Telewebber-Macher Andreas Dittes im Interview

Nach unserem ausführlichen Test von Telewebber kommt nun einer der Macher zu Wort: Andreas Dittes, Jahrgang 1984, ist zusammen mit Heiko Seebach und Hannes Schippmann Gründer und Geschäftsführer der telewebber GmbH. Seine Aufgabenbereiche sind vor allem Marketing und Vertrieb. Als leidenschaftlicher Blogger pflegt er zudem das Corporate Blog von Telewebber. Im Blogpiloten-Interview spricht er über seine persönlichen Ansichten zum Thema Internet und Fernsehen sowie zur Zukunft von Telewebber.

BP: Was bedeutet „Digital Lifestyle“ für Dich ? Welche Rolle spielt Telewebber dabei?

AD: Für mich bedeutet „Digital Lifestyle“ die zunehmende Digitalisierung unseres Alltags. Die ganzen Tools und Gadgets verknüpfen sich und passen sich an unsere Bedürfnisse an. So zumindest die Theorie – in der Praxis fehlt da oft noch ein bisschen was…

Die Rolle von telewebber soll dabei die Verknüpfung von TV und Internet sein. Als Nutzer bekomme ich einen Sendungsvorschlag für den Abend, der meine Interessen anspricht und mitteilt, welche meiner Freunde die Sendung auch sehen wollen. Während der Ausstrahlung kann ich mich mit meinen Freunden oder anderen Fans der Serie oder des Films unterhalten und interagieren.

BP: Bei den Blogpiloten gab es in den letzten Wochen vermehrt Beiträge zur Zukunft des Fernsehens. Der Tenor war dabei meist, dass die Web-2.0-Crowd das Fernsehen stark kritisiert hat. Man konnte den Eindruck bekommen: du bist entweder Web oder du bist Fernsehen. Telewebber geht nun einen interessanten anderen Weg: der Dienst versucht, das Beste aus den beiden Welten zu vereinen. Wie kam es zu der Idee?

AD: Zu der Idee sind wir schon vor fast 1,5 Jahren gekommen, nachdem Heiko vergeblich nach einem TV-Chat gesucht hatte. Schnell wurde uns klar, dass es hier einen Bedarf gibt, der noch nicht gedeckt wird.

Wir glauben, dass es mit telewebber möglich ist, klassisches Fernsehen wieder interessant zu machen und neue Möglichkeiten für die Nutzer und die Werbeindustrie zu schaffen.

BP: Wer ist eure Zielgruppe? Und wie sind die Nutzerzahlen im Augenblick?

AD: Unsere Zielgruppe sind alle Onliner, die sich über die TV-Inhalte unterhalten wollen. Hier vor allem junge Leute, die gleichzeitig TV schauen und im Internet surfen. Wir haben mit etwas über 1000 Nutzern die „Sneak Preview“ gestartet und arbeiten jetzt am Wachstum der Community.

BP: Im Test war ich fasziniert von einigen der Ideen, die in Telewebber stecken, wie zum Beispiel die Spielchen für die Werbepausen. Wie entwickelt ihr das System weiter?

AD: Wir haben sehr viele Ideen, wie man die Plattform weiterentwickeln kann. Hier ist vor allem unsere besondere Position zwischen TV und Internet sehr interessant. Ein Beispiel, Sendungsvorschläge anhand der Sehpräferenz anzubieten, möchte ich später noch ausführlicher erläutern. Lasst euch überraschen…

BP: Habt ihr Vorbilder und/oder Konkurrenten, von denen ihr euch abheben wollt?

AD: Natürlich gibt es viele Dienste, die ganz leicht in unsere Richtung gehen; eine direkte Konkurrenz haben wir jedoch nicht. Unser Fokus liegt auf „Realtime Crossmedia“ – wir wollen TV und Internet auf eine neue Art verbinden und damit interaktives Fernsehen durch Nutzung vorhandener Infrastrukturen ermöglichen.

BP: Telewebber hat eine Vielzahl an Features, die wirklich Spaß machen. Im Test sind mir noch einige Verbesserungsvorschläge eingefallen: man könnte zum Beispiel den Nutzer ermöglichen, die Sendungen zu beschreiben oder Empfehlungen auf Basis der Sehpräferenzen geben, wie es etwa last.fm oder auch Amazon für Musik tun. Ist etwas in dieser Richtung geplant?

AD: Dieses Feature haben wir in der Tat schon auf unserer Liste. Ähnlich wie bei Last.fm wollen wir den Nutzern auch Sendungsvorschläge unterbreiten können. Hier soll es neben dem vollautomatischen Matching allerdings auch die Möglichkeit geben, sich in Interessensgruppe zu organisieren und dort auch Sendungsvorschläge mit anderen Nutzern auszutauschen. Dies ist eine Möglichkeit, klassisches Fernsehen durch die Zusammenstellung verschiedener Sendungen zu personalisieren.

BP: Wo wollt ihr hin mit dem Dienst? Was ist eure Vision?

AD: Wir können uns vorstellen, dass durch telewebber in Zukunft echte interaktive Fernsehprogramme ermöglicht werden. Im Zuge der Medienkonvergenz soll es egal sein, wo die TV-Inhalte konsumiert werden – telewebber kann auf allen Endgeräten zu Interaktion und Kommunikation live zum Programm genutzt werden.

BP: Dienste im Web leben von der Aktivität ihrer Mitglieder. Welche Aktionen plant ihr, um telewebber bekannter zu machen und Nutzer an euch zu binden?

AD: Wir haben gesehen, dass zu Events wie der Fussball-EM das Interesse an Austausch extrem hoch ist. Hier und im Umfeld von TV-Serien werden wir verstärkt aktiv sein. Zur Fussball-EM hatten wir mit „Mon Schiri“ beispielsweise einige extra für de Sendung angepasste interaktive Elemente. Die Nutzer konnten selbst Schiedsrichter werden und gelbe Karten verteilen, Fouls pfeifen oder virtuelle La-Ola Wellen starten.

BP: Wie ist deine Meinung zur Zukunft des Fernsehens? Welche Entwicklungen werden wir miterleben, gerade auch in Anbetracht des Webs?

AD: Ich glaube, dass es das klassische Fernsehen noch lange geben wird. Gerade die verschwindend geringe Nutzung von IPTV zeigt, dass viele Nutzer einfach noch nicht bereit sind, selbst zum Programmdirektor zu werden. Natürlich werden die Medien immer weiter verschmelzen, aber das ist ein Prozess, der extrem langsam voran geht…

BP: Gibt es sonst noch etwas, das du unseren Lesern mitteilen möchtest?

AD: Klar: Probiert telewebber aus – denn nur gemeinsam kann man besser fernsehen!

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Björn Rohles

Björn Rohles

ist Medienwissenschaftler und beobachtet als Autor („Grundkurs Gutes Webdesign“) und Berater den digitalen Wandel. Seine Themenschwerpunkte sind User Experience, anwenderfreundliches Design und digitale Strategien. Er schreibt regelmäßig für Fachmedien wie das t3n Magazin, die Netzpiloten oder Screenguide.

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