Toshiba TransferJet im Test: Der Date-Doktor für iOS und Android

Wer Daten eines iOS-Geräts auf ein Android-Handy schicken möchte, steht oft im Regen. Apples iOS-Baby ist für fremde Systeme tabu. In Zeiten von WhatsApp und Co. ist das eigentlich kein Problem. Fotos sind schnell über den Messenger verschickt. Schnell ist da allerdings auch das in Deutschland rar gesäte Datenvolumen verbraucht. Eine Lösung möchte hier Toshiba mit TransferJet bieten. Die von Sony entwickelte, immer noch relativ unbekannte Nahbereichskommunikationstechnik soll blitzschnell Daten zwischen unterschiedlichen Geräten hin- und her senden können. Ich habe mir die kleinen Aufsätze mal genauer angesehen, und einen großen Haken bei der Sache entdeckt.

Toshiba hat Sonys TransferJet-Technologie in handliche Stecker verbaut. Besonders interessant ist hier die Übertragung von Daten zwischen iOS- und Android-Geräten, die sich in der Vergangenheit stets als Farce entpuppt hat. „Mal eben“ ein paar Fotos qualitätsverlustfrei auf ein Android-Telefon senden geht nämlich nicht. Auch nicht via Bluetooth. Das mobile Betriebssystem iOS ist so dicht wie es ein Sicherheitsschloss am Weißen Haus gerne wäre. Apples solide Systeme haben mich dennoch immer gehalten.

TransferJet: Das steckt dahinter

TransferJet von Sony ist eine sogenannte drahtlose Nahbereichskommunikationstechnik. Sie ist keinesfalls eine neue Erfindung, denn bereits 2008 wurde sie auf der CES in Las Vegas vorgestellt. Seit 2013 hat Toshiba die Technik in eigenen Produkten verbaut. Neben den Steckern für iOS und Android hält Toshiba außerdem eine SDIO-Speicherkarte und USB-Stecker für Windows bereit. Zu meinem Ärger gibt es keine USB-Sticks mit TransferJet für Mac. Hier könnte ich nämlich meine Spiegelreflexkamera mit der Speicherkarte ausstatten und die etlichen Fotos einer Session sehr fix an den Mac senden. Fehlanzeige, geht nicht.

Sehr fix heißt übrigens, dass TransferJet 100 Bilder in maximal 5 Sekunden übertragen kann. Da kommen weder Bluetooth noch NFC mit. Sony gibt als maximale Übertragungsrate 560 Mbit/s an. Die haben sich im Test deutlich bemerkbar gemacht. Mein iPhone 7 Plus und ein Alcatel Idol 4 sollten miteinander verbunden werden. Was sich im Alltag als schwieriges Unterfangen abzeichnet, funktioniert mit dem „Date-Doktor“ TransferJet sehr zügig. Bevor die beiden Smartphones allerdings miteinander kommunizieren können, benötigen ich auf jedem Handy die passende TransferJet-App von Toshiba. Die ist kostenlos im PlayStore und im App Store verfügbar und lässt sich ebenfalls schnell installieren.

iOS ist dicht – daran ändert auch Toshiba nichts

Ist die App installiert, muss nur noch der kleine Stecker ins Smartphone eingeführt werden. Für iOS ist das ein kleiner Adapter mit Lightning-Anschluss. Der passt leider nur komplett rein, wenn ich die (ultra-dünne) Schutzhülle ein wenig beiseite stülpe. Für das Alcatel-Smartphone passt der TransferJet-Stecker mit Micro-USB-Anschluss. Neuere Smartphones mit USB-Typ-C-Anschluss schauen hier leider in die Röhre. Toshiba hat bislang kein passendes TransferJet-Modul herausgebracht. Wenn beide Stecker an den Smartphones hängen, kann die wilde Paarung auch schon beginnen.

Image by Julia Froolyks
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Schnell habe ich allerdings festgestellt, dass die ganze Sache natürlich einen Haken hat. Die Eheschließung zwischen Alcatel und iPhone stellt sich nämlich als nicht ganz ideal heraus. Die Optionen, die ich beim Android-Telefon habe, sind deutlich vielfältiger. Hier kann ich neben Kontakten, Fotos oder Videos zusätzlich Musik und Dateien auf mein iPhone senden. Umgekehrt ist das leider nicht möglich. Die TransferJet-App zeigt mir beim iPhone nur die Optionen „Foto/Video senden“, „Alle Kontakte senden“ (wer will das denn?) und „Einzelne Kontakte senden“ an. Dateien oder Musik vom iPhone bleiben weiterhin unter Verschluss. Keine gute Voraussetzung für eine langlebige Beziehung.

Was zwischen den beiden TransferJet-Adaptern gut funktioniert ist die Schnelligkeit der Übertragung. Ein Foto ist innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde auf dem anderen Smartphone. Ein ganzes Album (24 Bilder) braucht ebenfalls nicht mehr als eine gute Sekunde. Das ist schon erstaunlich. In meinem Test hat die Übertragung von Daten ab einer Entfernung von zehn Zentimetern nicht mehr funktioniert. Toshiba selbst gibt hier maximal drei Zentimeter Abstand an, die die Geräte zueinander benötigen. Die beiden Smartphones konnten bequem mit etwas Abstand nebeneinander liegen beim Transfer der Dateien.

Einen großen Nutzen erkenne ich allerdings nicht wirklich. Dazu tragen vor allem einmal wieder die Einschränkungen des iOS-Systems bei. Gerade das Versenden von Dateien und Musik ist zwischen Freunden, Kollegen oder Kommilitonen besonders interessant.

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Preise und Verfügbarkeit

Zu einem gewaltigen Preis von knapp 40 Euro erhält man den TransferJet-Stecker als Lightning-Version im Internet. Als sei hier die Marke Programm, kostet der MicroUSB-Stecker für Android mit 23 Euro beinahe nur die Hälfte. Viele Händler scheinen gemerkt zu haben, dass die Technik auf nicht sehr viele Abnehmer stößt – der einzige seriöse TransferJet-Händler, den ich im Internet gefunden habe, ist Cyberport.

Mein Fazit

TransferJet übertragt wirklich blitzschnell und sehr einfach. Die App ist übersichtlich und selbsterklärend. Doch beim Test wurde mir bewusst, warum sich diese kleinen Adapter bisher nicht durchgesetzt haben: iOS ist trotz Adapter immer noch eingesperrt. An Dateien und Musik komme ich nicht dran. Der Android-Stecker unterstützt nur MicroUSB-Anschlüsse. Die sind zwar noch vorhanden, aber eher ein Relikt der Vergangenheit. Zudem sind die Stecker einfach nicht praktisch. Die Handy-Hülle muss abgemacht werden, der Stecker wird eingesteckt, die App muss geöffnet werden und dann die Smartphones zudem sehr nahe beieinander sein.

Da gibt es mittlerweile wesentlich bequemere Verfahren, zum Beispiel Cloud-Dienste wie iCloud Drive. Gut, diese fressen Datenvolumen, aber ganz ehrlich: Wer will schon unterwegs hundert Fotos oder Song-Titel mit Freunden teilen? Das macht man doch ohnehin zu Hause mit schneller WLAN-Verbindung. Der Preis ist absolut nicht gerechtfertigt und eher abschreckend – vermutlich ist das der Grund, warum kaum ein Händler die Stecker mit TransferJet noch anbietet.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Applepiloten.


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Julia Froolyks

Julia Froolyks

ist Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Neben Mobilfunk und Smartphones hegt sie eine innige Beziehungen zu Datenschutz und Cyber Security.

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