Alle Beiträge zu lobo

Causa Gauck – Deutungshoheit im Netz

Es ist der besondere und fortwährende Irrtum des menschlichen Begreifens, mehr durch Bestätigung als durch Verneinung bewegt und begeistert zu werden.“ Francis Bacon,1620.

Eine Echokammer ist ein nach akustischen Gesetzen gestalteter Raum, der besondere Hall- und Echoeigenschaften aufweist. In einer trivialisierten Form der Medientheorie, die zum Teil im Feuilleton-Jargon oder bei halbgaren Medienwissenschaftlern anzutreffen ist, bezeichnet dieser Begriff ein Phänomen, das in der Wissenschaft als confirmation bias bezeichnet wird. Damit wird die psychologische Erkenntnis umschrieben, dass Menschen aus der Vielzahl an einströmenden Informationen diejenigen aussuchen, die die eigenen Erwartungen und das Vorwissen bestätigen und diejenigen Inhalte, die dieser Haltung widersprechen, werden ausgefiltert.

Der Psychologe Leon Festinger hat in seiner Theorie der Kognitiven Dissonanz dargelegt, dass Menschen dazu neigen, widersprechende Informationen oder Aktivitäten aufzuheben bzw. auszulöschen, weil die Widersprüche innere Erregung auslösen. Man kann also auf der Basis dieser psychologischen Begründung behaupten, dass Menschen emotionale Spannung abbauen, wenn sie Widersprüche auflösen. So etwas ist neulich geschehen, als zahlreiche Tweets mit kritisierten Zitaten vom zukünftigen Bundespräsidenten Gauck auftauchten…

Weiterlesen »

Weiterlesen »

KLARTEXT: Was ist Sascha Lobo?

Transkription / Felix Schwenzel: „Sascha Lobo ist jemand, der irgendwie bekannt geworden ist durch seine Frisur. Glaub ich zumindest. Ich hab Sascha Lobo noch ohne Frisur kennen gelernt, ich hab ihn sogar mal ganz schlank gesehen – mit ner Gurke in der Hand, die er auch anderen Anwesenden angeboten hat. Er hat damals eine Gurkendiät gemacht. Aber ich hab ihn im Forum kennen gelernt, da war er noch kein Irokesenträger. Sascha Lobo hat mich, seitdem ich ihn kenne, dadurch fasziniert, dass er extrem gut schreiben kann. Also ich finde es immer wieder faszinierend, wie Sascha Lobo es schafft, witzig und informativ zu sein. Und ja, vor allem witzig, aber auch ohne Menschenhass auszukommen. Also irgendwie mag er auch Menschen. Also das ist, glaube ich, Sascha Lobo.“

Weiterlesen »

Die Wir-müssens kommen

Gestern erlebte ich eine seltsame Begebenheit. In zwei Online-Ablegern von bekannten Zeitungen gaben sich zwei fast bekannte Erklärer der digitalen Sphäre ein Stelldichein. Bei ZEIT Online tönte ein ranghoher IBM-Manager namens Dueck, „Wir müssen lernen, Jedi zu sein„. Der Buchautor Lobo wandte sich etwas distanzierter gleich an die ganze Gesellschaft. Sie müsse „auf das anwachsende, aufgeblähte, verschwörungsdurchseuchte Wissensarchiv, auf die Query-Realität, auf die unbewusste und algorithmische Filterung der Informationen reagieren„.

Offenbar haben sowohl Shirkys universale Filter versagt als auch das Imperium die Macht übernommen.

Beeindruckend ist vor allem, dass beide Autoren auf die anderen – geschätzt über 50 – meinungsstarken Autoren im Web sowie das Gros der arbeitenden Bevölkerung herunter schauen können. Woher die Ursache für dieses singuläre Expertentum und die enorme Höhe der Argumentation rührt, bleibt wahrscheinlich in den mentalen Brotkrumen der Menschheit verborgen. In jedem Fall fühlen sich beide legitimiert, ganzen Nutzergruppen oder gar der Gesellschaft ein freundschaftliches „Wir müssen“ um die Ohren zu hauen. Da beide twitterfreundliche Phrasen verwenden, ist die allgegenwärtige Resonanz (man verstehe hier die tausendfache Verteilung der ewig Gleichen Sätze) überraschend umfassend. Neuerdings ist dies ein Nachweis von Relevanz. Denn seit Silberzunge Kruse den Begriff der Resonanz aus der Physik entlehnte (ohne Luhmanns Definition zu bedenken), ist die Inflation von knackigen Formulierungen ein Ausweis allgemeingültiger Debatten.

Denn es geht um das große Ganze. Also viele Menschen. Das Schöne am Web ist offenbar, dass seine Vorbeter der festen Meinung sind, von und für eine Mehrheit zu sprechen, wenn es um das weltweite Netz geht. Allerdings ist der Inhalt im Web weniger Mensch als eher Text. Das kann ein Problem sein. Und bei Spiegel Online wird von Herrn Lobo sogar die Therapie für die eigene Diagnose gleich mitgeliefert: „Ein bisher an deutschen Schulen vernachlässigtes Fach wird zur Schlüsselqualifikation: das Wissen, wie Wissen zustande kommt, die Epistemologie.“

Weiterlesen »

Weiterlesen »

a2n-Interview S. Lobo: „Ich bin verhalten optimistisch“

Interview mit Sascha Lobo zum Thema Filesharing auf der Konferenz all2gethernow 2010

Zum zweiten Mal findet derzeit die Fachmesse Alltogehternow im Rahmen der Berlin Music Week statt. Seit Montag stellen mehr als 250 Redner aus der Musik- und Kreativbranche neue Ideen und Strategien in über 100 Workshops, Sessions, Barcamps, Panels und Lectures vor. Schwerpunktmäßig wurde die Konferenz in drei Module Camp, Kongress und Forum unterteilt, die je an zwei Tagen vom 6. bis zum 11. September in der Kulturbrauerei und auf dem Flughafengelände Tempelhof stattfinden. Besonders das Camp, welches den Auftakt der Alltogethernow machte, verstand sich dabei als eine Plattform, auf der „auf Augenhöhe“ diskutiert werden sollte. Das hierbei auch mal die Fetzen fliegen können, zeigten Deutschlands bekanntester Blogger Sascha Lobo und Blogger Marcel Weiß von „neunetz.com“ am Montag in ihrer Diskussion zum Thema Filesharing. Das Gespräch knüpfte an eine vorab im Internet geführte Diskussion der beiden an, ob Filesharer als „schmierige Egoisten oder Wegbereiter der Kreativbranche“ zu verstehen sind. Das Interview wurde mit Sascha Lobo kurz nach dem Schlagabtausch geführt.

Sascha Lobo, die Diskussion um Filesharing wird von zwei Positionen polarisiert, die auch von Euch beiden vertreten werden: die einen sehen Musikstücke als Kulturgüter an, die es zu entlohnen gilt. Die anderen wollen nicht bezahlen, weil sie damit argumentieren, dass die heutigen Technologien die digitalen Güter inflationär im Netz verteilen und damit den Mehrwert von Musikproduktionen zunichte machen…

Weiterlesen »

Weiterlesen »