internet_mausefalle (Bild: Dennis Skley [CC BY-ND 2.0], via flickr)

5 Tipps von Edward Snowden für mehr Online-Sicherheit

Edward Snowden hat nicht nur die Massenüberwachung durch die Sicherheitsdienste aufgedeckt, er hat immer wieder auch Tipps gegeben, wie man seine Daten schützen kann. // von Daniel Kuhn

internet_mausefalle (Bild: Dennis Skley (CC BY-ND 2.0))

Eine große Umfrage des unabhängigen kanadischen Think Tanks CIGI (Centre for International Governance Innovation) hat ergeben, dass insgesamt 60 Prozent der 14.000 Befragten bereits von Edward Snowden und seinen Enthüllungen gehört haben. Bei den Befragten aus Deutschland waren es sogar überwältigende 94 Prozent. Doch tatsächlich etwas am eigenen Verhalten geändert haben davon gerade einmal 39 Prozent. Das Thema Sicherheit ist in den Augen der meisten Nutzer komplex, kompliziert und unbequem. Doch mit ein paar einfachen Tricks kann man seine Daten und seine Privatsphäre bereits sehr effektiv schützen.


Warum ist das wichtig? Neben den Geheimdiensten sind vor allem Werbeunternehmen, Online-Händler, Hacker und Bots an unseren Daten interessiert – viele gute Gründe also, um sich um mehr Schutz zu bemühen.

  • Schutz der eigenen Daten und Privatsphäre online geht uns alle an, denn jeder hat etwas zu verstecken, wenn nicht vor der derzeitigen Regierung, dann vor Werbeunternehmen, Online-Händlern oder Hackern.

  • Zu den wichtigsten Schritten gehören, beliebte Online-Services wie Facebook und Google meiden, Festplatte sowie Online-Kommunikation verschlüsseln, Online-Tracking vermeiden und den Tor-Browser nutzen.

  • Eine einfache Lösung, die als Wunderwaffe wirkt, gibt es leider nicht, aber eine Vielzahl von Tools, aus denen man sich das Passende heraussuchen kann.


1. Meidet beliebte Online-Services wie Google, Facebook oder Dropbox!

Der erste Tipp dürfte für viele Nutzer gleich auch am schwierigsten umsetzbar sein. Ein Leben ohne Dienste wie Gmail, Google Maps oder Facebook ist für viele unvorstellbar. In einem Videointerview für das New Yorker Festival hat Edward Snowden Google und Facebook allerdings als gefährliche Dienste bezeichnet, die man zum Schutz der Online-Privatsphäre meiden sollte. Beide Unternehmen hatten in der Vergangenheit bereits Probleme mit dem Datenschutz und auch wenn in dem Bereich vieles verbessert wurde, sind Datenschutz und Einstellungsmöglichkeiten für die Privatsphäre nicht auf dem höchstmöglichen Stand.

Auch der Cloud-Speicheranbieter Dropbox wurde von Snowden stark für das Fehlen einer lokalen Verschlüsselung kritisiert. Stattdessen empfiehlt er Services wie SpiderOak, deren Server aufgrund von lokaler Verschlüsselung nie den Inhalt der hochgeladenen Daten im Klartext kennen.

2. Verschlüsselt eure Festplatten!

Dateien mit Passwörtern zu sichern ist zwar sinnvoll, aber auch nur ein kleiner Schritt auf dem Weg den Inhalt der Festplatte zu schützen. In einem Videointerview auf der SXSW 2014 nannte Snowden Verschlüsselung die „Verteidigung gegen die dunklen Künste“ für die digitale Welt. Die Festplatte zu verschlüsseln schützt die Daten vor den Zugriffen Dritter, falls ein Computer oder Laptop verloren, gestohlen oder beschlagnahmt wird. Die Umsetzung ist zudem nicht schwierig und auch für Normalnutzer zu meistern.

Einige Betriebssysteme bieten die Option zur Verschlüsselung der Festplattendaten bereits von Hause aus an. OS X-Nutzer können zum Beispiel das eingebaute FileVault2-Verschlüsselungs-Tool nutzen. Linux-User, die Ubuntu nutzen, können auf das LUKS (Linux Unified Key Setup) zurückgreifen. Und Windows 7- und 8.1-Nutzer, die eine Ultimate oder Enterprise-Lizenz (oder Windows 8.1 Pro) ihr Eigen nennen, können das integrierte Bitlocker-Tool nutzen.

3. Vermeidet Online-Tracking mit Browser-Erweiterungen!

Es ist wahrscheinlich jedem bekannt, dass viele Webseiten das Surfverhalten der Nutzer tracken. Das Ziel ist es natürlich, gezieltere Werbung zu schalten und das Einkaufserlebnis online personalisieren zu können. Viele Browser wie Chrome oder Internet Explorer 10 bieten zwar „Do not Track“-Optionen, doch mit zusätzlichen Erweiterungen kann man zusätzlichen Schutz und Anonymität erlangen.

Die wohl bekannteste und vielseitigste Erweiterung dieser Art ist Ghostery. Neben Erweiterungen für allen gängigen Browser, steht Ghostery auch als App für Android und iOS zur Verfügung.

4. Verschlüsselt digitale Kommunikation in Chat und E-Mail!

Die Verschlüsselung von digitaler Kommunikation per Chat und E-Mail und sogar Telefongesprächen ist wichtig und nur sehr wenig praktiziert, dabei gibt es viele Optionen. Silent Circle bietet ein Rundumsorglos-Paket an, allerdings gegen eine monatliche Gebühr. Outlook-Nutzer können ihre E-Mails problemlos über die integrierte Funktion verschlüsseln, und Online-Dienste wie Hushmail bieten ebenfalls Verschlüsselung ab Werk.

Wer lieber kostenlose Tools nutzen möchte, kann seine E-Mails mit Thunderbird und der Erweiterung Enigmail verschlüsseln. Google arbeitet derzeit zwar auch an einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Gmail-Nutzer, wann diese aber aus der derzeitigen Alpha-Phase entwächst, ist noch nicht bekannt.

Zum Chatten gibt es Dienste wie ChatCrypt, die die Nachrichten verschlüsseln, bevor sie den Browser verlassen, so dass nur der Empfänger mit dem richtigen Passwort diese lesen kann.

5. Nutzt den Tor-Browser!

Auch wenn das Ansehen des Tor-Browsers seit vergangenem Sommer etwas gelitten hat, nachdem die Erfinder zugeben mussten, dass das Netzwerk nicht undurchdringlich ist, was durch den Schlag gegen den Online-Drogenumschlagplatz Silk Road 2 nochmals bestätigt wurde, ist er immer noch die sicherste Wahl für alle, die um ihre digitale Privatsphäre besorgt sind. Das Tor-Team behauptet auch nicht, dass der Browser die Lösung aller Privatsphäre-Probleme sei, ganz im Gegenteil. Sie betonen immer wieder, dass Tor nur eines von vielen Tools ist und man sich nicht nur auf den Browser verlassen sollte, sondern nur eine Kombination verschiedener Tools die Anonymität des Nutzers schützen kann.


Teaser & Image by Dennis Skley (CC BY-ND 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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