Check-up Ireland: Webwise ist Irlands Beitrag zum Safer Internet Day

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im Verlauf der kommenden 12 Monate werde ich nun die „Tech-Insel“ aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Webwise sorgt in Irland für ein sicheres Netz (nicht nur am Safer Internet Day)

Der Safer Internet Day ist für Webwise natürlich so etwas wie der beste Tag zur Außendarstellung. Zahlreiche Schulen organisieren Veranstaltungen unter dem Motto „Seid der Wandel! Vereinigt euch für ein besseres Internet!“

Webwise, hinter dem das irische Bildungsministerium und das Safer Internet Programme der EU stehen, ist aber auch über diesen besonderen Tag hinaus äußerst aktiv. Als Teil von „PDST Technology in Education“ steht das ganze Jahr über die Förderung der Integration von ICT in das Lehren & Lernen an Grundschulen und weiterführenden Schulen auf dem Programm.

Webwise – der Kern

Der Kern der Tätigkeit von Webwise liegt bei der Förderung der autonomen, effektiven und vor allem sicheren Nutzung des Internets durch junge Menschen mittels nachhaltiger Informations-Kampagnen, die sich gleichsam an Eltern, Lehrer und die jungen Menschen selbst richten. Eltern bekommen Rat, wie sie das Online-Leben ihrer Kinder begleiten können. Lehrer bekommen Werkzeuge an die Hand, die es ihnen leichter machen, Internet-Sicherheit in den Unterricht einzubauen. Und die Heranwachsenden bekommen Hilfestellung zum Umgang mit Cyber-Bullying.

Webwise – die Partnerschaften

Webwise ist Mitglied sowohl des „Insafe“-Netzwerks als auch des „SaferInternetIE“-Projekts – einem Konsortium, in dem sich Industrie, Bildungs-Sektor, Kinderwohlfahrts-Organisationen und Regierungsstellen zusammengefunden haben, um Aktivitäten im Bereich „Sicheres Internet“ zu koordinieren, sowie um Kindern und Jugendlichen Hotlines & Helplines zur Verfügung zu stellen.

Die nachhaltige Arbeit der Organisation trägt zweifelsohne Früchte. Laut einer Studie, die aus Anlass des Safer Internet Day 2015 veröffentlicht wurde, rangieren irische Schulen über dem EU-Durchschnitt was Internet-Sicherheit betrifft. Sowohl irische Eltern als auch Lehrer stehen bei der Vermittlung von Internet-Sicherheit besser dar als die durchschnittlichen Erziehenden & Erzieher. 87 Prozent irischer Eltern greifen ein (im Vergleich zu 77 Prozent im EU-Durchschnitt), während bei den Lehrern die Zahlen sogar noch ein bisschen besser aussehen: 89 Prozent in Irland im Vergleich zum 79 Prozent EU-Durchschnitt.

Niemand kann und will sich jedoch auf diesen Zahlen ausruhen. Die Zahlen zum Safer Internet Day 2016 (hier auf der ausführlichen Infografik nachzulesen) sind weiterer Ansporn für dieses Jahr.

Noch eine Bemerkung zum Schluss: In den 20 Jahren, die ich schon in Irland lebe, haben sich Regierungen wahrlich selten durch gemeinsames Denken und Handeln einzelner Ministerien hervorgetan. Oft zählt der „Parish“ – also die Gemeinde oder besser und ehrlicher gesagt der Wahlkreis – einzelner Minister mehr als das Gemeinwohl der ganzen Nation, oder wenigstens einer besonders schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppe.

Umso mehr muss aber lobend hervorgehoben werden, dass der für den Bereich Internet zuständige Minister für Kommunikation schon Wochen vor dem Safer Internet Day 2017 seinem Kollegen im Bildungsministerium tätig unter die Arme griff und einen Wachhund für Online Trolls benannte. Der „Digital Safety Commissioner“ wird unter anderem das Recht haben, Social Media Firmen wie Facebook oder Twitter anzuweisen, Cyber Bullying Postings zu löschen.

Die tägliche Praxis des Umgangs mit Unternehmen wie Facebook und Twitter, die hier Tausende beschäftigen, wird jedoch zeigen müssen, ob ich die Herren Minister eventuell zu früh gelobt habe. Es gibt schliesslich auch noch die Frau Wirtschaftsministerin, die die genannten Firmen glücklich halten muss. Und irgendwie geht es mir da wie bei den Trumps – wenn ich einerseits eine Rede von Melania im Kopf habe, die sich den Kampf gegen Cyber Bullying ganz oben auf die Liste ihrer Aktivitäten als First Lady schreiben will und andererseits so manchen Tweet des Online Trolls No. 1 Donald vor Augen habe.

Ich bin schon gespannt auf den 17. März, den Nationalfeiertag St. Patrick’s Day, wenn der US-Präsident traditionell den irischen Ministerpräsidenten (= Taoiseach) empfängt. Der Titel dieser Kolumne könnte dann „Taoiseach trifft Troll“ lauten.


Image (adapted) „student“ by StartupStockPhotos (CC0 Public Domain)


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Rainer Kiebat

Rainer Kiebat

arbeitet als freier Journalist in der irischen Hauptstadt Dublin. Nach einem Rundflug

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