Die „Answer Time“ von Tumblr war ein lahmes Meet and Greet

Mit „Answer Time“ startet die Blogging-Plattform Tumblr eine eigene Interviewrunde, ganz nach dem Vorbild von Reddits „Ask Me Anything“ (AMA). Der Auftakt mit der Band Fall Out Boy zeigt, dass solche Formate originelle Fragen generieren, aber keine spannenden Antworten oder Nähe erzwingen können. // von Angela Gruber

Tumblr startet "Answer Time" (Image: fastcompany.com)

„Ask us anything“ steht über dem Frageformular, das Nutzer des Blogging-Services Tumblr ausfüllen konnten. Mit „us“ war in diesem Fall die US-amerikanische Alternative-Band Fall Out Boy gemeint. Sie startete die „Answer Time“ genannte Tumblr-Runde, in der Nutzer jede beliebige Frage an die Gäste des neuen Formats richten können.

„Wie ein Gespräch mit Freunden“

In einem Blogeintrag von Tumblr heißt es: „Wir dachten, ihr sollt einige der Menschen treffen, die die Dinge machen, die euch auf Tumblr gefallen.“ Das Konzept sehe vor, dass Nutzer Musikern, Künstlern, Schauspielern, Politikern und Netzpersönlichkeiten direkt Fragen stellen können und diese auf ihrem Tumblr antworten – eine gewisse Werbewirkung für die Plattform ist also garantiert. „Es wird ein bisschen verrückt, in der bestmöglichen Art und Weise.

Mit ‚Answer Time‘ wollen wir tollen kreativen Leuten die Chance geben, mit ihren Fans in Interaktion zu treten„, sagte Danielle Strle von Tumblr in einem Statement. Die Atmosphäre soll „wie in einem Gespräch mit Freunden“ sein.

Pünktlich um neun Uhr abends deutscher Zeit waren die Bandmitglieder Pete Wentz und Patrick Stump live und begannen, Fragen nach Tattoos, ersten Konzerten, Haarstyling, Emos und der Familie zu beantworten. Der Ansturm auf die Fragerunde war groß, und Nutzer stellten nicht nur Fragen, sondern teilten auch persönliche Geschichten. So schrieb eine Tumblr-Nutzerin über den Tod ihrer Schwester und wie das „American Psycho/American Beauty„-Album der Band geholfen habe. Zurück kam eine eher enttäuschende, weil zwar höfliche, aber unpersönliche Antwort. Außerdem konnten Nutzer in Erfahrung bringen, wie Stump sein Müsli isst (ohne Zucker) und mit einer Zeitmaschine lieber in die Zukunft als die Vergangenheit reisen würde.

Nette Kopie von Reddits AMA, aber minus Spontaneität

Das Vorbild des Frage-Antwort-Spiels: Die „Ask Me Anything“ (AMA) genannten Runden der Plattform Reddit. Sie sind bekannt dafür, dass Nutzer Fragen stellen – und der AMA-Gast sie in Echtzeit beantwortet. Die jüngste AMA-Runde mit Whistleblower Edward Snowden hatte einiges an Aufmerksamkeit erregt. Wie für die Form des Austausch typisch gab es nicht nur hochpolitische Fragen zur NSA oder Überwachung, Snowden wurde auch nach seiner Einstellung zum „How I met your mother“-Darsteller Neil Patrick Harris befragt (lustiger Typ) und zum Thema Pizza.

Durch die Unmittelbarkeit des Ping-Pongs zwischen Fragen und Antworten haben sich oft schon spannende und authentische Momente ergeben, die in vielen glattgebügelten und autorisierten Interviews nicht zu finden sind. Tumblr geht einen leicht anderen Weg als Reddit. Die Fragen an Fall Out Boy konnten zum Beispiel vor Beginn des Gesprächs eingereicht werden. Kritik daran: Dadurch leide die Spontaneität.

Bis auf Promo nichts gewesen

Ob es nun am Prozedere lag oder den Interviewten: Die „Answer Time“ mit Fall Out Boy war insgesamt ein netter Promo-Gig, mehr nicht. Die beiden Bandmitglieder waren freundlich und bemüht und Fans waren begeistert, ihren Idolen direkt Fragen stellen zu können. Das dürfte wohl auch der Hauptzweck der „Answer Time“ gewesen sein. Wer höhere Unterhaltungsansprüche hatte, wurde durch die Antworten enttäuscht. Insgesamt war die Runde ein von Tumblr organisiertes Meet and Greet von Fans und ihren Stars.

Die Frage-Antwort-Runde mit Fall Out Boy zeigt: Das Format ist kein Selbstläufer und lebt weniger von originellen Fragen aus dem Bauch heraus (die gab es), als von Interviewten, die sich vorher gut überlegt haben, wie sie das Format spannend machen wollen – sei es durch das Einstreuen exklusiver Informationen oder die Bereitschaft, echte Nähe zuzulassen. Als Fall Out Boy nach einem Selfie gefragt wurden, wäre ein solcher Moment gekommen gewesen. Sie antworteten mit einem Game-of-Thrones-Screenshot. Auch lustig, aber irgendwie schade. Zum Schluss gab es nach einer Stunde immerhin noch ein kurzes Band-GIF.

Bald hat der Tumblr-Gründer David Karp selbst die Chance, Internetnutzer für die „Answer Time“ zu begeistern. Auch er wird der Community bald Rede und Antwort stehen, angekündigt sind außerdem Hip-Hopper Vic Mensa oder Autorin Molly McAleer.


Teaser by Tumblr | Image by Fast Company


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Angela Gruber

Angela Gruber

ist freie Journalistin und wurde an der Deutschen Journalistenschule in München ausgebildet. Auslandsaufenthalte in Israel und Washington, DC. In ihrer Arbeit geht es meistens ums Netz - egal ob für Zeit Online, den Tagesspiegel oder den Elektrischen Reporter. Sie bloggt unter netzkolumnistin.de und ist als @netzkolumnistin auf Twitter unterwegs.

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