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Twitter kopiert Facebook kopiert Twitter kopiert Facebook kopiert…

Das Wettrüsten der beiden Social Networks Facebook und Twitter um die neuesten und besten Features hat jahrelange Tradition. // von Jakob Steinschaden

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Die neuen Twitter-Profile sehen verdächtig nach dem Design aus, das Facebook 2011 als Timeline seinen Nutzern zur Verfügung stellte. Doch dass der Kurznachrichten-Dienst immer mehr wie das Social Network aussieht, ist nicht alleine seine Schuld – auch Facebook hat in der Vergangenheit fleißig bei seinem hellblauen Konkurrenten abgekupfert.


Warum ist das wichtig? Weder Twitter noch Facebook ist der wahre Innovator, vielmehr bedeutet Innovation im Silicon Valley offenbar Geben und Nehmen, ohne sich gegenseit zu klagen – zumindest bis dato.

  • Im Rennen um Nutzer gleichen sich Facebook und Twitter immer stärker aneinander an: Facebook will mehr News, Twitter mehr Privatnutzer.
  • Twitter hat sich von Facebook das neue Profil-Design, den Like-Button oder App-Install-Ads abgeschaut.
  • Facebook hat sich von Twitters Follow-Funktion, Hashtags oder den Trending Topics zu eigenen Features inspirieren lassen.

Bin ich noch auf Facebook, oder schon drüben bei Twitter? Na gut, so dramatisch ist es nicht, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich die beiden Social Networks immer stärker angleichen – zuletzt gut zu sehen bei den neuen Twitter-Profilen, deren Design mit ihrem großen Header-Bild frappant an die Facebook-Timelines erinnern. Sollte es jemals zu einem Prozess-Showdown zwischen den beiden Social Networks kommen, wird es ziemlich spannend, wer da wen für welche Kopie beschuldigt.

Twitter kopiert Facebook

  1. Profil-Design: Facebook hat seine Timeline-Profile, die mit einem großen Header-Bild personalisiert werden können, 2011 vorgestellt, Twitter zog kürzlich mit seinem eigenen Redesign nach. Auch die Möglichkeit, einen Tweet ganz oben im Profil anzupinnen, kennt man von Facebook-Profilen, wo Nutzer einen Post highlighten und damit ganz oben an der Seite platzieren können.
  2. App Install Ads: Facebook macht 59 Prozent seiner Werbeumsätze auf Mobile, und die so genannten App Install Ads sind dabei besonders erfolgreich. Seit ihrer Einführung im August 2012 haben sie für 350 Millionen App-Downloads gesorgt. Kaum verwunderlich also, dass Twitter im April 2013 ebenfalls so genannte „Mobile App Install Ads“ eingeführt hat.
  3. Photo Tags: Im Bestreben, den Nutzern mehr als nur 140 Zeichen lange Tweets zu präsentieren, hat Twitter im März 2014 neue Foto-Features eingeführt. Auf Twitter-Fotos kann man nun bis zu zehn andere Nutzer taggen. Markierungen von Personen auf Fotos gibt es bei Facebook bereits seit vielen Jahren.
  4. Tweet-Button: Im April 2010 hat Facebook seinen Like-Button vorgestellt, der bis dato in mehr als 7,5 Millionen Webseiten integriert wurde. Im August 2010 folgte Twitter mit seinem eigenen Tweet-Button für externe Webseiten, der im Prinzip das Gleiche wie ein der “Gefällt mir”-Knopf macht: Content im Web an die Follower/Friends empfehlen. Wer andere Buttons zuerst hatte, ist nicht ganz klar. Um Kurznachrichten einfach weiterleiten zu können, hat Twitter im November 2009 den Retweet-Button eingeführt, Facebook hat seinen internen Like-Button im Februar 2009 eingeführt, nachdem man die Funktion von FriendFeed abkupferte und selbige Firma im August 2009 aufkaufte.
  5. Emoticons: Seit Anfang April 2014 erlaubt Twitter die Anzeige von Emoticons in Tweets. Facebook kann das natürlich schon viel länger und schaltete die Funktion bereits im Oktober 2012 frei.
  6. Sign in with Twitter: Seit April 2009 bietet Twitter Entwickler sein “Sign in with Twitter” an, mit dem man sich auf Webseiten (und heute in Apps) anmelden kann. Das erinnert natürlich stark an “Facebook Connect”, das im Juli 2008 vorgestellt wurde.

Facebook kopiert Twitter:

  1. Hashtags: Twitter hat natürlich das Doppelkreuz im Internet berühmt gemacht, seit Juli 2009 unterstützt man die Funktion. Facebook hat erst vier Jahre später, im Juni 2013, das Feature nachgereicht – wohl auch, weil es aufgrund der Privatsphäreeinstellungen der Nutzer nur eingeschränkt funktioniert.
  2. Trending Topics: Die aktuell meist genutzten Hashtags in einer Region listet Twitter schon lange in seinen Trending Topics. Facebook fand die Funktion im Zuge seiner Bemühungen, mehr News-Charakter in sein Netzwerk zu bringen, auch sehr praktisch und kündigte Anfang 2014 an, im „Trending„-Bereich aktuelle Themen anzeigen zu wollen.
  3. Follow: Auch die Follow-Funktion, mit der man seit September 2011 den öffentlichen Postings eines anderen Facebook-Nutzers folgen kann, ist von Twitter, das von Anfang an auf das Prinzip setzte, geklaut. Zu Anfang nannte Facebook die Funktion „Subscribe“ bzw. „Abonnieren„, heute heißt sie einfach „Follow„.
  4. Öffentliche Postings: Bei Facebook waren die Beiträge der Nutzer ursprünglich nur für Freunde sichtbar. Im Laufe der Zeit hat das Online-Netzwerk die Privatsphäreeinstellungen immer stärker aufgeweicht, damit mehr Content „public“ ist – so wie auf Twitter.
  5. Vanity URLs: Früher waren Facebook-Profile unter unerträglich langen Adressen wie www.facebook.com/01234567890123456789 zu finden, seit Juni 2009 kann man sich www.facebook.com/maxmustermann besorgen. Twitter hatte schon lange vorher die „Eitelkeits„-Adressen für seine Nutzer.
  6. Verifizierte Profile: Accounts für Stars und Marken, die mit einem kleinen hellblauen Häkchen als „echt“ markiert sind, gibt es bei Twitter seit 2009. Seit Mai 2013 gibt es verifizierte Seiten und Profile auch bei Facebook, wenig überraschend ebenfalls durch ein kleines hellblaues Häkchen-Symbol gekennzeichnet.
  7. Instagram Video: Eigentlich als Foto-App gestartet, führte die Facebook-Tochter Instagram im Juni 2013 seine Videofunktion für 15 Sekunden lange Clips ein. Im Januar 2013 hatte Twitter mit Vine seine eigene Video-App gestartet, die maximal sechs Sekunden lange Clips erlaubt.

Die Liste ist möglicherweise nicht vollständig. Wenn Features fehlen, die Twitter und Facebook voneinander kopiert haben, dann schreib`s in die Kommentare.


Teaser & Image by LoboStudioHamburg (CC0 1.0)


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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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