Uber und der Kampf um die Akzeptanz der Innovation

Wer Innovation säht, wird Widerstand ernten. Das musste auch Uber feststellen. Wir haben nachgefragt, wie es derzeit um das Unternehmen steht. Inzwischen ist Uber in über 40 Ländern vertreten – auch in Deutschland. Doch wie in vielen Teilen der Welt hat das Unternehmen auch hierzulande mit heftigem Widerstand, wie Klagen und Aktionstagen, der etablierten Taxiunternehmen zu kämpfen. Dabei könnte die gesamte Branche von der Innovation und dem Wettbewerb profitieren. Wir haben Patrick Studener, Senior International Launcher bei Uber in einem Interview gefragt, wie es um das innovative Unternehmen steht und wie es weitergeht.

Uber hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Taxigewerbe zu revolutionieren, oder es zumindest gehörig zu modernisieren. Dass dieses Vorhaben einfach umzusetzen sein wird, hat wohl niemand ernsthaft angenommen. Nach gewaltigen Protesten gab es auch in Deutschland bereits eine Klage eines Berliner Taxiunternehmers, der Uber dadurch von den Straßen der Hauptstadt holen wollte. Doch Studener gibt sich gelassen: „Uns gibt es jetzt seit eineinhalb Jahren in Berlin und wir waren vor der Klage von einem Taxiunternehmer legal, wir sind jetzt danach immer noch legal und wir operieren weiter„. Da die damals erwirkte einstweilige Verfügung gegen Uber nie vollstreckt wurde, hat sich für das Unternehmen auch nichts geändert.


Travis Kalanick spricht im Podcast „This Week in Startups“ über das Unternehmen:


Uber macht also unbeirrt weiter und expandiert munter in weitere Städte. Neben Berlin und München steht der Dienst inzwischen auch in Frankfurt und Hamburg für die Nutzer bereit und wird dort sehr gut angenommen. „Die Anfrage steigt jede Woche, sowohl von Usern die Uber als Mitfahrer verwenden wollen, als auch von der anderen Seite – also auch von Leuten, die als Fahrer da mitagieren möchten„. Unter den neuen Fahrern finden sich dabei auch viele, die bisher bei den klassischen Taxiunternehmen tätig waren. Also genau von den Unternehmen, die in letzter Zeit massiv Front gegen den Neuling gemacht haben. Zuletzt in Form eines Aktionstages gegen Uber und Co., der in Berlin in einer großen Sternfahrt mündete.

Doch auch in diesem Fall sieht Studener die Sache sehr entspant: „Wir sind jetzt eine neue, sehr innovative Lösung, die die Leute sehr schnell durch eine App mit den Fahrern verbindet und wann immer du nicht nur Technologie und Innovation in einen Bereich bringst, sondern auch mehr Auswahl, sind alle gezwungen über Qualität, Preis und Service miteinander zu konkurrieren. Und im Endeffekt gehen all diese positiven Aspekte auf den Endkonsumenten zurück„. Es liegt also nun bei den Taxiunternehmen, in diesen Punkten nachzurüsten und sich in dem Wettstreit auf die gleichen Aspekte zu konzentrieren, statt sich Innovationsfeindlich zu geben und auf die alten Regularien zu pochen.

Vor zwei Tagen hat Uber eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der man die Politik in Berlin aufgefordert hat, sich eben diese Regularien noch einmal vorzunehmen. „Viele dieser Regularien wurden geschrieben, bevor es Worte wie Handy oder Smartphone gab„, umschreibt Studener den massiven Nachholbedarf. „Wir wollen nicht irgendwie kontrovers sein; wir wollen in einem System arbeiten, das funktioniert. Das System muss aber für Innovation angepasst werden und Regulierung ist dabei unheimlich wichtig. Stellt sie doch sicher, dass die Leute sicher sind; dass die Sicherheit und die Qualität stimmen. Uber liegen Sicherheit und Qualität sehr am Herzen und wir möchten in der Lage sein, in einer Struktur operieren zu können, die das Internet und das Smartphone miteinbezieht„.

Wie die Reaktionen innerhalb der Politik für diese Reform der Regularien ausfallen ist derzeit aber noch schwer einzuschätzen. „Es freut uns natürlich, dass wir an dem Punkt angekommen sind, wo diese Gespräche geführt werden, aber es ist noch sehr früh, und wir müssen noch weiter dran arbeiten und schauen, wie sich die ganze Sache entwickelt„. Es gibt aber vermehrt positive Meldungen, so hat zum Beispiel gerade erst die Monopolkommission Dienste wie Uber oder WunderCar aus Wettbewerbssicht sehr begrüßt. Kleine Schritte in die richtige Richtung also.


Uber-Mitgründer Travis Kalanick im Interview mit CNN Money:


Ebenfalls behutsame Schritte geht Uber auch bei der Expansion in weitere deutsche Städte. „Wir kriegen irrsinnig viele Anfragen von Leuten aus Städten wo es Uber noch nicht gibt, sowohl von Leuten die Uber als Mitfahrer, aber auch als Fahrer nutzen wollen„. Das Unternehmen ist auch Wachstum ausgerichtet. „Wir sind jetzt inzwischen in 40 Ländern vertreten, aber wir sind sehr lokal in jeder Stadt implementiert. Wir haben in jeder Stadt ein Team und da dauert es einfach immer in jeder Stadt das Talent zu finden und die richtigen Leute einzustellen. Wir wollen in jeder Stadt ein Produkt anbieten, das den gleichen globalen Standard aufweist„. Auch wenn diese Schritte auf den ersten Blick recht langsam wirken, haben sie doch dazu geführt, dass das Unternehmen innerhalb weniger Jahre zu einer globalen Größe geworden ist, vor der sich die etablierten Taxiunternehmer massiv unter Druck gesetzt fühlen. So ganz falsch kann diese Taktik also nicht sein.


Image (adapted) „Geschäft“ by jarmoluk (CC0 Public Domain)

Schlagwörter: , , , ,
Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - Google Plus