Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

Videokolumne vom 9. Februar 2014

In der Videokolumne geht es heut viel um Film: Lustige Pressekonferenzen auf der Berlinale und herzliche Oscar-Kurzfilme. Und die glamourösesten Momente im Sport: Die Olympia-Eröffnungen. // von Hannes Richter

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Diese Woche standen mit dem Beginn der Berlinale und den olympischen Winterspielen im russischen Sotchi gleich zwei Großereignisse an. Deshalb geht es heute besonders um Highlights. Die ARD hat in ihrer Mediathek historische Olympiaeröffnungen gesammelt, die einen interessanten Einblick in die Geschichte des Momentes geben, wenn die ganze Welt gebannt auf einen Ort schaut. Die Berlinale ist ihr eigener Präsentator ihrer Highlights und Arte zeigt als Kontrast zu den Highlights der politischen Fernsehserien – House of Cards und Borgen – die ebenso sehenswerte britische Miniserie Secret State.


BLICK ZURÜCK: Historische Olympiaeröffnungen

Olympische Spiele sind für viele Kindheitserinnerung. Der vierjährige Rhythmus und die einzigartige mediale Präsenz machen das Ereignis zu so etwas wie einer Wegmarke. 1988 haben mich die Fingernägel von Florence Grifftith-Joyner fasziniert. Dass sie schneller lief als je eine andere Frau auf der Welt, war mir eigentlich egal. Erinnert habe ich mich wieder daran, als bei ihrem überraschenden Tod im Jahr 1998 Dopinggerüchte aufkamen. 1992 habe ich mich schon mehr für den Sport interessiert, aber hängen geblieben ist trotzdem eher das schlachtrufartige Barcelona Freddie Mercurys, der ein Jahr vor den Spielen gestorben ist. Dass Mercury mir mal später musikalisch und als schwules Role Model viel bedeuten würde, ahnte ich noch nicht. Es wird wohl schon offensichtlich: Die Eröffnungsfeiern und das ganze Drumherum haben es mir mehr angetan als die Rekorde. Was von Sochi 2014 in Erinnerung bleiben wird, scheint schon klar. Schöne Bilder werden es kaum sein. Die kann man sich dafür aus dem größten Fernseharchiv der Welt holen: auf Youtube finden sich etliche Eröffnungsfeiern n voller Länge: Danny Boyles Meisterstück in London 2012, die fröhlichen Spiele in München 1972 oder eben der traurige Tribut an den Queen-Sänger Freddie Mercury in Barcelona.

FESTIVAL-HIGHLIGHT: Pressekonferenzen auf der Berlinale

Die Berlinale ist in vollem Gange. Das größte Kulturereignis hierzulande verzaubert jeden Februar den sonst eher drögen Potsdamer Platz. Auf internationale Stars wartende Fans, herumeilende Filmeinkäufer und Journalisten, die auf ihre auf den Knien platzierten MacBooks einhacken (so wie ich gerade), bestimmen das Bild genauso wie Filmplakate und Sponsorenlimousinen. Zu den schönsten Momenten der Berlinale gehören die täglichen Pressekonferenzen. Gut gelaunte Stars und plaudernde Regisseure stellen sich hier dem Blitzlichtgewitter und beantworten Fragen der Journalisten. Dabei geht es oft heiter zu und manche Anekdote aus den Dreharbeiten wird zum Besten gegeben. Etwas Besonderes war dieses Stelldichein vor der Präsentation des Eröffnungsfilms. Der amerikanische Indie-Künstler Wes Anderson hat für seinen neuesten Geniestreich The Grand Budapest Hotel einen ganzen Haufen toller Schauspieler verpflichtet. Da der Film im Anschluss an die große Eröffnungsgala (wie immer locker moderiert von Anke Engelke und in der Mediathek von 3Sat noch ein paar Tage abrufbar) lief, kamen auch viele davon nach Berlin. Und so sitzen sie auch auf der Pressekonferenz alle beieinander und schäkern mit der Weltpresse. Das erste Thema: Die schlechte Bezahlung. Bei einem Film von Wes Anderson mitzumachen, ist für Stars wie Tilda Swinton und John Hurt eher ein Freundschaftsdienst. Bill Murray beschwert sich, dass man bei den Dreharbeiten mehr Geld für Trinkgelder ausgibt als man verdient. „I guess it’s because we like him that we go along with this“ fügt er ernsthaft hinzu, während der immer wie ein Milchbubi aussehende Anderson schelmisch grinst.
Diesen und andere schöne Momente kann man im jedes Jahr umfangreicher werdenden Videobereich der Berlinale anschauen. Für alle Nichtberliner eine Möglichkeit, ein bisschen dabei zu sein, und für Berlinale-Junkies eine schöne Möglichkeit, die Zeit zwischen den Filmen zu überbrücken.


SPANNENDE POLITSERIE: Secret State

AUS DER MEDIATHEK – arte +++ Serie, abrufbar bis 13 Februar: Politische Fernsehserien sind en vouge: Die zweite Staffel des aktuellen Genre-Hits House of Cards wird sehnsüchtig erwartet (ein Screening der ersten beiden Folgen gibt es übrigens am nächsten Sonntag auf der Berlinale) und die dänische Serie Borgen über eine resolute aber sympathische Premierministerin wurde sogar erfolgreich in die USA verkauft. Die vier Teile der britischen Miniserie Secret State ist jetzt komplett in der arte-Mediathek zu sehen. Gekonnt versetzen die Macher eine spannende Politstory aus den 80ern in die Jetztzeit, Gabriel Byrne gibt einen wunderbar zerknautschten Premierminister, der im Strudel um Drohnenkrieg und Geheimdienstplots kaum sein integeres Image aufrecht erhalten kann. Großes Kino!


SÜSSES FILMCHEN in 2D: Paperman

Bald werden in Los Angeles die Oscars vergeben und während viele der nominierten Filme in den Hauptkategorien noch nicht den Weg ins Kino gefunden haben, kann man sich die Kurzfilme oft schon online anschauen. Disney ist mit diesem herzerwärmenden animierten Kurzfilm dabei. Der ist nicht nur eine Hommage an die Liebe sondern auch Reminisenz an den fast verloren gegangenen 2D-Film.


Teaser by Paulae (CC BY 3.0)

Image by Daniel Catt (CC BY 2.0)


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Hannes Richter

Hannes Richter

wandert auch außerhalb des Netzes zwischen den Welten. Der Berliner arbeitete in der Redaktion eines schwulen Nachrichtenmagazins im Kabelfernsehen und hat Videos für tape.tv und die iPad-Ausgabe des SZ-Magazins produziert. Als studierter Kulturarbeiter war er jahrelang im Berliner Cabaret-Theater Bar jeder Vernunft beschäftigt und hat ein gutes Gespür für die aktuelle Kulturszene. Im Netz verbindet er seine Leidenschaften, dafür ist es ja da. Privat twittert er als berlinmeerkat. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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