unmut und Spott der Blogosphäre zugezogen. Ein Beispiel unter vielen: Spreeblick sammelt Dinge, die Cuil nicht findet. Eine weitere schöne Sammlung: Paul Buchheit sammelt auf Friendfeed besonders harte Kritik an Cuil.

Der Grund: Unausgegorenheit. Davidko hat in den Kommentaren zum Test darauf hingewiesen, dass Cuils Bild-Text-Zuordnung nicht richtig funktioniert (die Montage unten zeigt die falsche Zuordnung eines Bildes in den Suchergebnissen und das richtige auf der Originalseite), Erick Schonfeld von Techcrunch bestätigt dieses Ergebnis. Die Idee ist gut: den Suchergebnissen werden Bilder zugeordnet, die das Auffinden der gewünschten Informationen erleichtern. Wenn aber falsche Bilder einem Ergebnis zugeordnet werden, leidet darunter die Glaubwürdigkeit der Suchmaschine.

Im Test wurde bereits auf Cuils gut gemeinte Features hingewiesen. Kategorien, Tabs, übersichtliche Präsentation mit Bild und Text sind mit Sicherheit gute Ideen. Und selbstverständlich muss nicht jedes Feature auf Anhieb so funktionieren wie gedacht. Doch: Warum startet eine ambitionierte Suchmaschine wie Cuil aus dem Stealth Mode, also dem web-mäßigen Nichts, ohne sich vorher einer ausgiebigen Alpha- und Beta-Phase mit gut meinenden Nutzern zu unterziehen? So hätte man Fehler und Ungereimtheiten vorher finden können.

Cuil wird die Probleme mit Sicherheit lösen können: es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Index größer wird und nicht-englische Ergebnisse zuverlässig geliefert werden können. Falsche Zuordnungen von Inhalt und Bild wird man wohl auch lösen können – im Notfall nimmt man das Feature einfach vorübergehend raus. Viel schlimmer wiegt jedoch der Vertrauensverlust der Nutzer in die Ergebnisse, den Cuil nur wenige Tage nach seinem Start hinnehmen muss. Eben jener hätte leicht vermieden werden können.

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Björn Rohles

Björn Rohles

ist Medienwissenschaftler und beobachtet als Autor („Grundkurs Gutes Webdesign“) und Berater den digitalen Wandel. Seine Themenschwerpunkte sind User Experience, anwenderfreundliches Design und digitale Strategien. Er schreibt regelmäßig für Fachmedien wie das t3n Magazin, die Netzpiloten oder Screenguide.

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