TV-Serie: Black Mirror

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Was passiert, wenn eine spektakuläre Entführungsgeschichte in die Hände von Youtube und Twitter gerät? In welches Setting wird uns einmal unsere Obsession nach medialer Trash-Zerstreuung führen und wozu sind wir fähig, wenn wir unsere Erinnerungen mittels eines Memory-Chips digital speichern und jederzeit abrufen könnten? Charlie Brooker gibt darauf eine Antwort: Black Mirror heißt seine neue Science-Fiction-Miniserie, die vor wenigen Wochen in Großbritannien auf Channel 4 über die Bildschirme flimmerte und hierzulande bislang nur über Youtube zu empfangen ist. Jede der drei knapp 60minütigen Episoden weist mit einer anderen Besetzung, einem anderen Schauplatz und einer anderen Realität auf. Im Kern geht es aber immer um die gleiche Frage: in welcher Form beeinflussen Technologien zukünftig unser Leben? Und hat der Wahnsinn wohlmöglich schon längst begonnen..?

If technology is a drug – and it does feel like a drug – then what are the side-effects?

Um welchen schwarzen Spiegel es sich bei seiner Serie genau handelt, weiß Produzent und Autor Charlie Brooker ganz genau: „In every home; on every desk; in every palm – a plasma screen; a monitor; a Smartphone – a black mirror of our 21st Century existence.“ Nachdem sich der in England auch als scharfzüngiger Moderator und Comedian bekannte Brooker mit Serien wie Dead Set oder der TV-Dokumentation How TV ruined your life einen Namen als bissiger TV-Satiriker gemacht hat, knöpft er sich mit Black Mirror den Einfluss von sozialen Netzwerken im durchdigitalisierten Zeitalter vor. Seine orwell´schen Szenarien, die in einer nicht näher bestimmten Zukunft spielen, sind dabei nicht nur äußerst spannend, sondern auch haarsträubend echt erzählt…

Gleich in der ersten Folge „The national anthem“ kriegt die oben erwähnten Nebeneffekte der fiktive britische Premierminister Michael Callow zu spüren, als er ein Video erhält, in dem ihn die gekidnappte Prinzessin Susannah unter Todesangst mit einer unglaublichen Forderung konfrontiert. Während Callow noch verzweifelt versucht, die ganze Geschichte geheim zu halten, hat das Video über Youtube längst die breite Öffentlichkeit erreicht. Ein Wettlauf gegen die Zeit und die Medien beginnt, bei dem am Ende keiner mehr zu sagen vermag, wer eigentlich Schuld an dem ganzen Schlamassel hat: die Technologie hinter den „rolling news networks“, die paralysierten Zuschauer oder gar der Premierminister selbst, der dem Druck von allen Seiten kaum standhalten kann?

They´re all about the way we live now – and the way we might be living in 10 minutes´ time if we´re clumsy

Auch die beiden anderen Episoden widmen sich mit zynischem Humor den „side-effects“ von Technologien. Neben der Casting-Show-Satire „Fifteen Million Merits“ wird in „The entire History of you“ (geschrieben von Jesse Armstrong) die Geschichte eines Pärchens erzählt, dass sich an den Verlockungen eines Memory Chips abarbeitet, der sämtliche persönliche Erinnerungen digital speichern und jederzeit für den anderen sichtbar machen kann. Bei all diesen Episoden mag man sich unruhig fragen, ob die Technik den Menschen erst in der Zukunft so massiv überrollt oder ob das nicht schon längst geschehen ist. Brooker sieht den wunden Punkt an einer anderen Stelle: „They (the episodes) are all about the way we live now – and the way we might be living in 10 minutes‘ time if we’re clumsy. And if there’s one thing we know about mankind, it’s this: we’re usually clumsy.“

Ende Februar erscheint „Black Mirror“ in Großbritannien auf DVD. Wer nicht so lange warten möchte, kann sich diese herausragend scharfsinnige und bitterböse Miniserie auch einfach auf Youtube ansehen.

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Beate Stender

Beate Stender

ist als Musikredakteurin beim Radio und als Freie Autorin in Berlin unterwegs. Sie interessiert sich für alles, was klingt und experimentierfreudig ist. Neben den netzpiloten schreibt sie auch für kulturprozess.com. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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