Vorstellung: Canon 550D Fotos & HD-Videos

Habe mir vorgestern die DSLR Canon 550D kommen lassen. Die erste Spiegelreflexkamera unter 1000 EUR, die FullHD-Videos kann in 1080p25 und auch noch 720p50 beherrscht sowie einen Stereo-Mikrofoneingang besitzt. Das Kit-Objektiv – ein Zoom von 18-55mm Brennweite bezogen auf Vollformat – ist nicht so das ganz lichtstarke Objektiv. Aber für erste Tests und den Amateuralltag reicht es allemal. Die Automatikprogramme sind umfangreich, aber neigen gern zu überbelichteten Bildern, aber das läßt sich schnell mit der Belichtungskorrektur optimieren.


Der 18-Megapixel-Sensor ist in APS-C-Größe und damit in etwa dreimal größer als übliche 2/3-Zoll-Sensoren der guten Videokameras. Das ist der Hauptgrund für meinen Kauf gewesen, da ich endlich einen vernünftigen Sensor für HD-Videos haben wollte und das Ganze bei den teuren Videokameras langsam lächerlich wird. Außerdem kann man den gesamten Sermon an Tonwertprogrammen, Weißabgleich in allerfeinsten Justierungen bis zum Bildstil nutzen – also alles direkt in der Kamera Vorhandene ist auch für Film anwendbar. Nur der Autofokus ist kein dynamischer, der ein Objekt verfolgt. Aber wozu gibt es eigentlich den Fokusring am Objektiv? Denn der 1Megapixel-Monitor ist extrem scharf und erlaubt darüberhinaus eine gute Einschätzung der Farben: beides bei HD-Video extrem wichtig. Leider ist der Screen nicht schwenkbar, was sich auch im Live-Modus der Fotofunktion gut gemacht hätte – da werden einige Leute lieber zur bald erscheinenden G2 von Panasonic greifen.

Rauschen: Die Fotos sind allesamt wirklich scharf (bei ausreichend Licht ist auch der Autofokus schnell) und neigen bis zu ISO 1600 nicht erkennbar zu Rauschen. Darüber wird es kritischer, wenn man anspruchsvoll ist, aber die meisten Zeitgenossen sehen bis ISO 3200 nix Schlimmes außer man druckt es aus. Ich würde allerdings davon absehen in der Konfiguration die Schärfe besonders aufzudrehen. Die Kanten werden dann schnell unnatürlich aufgesteilt. Bin von einer 18Megapixel-Kamera sehr beeindruckt, nicht umsonst sehen viele Ersttester die Kamera in punkto Schärfe und Rauschverhalten direkt hinter der Nikon D90.

Video: Mit dem AVCHD-Codec haben so manche Rechner ihre liebe Mühe, denn 46Mbit/sec muss man erstmal verarbeiten können. Da kann das Rendern oder allein schon das Darstellen im Playerfenster zur Ruckelorgie werden – vor allem wenn man – wie ich gerne – Schwenks in Bäumen und ähnlich komplexen Strukturen veranstaltet. Das eingebaute Mikro nimmt einen arhythmisch auftauchenden hohen Ton auf, der offenbar aus der Kamera kommt. Mein externes Mikro (Rode M3) ist per XLR2Stereo-Miniklinke gerne dabei und wird ohne Rauschen oder ähnlich schlimme Sachen aufgezeichnet. Der interne Verstärker ist also kein Hindernis – eher die automatische Pegelung, die stille Parts gerne mal unnatürlich verstärkt. 720p50 erfordert schon eine schnelle Karte also mindestens Class6 und auch FullHD ist nicht eben anspruchslos und verbraucht bei derselben Datenrate (eben die 46Mbit/sec) circa 350 Megabyte pro Minute. Beide Modi also 1080p25 und auch 720p50 konnte ich nicht wirklich an meinem LCD-TV in der Qualität unterscheiden. Aber allein die Möglichkeit 50 Bilder/Sek. mit einer „günstigen“ DSLR in der Qualität aufzuzeichnen, ist schon der helle Wahn und klasse für alle Sportfilmer. Und mit den neuen SDXC-Karten (exFAT bis zu 2TB-Größe – aktuell kostet eine 48GB große Karte um 300 EUR) sind dann auch deutlich mehr als 32GB-Karten drin. die 550D unterstützt auch EyeFi-Karten (also SD-karten mit eigener WLAN-Funktion zum Upload)

Bedienung: Ich hatte früher eine Nikon und musste mich umgewöhnen. Bin allerdings nach einer Stunde mit wehenden Fahnen zum Canon-Bedienkonzept übergelaufen. Wer sich ein bißchen mit Fotografie auskennt, wird staunen über die schnelle Erreichbarkeit der wesentlichen Änderungsmöglichkeiten mittels Q-Taste und Drehrad (Dateneingabe) vorne direkt hinterm Auslöser. Sogar die vollautomatischen Modi nutze ich jetzt manchmal ohne große Probleme, weil sie gut funktionieren. Außer den viel zu offenen Blenden im Sonnenlicht, aber da holt man sich eben eine geschlossene Blende durch AE im strahlenden Licht und speichert diese mittels der *-Taste…

Fazit:
Nach zwei Tagen und einigen Clips später und zwei Fotospaziergängen bin ich doch überrascht. Ob überhaupt noch irgendjemand Videokameras mit den fizzeligen Sensoren kaufen wird? Wenn ich mich an die Brotdosen von Sony und Panasonic erinnere die zwischen 6000 und 12.000 Euro kosten, dann kann ich getrost zur D550 mit einem dicken 3000EUR-Canon-Zoom mit 2,8 bei 70-200mm raten. Die Qualität der Filme wird um einiges besser sein.
Pferdefuß: Die Lautstärke hat nur einen automatic gain, aber das wird dann bereits die bald erscheinende G2 von Panasonic mit Kopfhörer-Eingang und regelbarem Pegel noch verbessern. Allerdings hat die nur einen FourThirds-Sensor und nicht so professionelle Zooms und Festbrennweiten oder per Adapter sogar die irren Zeiss Digiprimes…

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Jörg Wittkewitz

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)

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