TorBoox wollte Verlage zur Kooperation zwingen

Der Betreiber der Download-Seite TorBoox, der illegal E-Books zum Download anbietet, versuchte die Verleger zur Kooperation gegen Amazon zu zwingen. E-Books gelten vielfach als zu teuer. Außerdem verlangte SpiegelBest, so das Pseudonym des Betreibers, dass sämtliche Strafanzeigen gegen ihn aufgehoben werden. Dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels schlug er die Einführung eines Flatrate-Modells vor. Weil die Verleger nicht kooperieren wollen, bleibt die Website im Graubereich. Schon im Oktober soll bei TorBoox ein eigenes Flatrat-Modell an den Start gehen.

Die Website von TorBoox (TB) macht auf den ersten Eindruck einen nichts sagenden Eindruck. Unter einem wenig aussagekräftigen Logo findet sich eine Suchmaske und weiter oben ein paar einsame Menüpunkte. Doch der erste Eindruck trügt. Beinahe 39.000 deutschsprachige E-Books von fast 14.000 verschiedenen Autoren sind dort verfügbar, die alle kostenlos heruntergeladen werden können. Im August konnte man über eine Million Seitenzugriffe zählen, bis zum Herbst sollen es insgesamt 10 Millionen Downloads sein. Die Konkurrenz aus dem Untergrund hat zwischenzeitlich reagiert, erste Warez-Foren haben im Mai begonnen, Links zu TB zu zensieren.

Gemeinsam gegen die Übermacht von Amazon?

Den Verlegern gehen mit der Existenz dieser Seite Unsummen verloren. Genau die versuchte der Macher der Seite anzusprechen. Ihm geht es darum, gemeinsam gegen die Übermacht von Amazon vorzugehen. Die drücken immer weiter die Preise, die Autoren gehen bei 2 Euro pro Download nahezu leer aus. Kurz nach der EU-weiten Aufhebung der Preisbindung dürfte von Amazon eine Art Buch-Flatrate für alle digitalen Verlagstitel kommen. Der Robin Hood der Verleger, wie er sich nennt, glaubt, es müsse in Deutschland eine Art legales Spotify für E-Books geben, dann könne man die Vormachtstellung des US-amerikanischen Quasi-Monopolisten brechen. Doch die Verleger wollen nicht. Zumindest nicht so.

Digitaler Vertrieb: Verlage sollten sich nicht überholen lassen!

Ein Geschäftsführer vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels bezeichnete die Macher als Kriminelle, die ihr Portal für eine Erpressung einsetzen. Der WirtschaftsWoche sagte der Manager, man lasse sich nicht nötigen. Auch wird darauf hingewiesen, es gebe bereits Flatrate-Angebote im Verlagsbereich. Doch die Auswahl der verfügbaren Werke ist recht begrenzt. Laut SpiegelBest könne man die Kunden nur mit einem lückenlosen Flatrate-Angebot von sich überzeugen. Halbherzige Angebote werden keine Chance gegen die zunehmende illegale Konkurrenz haben.

Auch die Musikindustrie musste nach Aufkommen der Tauschbörse Napster immer wieder die Erfahrung machen, dass man mit halbgaren Konzepten kein Geld verdienen kann. Die Konsumenten wollen ein vollumfängliches Angebot nutzen. Weil das in den letzten 15 Jahren keinem Plattenlabel gelang, wurden sie beim digitalen Vertrieb ihrer eigenen Werke von Apple und Amazon überholt, die bis heute die Preise mitbestimmen. SpiegelBest, der ebenfalls im Verlagsbereich tätig ist, glaubt daran, dieses Risiko bestehe nun auch bei E-Books.

Die GVU soll TorBoox vom Netz nehmen

Da man die Strafanzeigen gegen unbekannt nicht aufheben will und die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzung (GVU) mit der Ermittlung der Hintermänner beauftragt hat, bleibt seine Website im Untergrund. Geht es nach den Verlegern, so soll die GVU nicht nur kino.to direkt und movie2k.to indirekt abschalten, sondern auch dem Robin Hood der E-Books den Garaus bereiten. Doch so lange keine Gelder fließen, dürfte den Ermittlern der GVU die Verfolgung sehr schwer fallen. Die effektivste Methode war es bisher stets, dem Weg des Geldes zu folgen. Doch TB schaltet absichtlich keine Werbung.

Gegen die Zeitungen Tagesspiegel und Die Zeit erstellte die GVU Strafanzeige, weil sie sich erdreisteten, den Buchpiraten in ihrer Zeitung öffentlich zu befragen. Diverse Juristen halten die Anzeige aber für wenig aussichtsreich. Die reine Namensnennung des Download-Portals sei noch keine Hilfestellung zu gewerblichen Urheberrechtsverletzungen. GVU-Chef Matthias Leonardy ist selbst Jurist und weiß, dass die Staatsanwaltschaften durchaus Besseres als die Verfolgung von Journalisten zu tun haben. Die Anzeige wird vielfach sogar als reine PR-Aktion gewertet. Ob den privaten Ermittlern der GVU die Aufdeckung der TB-Betreiber möglich ist, muss sich noch zeigen. Nach eigener Auskunft haben die Buchpiraten alle verfügbaren Schutzmaßnahmen eingerichtet, um eine Aufdeckung unmöglich zu gestalten.

Gelingt es die Buchautoren zu beteiligen?

Die angekündigte Flatrate will TB ab dem 1. Oktober nun selbst anbieten. Die registrierten Nutzer sollen ihre Gebühren via Paysafe oder Bitcoin entrichten. 10 Euro Kosten pro Quartal fallen dann nach einmaliger Registrierung für den grenzenlosen Download an. Da angesichts der Besucheranstürme schon wieder ein neuer Proxy angemietet werden musste, wird man damit zunächst die eigenen Kosten decken. Auch wird sicher schon bald außerhalb der EU ein neuer Server fällig sein, um einen reibungslosen Ablauf der Downloads zu garantieren.

Doch wo bleiben bei dieser Rechnung die Autoren? Für die soll es künftig eine Spenden-Optionen via Flattr geben. Außerdem will man direkte Links auf die Websites der Buchautoren setzen, um die Aufmerksamkeit dort hin zu lenken, wo sie hingehört. Der Micropayment-Dienstleister Flattr wird aber bisher ausschließlich von einigen technikaffinen Bloggern und Podcastern genutzt. Für die meisten Autoren ist dies im wahrsten Sinn ein Buch mit sieben Siegeln. Von daher dürfte es kompliziert werden, die schreibende Zunft direkt an den Erlösen zu beteiligen.

Direkte Links zu privaten Autoren-Websites sind bei den hohen Zugriffszahlen von TorBooks sicher eine gute Werbung. Kaufen können sich die Autoren davon aber noch nichts. Sie können ihren Kühlschrank bekanntlich nur gegen Bares füllen, nicht mit ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Der Vorsatz ist erst einmal positiv zu bewerten. Doch bis auf wenige Ausnahmen dürfte es schwierig bis unmöglich sein, weniger technikbegeisterte Autoren an den Einnahmen zu beteiligen.


 


 

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Lars Sobiraj

Lars Sobiraj

schrieb von 2000 bis zum Jahr 2002 für mehrere Computerzeitschriften rund 100 Artikel. Von April 2008 bis Oktober 2012 leitete er beim IT-Portal gulli.com die Redaktion als Chefredakteur. Thematische Schwerpunkte der über 1.000 Beiträge sind Datenschutz, Urheberrecht, Netzpolitik, Internet und Technik. Seit Frühjahr 2012 läuft die Video-Interviewreihe DigitalKultur.TV, die er mit dem Kölner Buchautor und Journalisten Moritz Sauer betreut. Seit mehreren Monaten arbeitet Lars Sobiraj auf freiberuflicher Basis bei heute.de, ZDF Hyperland, iRights.info, torial, Dr. Web und vielen weiteren Internet-Portalen und Blogs. Zudem gibt er Datenschutzunterricht für Eltern, Lehrer und Schüler. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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