Nein, Kim und Jack! Eure Idee würde Twitter nur schaden!

Schon versendete Tweets noch nachbearbeiten zu können, ist eine Idee, die Twitter schaden würde. Zum Glück scheint Twitter das auch zu wissen. Über Twitter gibt die US-amerikanische Reality-TV-Teilnehmerin Kim Kardashian West dem Microblogging-Dienst den Rat, ein Feature zum Editieren bereits gesendeter Tweets anzubieten. Ihr Tweet wurde über 80.000 mal favorisiert und 38.000 mal geteilt. Twitter-Mitgründer Jack Dorsey lobte die Idee sogar.

 

Die lobende Worte von Jack Dorsey sind eins, viel bedeuten müssen sie nicht. Dorsey, der inzwischen Geschäftsführer des mobilen Bezahldienstes Square ist, hat sich selbst schon während seiner aktiven Zeit bei Twitter wichtiger genommen als er wohl war (glaubt man dem ganz akzeptablen Buch “Twitter: Eine wahre Geschichte von Geld, Macht, Freundschaft und Verrat” von Nick Bilton über Twitter). Und dass er einer mehr als 33,8 Millionen Follower auf Twitter habenden Prominenten nicht widersprecht, ist auch vollkommen legitim. Doch ist die Idee wirklich so gut? Ich verstehe den Ärger von Kim Kardashian West. Einen Tweet aufgrund eines Rechtschreibfehlers zu löschen, um ihn dann ein zweites Mal korrekt zu verfassen, kann nerven. Doch wenn jeder jeden seiner oder ihrer Tweets beliebig verändern kann, verliert Twitter als Medien-Plattform an Bedeutung, denn keinem Statement kann länger als drei Sekunden vertraut werden. Es fehlt dann an Verlässlichkeit auf einem schon sowieso sehr in der Kommunikation durchoptimierten Medium. Ehrenwerte Versuche, wie der Library of Congress, das Twitter-Archiv für die Nachwelt zu erhalten und zu erforschen, wären vollkommen umsonst. Selbstverständlich können Tweets auch noch gelöscht werden. Was jemand schreibt, muss nicht für immer online stehen. Man kann sich darauf sowieso nicht verlassen. Können aber Beiträge geändert werden, kann die twitternde Person getroffene Aussagen willkürlich verändern. Dies hat eine andere Qualität als das Löschen, dem oft mit Screenshots schon entgegengewirkt werden kann. Bei den Netzpiloten embedden wir gerne auch Tweets in Artikel, um das Original eines zitierten Tweets zu zeigen. Würden Tweets im Nachhinein verändert werden, könnten Artikel auf einmal sinnlos werden, denn der Kontext fehlt. Dieser ist aber unerlässlich. Sollte es dieses schon seit Jahren geforderte und jetzt nur von Kim Kardashian West neu vorgeschlagenes Feature geben, müsste es zugleich auch eine Anzeige des Verlaufs geben. Nu Wexler, der im Gegensatz zu Jack Dorsey als Twitters Communication Manager wirklich noch was im Unternehmen zu sagen hat, findet die Idee (zum Glück) nicht so gut:


Image (adapted) „Kim Kardashian profile shot“ by Shelby Skrhak (CC BY 2.0)


Schlagwörter: , , , ,