Smart Home (Bild: wissenschaftsjahr [CC BY 2.0], via Flickr)

Technologie am Scheideweg: Smart Home oder Überwachung?

Durch die Analyse elektromagnetischer Wellen lassen sich Rückschlüsse auf das Verhalten von Menschen ziehen – im Smart Home auch rund um die Uhr. // von Tobias Schwarz

Smart Home (Bild: wissenschaftsjahr [CC BY 2.0], via Flickr)

Die Aussagekraft von Daten wächst mit zunehmender Dichte des Aufkommens von Daten, ein in Zeiten der Digitalisierung unserer Gesellschaft zunehmender Prozess. Die beiden Wissenschaftler Shuyu Shi und Stephan Sigg werten elektromagnetische Wellen von Funkgeräten aus, wie zum Beispiel Radios, Smartphones oder WLAN-Routern. Schon jetzt können sie anhand von WLAN-Signalen Rückschlüsse auf das Verhalten von Menschen ziehen, im Smart Home der Zukunft wäre somit auch die Totalüberwachung, neben anderen Nutzungsmöglichkeiten, in den eigenen vier Wänden möglich.

Auf Zeit Online schreibt der Journalist Felix Lill über seinen Besuch der beiden Wissenschaftler an der Universität Göttingen, die ihre Forschungsarbeit bereits am Tokioter National Institute of Informatics begonnen haben. Shi und Sigg werten elektromagnetische Wellen aus, zum Beispiel „für die Beobachtung von Menschen„, wie Lill die Aussage von Sigg – „Da die Wellen ohnehin durch die Luft strömen, können wir sie uns auch für andere Dinge zunutze machen“ – konkretisiert. Doch die Anwendung der Technologie ist wie immer vielseitiger, um hier nur zwischen gut (Smart Home) und böse (Überwachung) zu unterscheiden.

Technologie für das Smart Home von morgen

Sigg will seiner Forschung auch nicht als Grundlage zur Überwachung verstanden wissen. Er weist im Gespräch mit Zeit Online auf die positiven Anwendungsbeispiel hin, wie z.B. die sich im Smart Home von morgen selbst regulierende Heizung, die auf Anwesenheit von Personen reagiert oder der Bewegungsmelder, die bei Inaktivität von pflegebedürftigen Menschen automatisch den Rettungsdienst informiert. Dies ist zwar alles auch mit anderen Techniken möglich, aber Sigg sieht mehr Vorteile bei seiner Methode: „Erstens braucht bei unserer Analyse elektromagnetischer Wellen niemand einen Empfänger mit sich herumzutragen. Wir brauchen also keine Smartphones dafür. Es reicht, wenn ein Empfänger fest im beobachteten Raum installiert ist. Und zweitens verletzen wir nicht die Privatsphäre im engeren Sinn„.

Sebastian Wille vom Kaiserlautener Startup asandoo stimmt ihm da zu. Mit dem von asandoo entwickelten Begleitsystem können Pflegebedürftigte mithilfe von kabellosen Sensoren, ähnlich Rauchmeldern, beobachtet werden. Erfassen die Sensoren keine Aktivitäten in der Wohnung, senden sie direkt ein Alarm an einen Pflegedienstleiter oder den Rettungsdienst. „Das kann Leben retten„, sagt Wille. Für Wille ist dies keine Form der Überwachung, ähnlich dem Ausspähen von Kommunikation oder Videoüberwachung. Der Sensor ist für ihn ein Preis, den man für bestimmte Vorteile durch die Nutzung zahlen muss, aber ein in einer ohnehin zunehmend digitalisierten und vermessbaren Welt, den man auch bezahlen kann.

Datenschutz in der Grauzone?

Asandoo hält sich an den deutschen Datenschutz mit seinem hohen Schutzniveau, wie Wille bestätigt. Trotzdem würde er sich mehr Dialog mit der Politik wünschen, vor allem den Datenschutzbeauftragten. Die haben bisher wenig Interesse an dem deutschen Startup gezeigt, dass bewusst auf Hardware aus deutscher Produktion und verschlüsselte Datenübertragung setzt. Das Interesse galt bisher eher Geräten, wie der Xbox One, die der ehemalige Budnesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar auf Spiegel Online stark kritisierte: „Die Xbox registriert ständig alle möglichen persönlichen Informationen über mich. Reaktionsgeschwindigkeiten, meine Lernfähigkeit oder emotionale Zustände. Die werden dann auf einem externen Server verarbeitet und möglicherweise sogar an Dritte weitergegeben. Ob sie jemals gelöscht werden, kann der Betroffene nicht beeinflussen„.

Asandoo entwickelt ein Stück deutsche Technologie für das Smart Home der Zukunft. Was wir von den Möglichkeiten der Vernetzung in Zukunft erwarten, müssen wir als Gesellschaft definieren. Dazu müssen wir wissen, wie ein moderner Datenschutz aussehen soll, in dem unsere Privatsphäre geachtet wird und wir trotzdem Möglichkeiten der Digitalisierung zu unserem Vorteil nutzen können.


Teaser & Image by wissenschaftsjahr (CC BY 2.0)


Schlagwörter: , , , , ,
Tobias Schwarz

Tobias Schwarz

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - Google Plus