Verliebt in Uber und Airbnb oder leiden Sie an Disruption-Fieber?

Wenn etwas neu ist, bedarf es keiner Regeln. Jedenfalls für Uber scheint das eine ganz einfache Lösung zu sein – aber was ist mit Airbnb? Die vor Kurzem veröffentlichten Richtlinien der australischen Labor-Partei, in Bezug auf die “Sharing Economy”, sind eine positive Entwicklung für diejenigen, die vom ungezügelten Wachstum von Unternehmen wie Uber, Airbnb und anderen in der sogenannten kollaborativen Ökonomie unmittelbar betroffen sind.

Die Bedenken konzentrierten sich auf die Tendenz dieser plattformgestützten Unternehmen, unter geringer Rücksichtnahme auf bestehende Gesetzesvorschriften und Industrienormen zu handeln – verkörpert durch Ubers global angelegten Angriff auf jede behördliche Barrieren, die das Unternehmen in seiner Handlungs- und Expansions-Freiheit einzuschränken scheinen.

Einige begrüßen diese “Störung” als notwendigen nächsten Schritt, der es der New Economy erlaubt, sich zum Vorteil der Konsumenten zu entwickeln. Andere stellen generell das Wesen dieses Fortschritts und dessen implizierte Annahme, dass sich dahinter ein Nettonutzen für die Gemeinschaft verberge, in Frage. Die Labor-Politik versucht eine Gratwanderung zwischen diesen beiden Standpunkten.

Das Hauptmerkmal dieser Politik sind sechs Grundsätze für den Umgang mit Unternehmen der “New Economy/Sharing Economy”.

Diese sind:

  • Großzügige Vorschriften und Regulierungen,

  • australische Löhne und Arbeitsbedingungen nicht kompromittieren,

  • Abgabe eines “fairen” Steueranteils,

  • Bewahrung der öffentlichen Sicherheit, inklusive Versicherung und Einhalten der australischen Verbraucherschutzgesetze,

  • barrierefreier Zugang und

  • “Einhaltung der Spielregeln” ohne Toleranz für Unternehmen, die gegen die Gesetze verstoßen.

Dies sind lobenswerte Prinzipien, die ein wenig gesunden Menschenverstand in eine Situation bringen, die manchmal wie eine “fiebrige Störung” erscheint, angetrieben vom Bedürfnis der Startups aus dem Silicon Valley nach kurzfristigen Ergebnissen und Gewinnen.

Shortens Pressemitteilung räumt ein, dass “es schwierig ist, das richtige Gleichgewicht zwischen der Unterstützung von Fortschritt und dem Schutz der australischen Gesellschaft zu finden”. Das ist es in der Tat. Es existiert eine deutliche Kluft zwischen dem Aufstellen einer Liste mit guten Grundsätzen – was immer nur eine schnelle politische Notlösung sein kann – und einer guten Politik, die entsprechend entwickelt und umgesetzt werden kann.

Annahmen hinterfragen

Um in diesem Bereich effektiv zu sein, muss sich jede Politik mit den der “Sharing Economy” zugrundeliegenden Annahmen und der damit in Verbindung stehenden Rhetorik auseinandersetzen und diese hinterfragen.

Diese Annahmen beinhalten Folgendes:

  • Wenn es neu ist oder Technik verwendet, muss es gut sein.

  • Regulierungen sind Papierkram, der darauf abzielt, kreative Menschen davon abzuhalten, die Wirtschaft zu modernisieren (und eben nicht darauf, Arbeitsstandards und Sicherheit zu gewährleisten).

  • Bei der “Sharing Economy” geht es darum, Ressourcen zu teilen (und nicht darum, globale Monopole zu erschaffen, die Steuern vermeiden).

  • Wenn es die Verbraucher wünschen, muss es gut sein.

  • Wnn es die Verbraucher nicht nur wünschen, sondern auch benutzen, sollten bestehende Gesetze nicht gelten (Gesetze haben ihren Platz in der “Old Economy”).

Es lässt sich nicht leugnen, dass die Shared Economy ein beträchtliches Potential für neue Jobs bereithält, für Wirtschaftswachstum und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Die aktuelle Debatte erlaubt jedoch keine differenzierte Analyse der verschiedenen Modelle, die unter dem breiten Mantel der “Sharing Economy” agieren.

Zwei sehr erfolgreiche Beteiligte der Sharing Economy sind beispielsweise Uber und Airbnb. Beide Unternehmen besitzen gemeinsame Merkmale. Beide sind global ausgerichtete Startups, die Plattformen anbieten, die Nutzer und Anbieter von Ressourcen oder Dienstleistungen zusammenführen und für die Herstellung dieser Verbindungen eine Provision verlangen. In beiden Fällen geht es um Fragen der öffentlichen Sicherheit und steuerliche Auswirkungen.

Es existiert jedoch ein grundlegender Unterschied zwischen beiden Modellen. Airbnb vereinfacht lediglich das Teilen von Ressourcen und beinhaltet keine wirkliche Arbeitsleistung. Außerdem hat Airbnb die Vorschriften in den meisten Fällen lediglich durch Zweideutigkeiten umgangen und dabei weder offen Gesetze gebrochen, noch die Nutzer dieser Plattform dazu ermutigt, dies zu tun.

Uber hingegen ist ein Hybrid zweier existierender Geschäftsmodelle. Das erste, Airbnb sehr ähnliche, zielt darauf ab, die Vorteile der Shared Economy zu nutzen. Es besteht aus einem global ausgerichteten Startup, welches auf der Vorherrschaft in der Vermittlung basiert. Das zweite Modell ähnelt einer Kategorie von Startups, die die Dienste von Arbeitskräften für ihre Auftragnehmer bereithalten. Dieses Modell ähnelt stark der inzwischen stillgelegten Hausreinigungsplattform “Homejoy”.

Uber missachtete bewusst lokale Vorschriften und begründete sein Handeln damit, dass keine bestehenden Regeln anzuwenden seien, weil es sich um etwas Neues handele. So beharrt es zum Beispiel darauf, dass seine “Partner-Fahrer” keine Angestellten seien und deshalb keinen Anspruch auf Arbeitnehmerleistungen hätten. Dies warf die wesentlich grundlegenderen Fragen nach Ubers Rolle in der Untergrabung von Löhnen und Arbeitsbedingungen auf.

Das Problem besteht nicht nur in Australien, auch Gerichte in den USA beanstanden Ubers Behauptung, dass “Partner-Fahrer” unabhängige Auftragnehmer und keine Angestellten seien.

Wie man sieht, stellen die Anbieter verschiedener Plattformen Gesellschaft und politische Entscheidungsträger vor unterschiedlichste Herausforderungen. Überlegungen, wie man Labors Grundsatzliste in die Praxis umsetzt, könnten eine Gelegenheit bieten, zwischen ihnen zu unterscheiden und die zwischen den verschiedenen Modellen der “Sharing Economy” stark variierenden Spannungen und Risiken herausstellen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Headache” von Peter Hellberg (CC BY-SA 2.0)


  The Conversation

Schlagwörter: , , , , , , , , ,
Emmanuel Josserand

Emmanuel Josserand

ist Professor für Management an der technischen Universität in Sydney und Direktor des Zentrums für Management und Organisation Studies.

More Posts - Website