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Tersee: Die Suchmaschine made in Germany

Tersee nennt sich die Echtzeit-News-Suchmaschine aus Deutschland. Mit dieser möchte das gleichnamige Startup niemand geringerem als Google Konkurrenz machen. // von Lukas Menzel

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Der Suchmaschinenmarkt ist in der Hand von Google. Fast 95 Prozent beträgt der Marktanteil des „Quasimonopolisten“ in Deutschland. Doch auch, wenn es somit fast unmöglich scheint gegen den amerikanischen Riesen unter den Suchmaschinen anzukommen, gibt es mit dem Startup Tersee eine deutsche Alternative im Suchmaschinenmarkt – zumindest bei der Suche nach News und aktuellen Ereignissen.


Warum ist das wichtig? Tersee nennt sich die Echtzeit-News-Suchmaschine aus Deutschland. Vor drei Jahren von Mikael Voss und Lars Petersen gegründet, strebt das gleichnamige Startup an, den Google News Konkurrenz zu machen.

  • Das einzige Suchkriterium ist die Aktualität. Zudem werden Mainstreammedien als auch Blogs gleich bewertet.

  • Auch wenn das Featureset von Tersee soweit fertig ist, wird noch fleißig an der Optimierung gearbeitet.

  • Auch als deutsche Suchmaschine und Google-Alternative wehrt sich Tersee gegen einen „Schutzgeldvertrag“ mit der VG Media à la Leistungsschutzrecht für Presseverlage.


Auf die Idee eine eigene Suchmaschine zu entwickeln sind Mikael Voss und Lars Petersen erst durch einen befreundeten Journalisten gekommen. Die Idee ließ die beiden Kognitivwissenschaftler aber nicht los, sodass sie sich 2011 dazu entschieden mit Tersee ihre eigene Alternative für Google, beziehungsweise genauer gesagt für Google News, zu entwickeln. Tersee hat sich auf die News-Suche spezialisiert und möchten in Echtzeit Informationen zu aktuellen Ereignissen, Events und allen anderen Nachrichten liefern. Der Grund, warum sie sich für diesen Bereich entschieden haben, begründet Mikael Voss damit, dass dies ein relativ großer Markt sei und sich die meisten Suchanfragen im Netz auf aktuelle Themen richten würden. Ebenfalls sei es als kleines Startup schwierig, eine allgemeine Websuche zu entwickeln und alles abzudecken.

Tersee ist mehr als eine Kopie von Google News

Auch wenn man auf den ersten Blick denken könnte, dass Tersee nichts weiter als eine Kopie von Google News ist, unterscheidet sich die Suchmaschine doch vom großen Konkurrenten und möchte ihre eigene Nische finden. „Wir sehen da durchaus die Möglichkeit, Google in dem Bereich Konkurrenz zu machen“, sagt Mikael Voss. Dies soll zum einen durch schnelle Echtzeitsuche geschehen, da der Algorithmus darauf ausgelegt ist, möglichst neu publizierte Artikel sofort aufzunehmen und zum anderen durch die chronologische, nur nach dem Kriterium der Aktualität angeordnete Auflistung der Suchergebnisse. „Mit jedem Versuch die Relevanz zu bewerten, verzerrt man natürlich das Bild der Nachrichtenlage. Das sieht man zum Beispiel bei Google News, wo in der Standardeinstellung primär die Mainstreammedien präsentiert werden. Wir sind eher auf Nutzer ausgerichtet, die wirklich an einer Sache live dabei sein wollen„, begründet Voss diese Entscheidung. Somit eignet sich Tersee ideal als Recherchetool, um sich schnell ein Bild über die aktuelle Nachrichtenlage zu machen.

Die Suche funktioniert dabei genauso simpel wie auch gut. Man kann auswählen, ob man nach Websites oder Videos suchen möchte und erhält dann zu dem jeweiligen Suchbegriff passende Links angezeigt. Hierbei werden, anders als bei Google News, nicht nur größtenteils die Mainstreammedien angezeigt, sondern auch Blogs. In dem Index sind dabei nicht nur deutsche Websites enthalten, sondern sämtliche romanische Sprachen, sowie Arabisch. „Von Anfang an war es unser Ziel, eine internationale Suchmaschine zu sein und uns nicht auf den deutschsprachigen Markt zu beschränken“, erklärt Voss diese Entscheidung. Dies hat aber auch gleichzeitig zu einigen Problemen geführt, da so anfänglich deutsche Nutzern auch Suchergebnisse in Dänisch oder Schwedisch angezeigt wurden, wenn gesuchte Begriffe, wie Ebola, in mehreren Sprachen gleich sind. Deshalb integriert Tersee momentan auch eine Sprachfilterung. Darüber hinaus ist geplant, dass man in Zukunft auch den Suchzeitraum einschränken kann, sodass Tersee dann auch ein Newsarchiv ist. Ebenso hat das junge Startup bei der semantischen Suche, also der Analyse des Suchtextes nach dem Sinn, noch einiges vor sich. Generell ist aber das eigentliche Featureset so gut wie fertig. „Wir wollen nur das, was wir machen, so gut wie möglich machen.“, formuliert es Lars Petersen.


Hier könnt ihr Tersee selbst auf Herz und Nieren testen und euch euer eigenes Bild von der deutschen Suchmaschine machen.


Gegen den „Schutzgeldvertrag“ der VG Media

Auf dem Weg die eigenen Ziele zu erreichen, ist Tersee aber in den letzten Monaten nicht ohne Gegenwehr ausgekommen. So hat die VG Media im Oktober der Suchmaschine einen Brief zukommen lassen und zum Abschluss eines Lizenzvertrages eingeladen. Öffentlichkeitswirksam hat Tersee auf Twitter diese Einladung aber abgelehnt, da das Startup der rechtlichen Auffassung ist, dass die kurzen Textsnippets, die in den Suchergebnissen dargestellt werden, unter die gesetzliche Regelung der „kleinsten Wörter und kleinsten Textausschnitte“ fallen und somit die VG Media keinerlei Ansprüche habe. „Man muss mal klarstellen, dass die VG Media selber gar nicht weiß ob Sie Ansprüche hat. Das wollte Sie uns auch nicht sagen, sondern was Sie eigentlich wollte war, dass wir eine Art Schutzgeldvertrag abschließen. Sie haben gesagt: Einigt euch doch, dann kann euch nichts passieren. Ob das wirklich notwendig ist, sagen wir euch gar nicht.“, begründet Lars Petersen die Entscheidung. Beide Gründer halten nicht viel vom Leistungsschutzrecht: „Der Restaurantvergleich ist ganz schön. Die Presseverleger haben es geschafft ein Gesetz auf den Weg zu bringen, wo der Taxifahrer, der dem Restaurant Gäste vorliefert, Geld an das Restaurant abführen soll.“ Da Tersee sich aber im Recht sieht, befürchtet das Startup keine Konsequenzen, solange der Gesetzgeber nicht zugunsten der Verlage nachbessert.

Viel mehr konzentriert sich das Startup auf die Weiterentwicklung und damit die Zukunft. Schließlich soll das Unternehmen, in das bislang von Investoren ein sechsstelliger Betrag geflossen ist, irgendwann auch Geld verdienen, auch wenn die Einnahmen durch Werbung zur Zeit bereits die Betriebsausgaben decken. „Das können nicht viele Startups von sich sagen„, betont Gründer Mikael Voss. Um aber in die Gewinnzone zu kommen, ist zum Beispiel angedacht, Sponsored Content, ähnlich wie bei Twitter, einzuführen und APIs für Drittanbieter bereitzustellen.

Aktuell 10.000 Suchanfragen pro Tag

Dazu bleibt natürlich weiter zu hoffen, dass sich die Suchanfragen, die sich momentan auf knapp 10.000 pro Tag belaufen, steigern werden. Hierfür möchte Tersee weiterhin auf Mund-zu-Mund Propaganda setzen und hofft, dass es irgendwann den Moment gibt, wo es „Klick“ macht, ähnlich wie es bei Twitter oder anderen erfolgreichen digitalen Startups der Fall war.

Dass dieser Durchbruch irgendwann eintritt, ist nicht ganz unwahrscheinlich, denn technisch gesehen ist Tersee auf dem besten Weg, sich zu einem ernsthaften Konkurrenten von Google, beziehungsweise Google News, zu entwickeln und die mangelnde Entwicklung des Google-Dienstes zu nutzen. Die simple Suche liefert gute Ergebnisse und das Konzept, diese nur nach dem Kriterium der Aktualität anzuordnen, überzeugt. Dazu zeigen die angekündigten Optimierungen, insbesondere die Möglichkeit den Suchzeitraum einzuschränken, dass die Suchmaschine noch einiges Potenzial nach oben hat. Somit ist es zu begrüßen, dass es mit Tersee nun eine deutsche Alternative zu den Google News gibt – auch wenn man von Konkurrenz noch nicht reden kann.


Teaser & Image by Tobias Schwarz (CC BY 4.0)


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Lukas Menzel

Lukas Menzel

ist als Digital Native tagtäglich in den Weiten des Netzes unterwegs. Er berät als Teil der Becker-Banse Medien Unternehmen zu den Themen Social Media, Webdesign und Webvideo. Dazu leitet er das Online-Magazin Broadmark und ist auch auf Twitter zu finden. Bis März 2015 war er Teil der Netzpiloten-Redaktion.

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